Krei­se und Bus­un­ter­neh­mer kri­ti­sie­ren Mi­nis­ter Her­mann

Fi­nan­zie­rung der ge­plan­ten Re­form des öf­fent­li­chen Nah­ver­kehrs noch nicht ge­si­chert

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN - Von Kat­ja Korf

STUTT­GART - Mit Zu­rück­hal­tung hat der Land­kreis­tag auf die An­kün­di­gung des Stutt­gar­ter Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums re­agiert, den Bus­ver­kehr ab 2021 mit zu­sätz­li­chen 50 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr zu för­dern. Wäh­rend Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann (Grü­ne) si­cher ist, dass die Krei­se die Hälf­te des Be­tra­ges fi­nan­zie­ren, ha­ben de­ren In­ter­es­sen­ver­tre­ter am Frei­tag an­de­re Si­gna­le ent­sandt. Auch der Ver­band der Om­ni­bus­un­ter­neh­mer ist skep­tisch.

„Wir ha­ben der ge­plan­ten Re­form der För­de­rung im Grund­satz zu­ge­stimmt, aber un­ter ei­nem Fi­nan­zie­rungs­vor­be­halt“, sagt Nat­ha­lie Münz, De­zer­nen­tin beim Land­kreis­tag. Des­sen Mit­glie­der sind für die Or­ga­ni­sa­ti­on des Öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehrs (ÖPNV) zu­stän­dig. Die Plä­ne des Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums se­hen vor, die För­de­rung des ÖPNV ab 2018 stu­fen­wei­se um­zu­stel­len. Die Land­krei­se sol­len mehr Ein­fluss auf Li­ni­en­wahl, Ta­ri­fe und Tak­te be­kom­men. Die Lan­des­re­gie­rung gibt da­für ab 2021 pro Jahr 25 Mil­lio­nen Eu­ro mehr als bis­lang. Die­sel­be Sum­me ha­ben die Land­krei­se zu­ge­sagt – so die In­ter­pre­ta­ti­on des Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums. Man ha­be sich auf ein Eck­punk­te­pa­pier ge­ei­nigt. Da­rin hät­ten sich die Land­krei­se zur Zah­lung ver­pflich­tet.

De­zer­nen­tin Mün­zer sagt da­zu: „Wir wer­den bis 2021 die fi­nan­zi­el­le La­ge der Krei­se eben­so prü­fen wie die Fra­ge, ob zu­sätz­li­che Mit­tel er­for­der­lich sind – und da­nach ent­schei­den, ob und wie viel wir ge­ben.“Ein ent­spre­chen­der Vor­be­halt sei in dem ge­mein­sam be­schlos­se­nen Pa­pier ent­hal­ten.

Re­form soll Land­krei­se stär­ken Das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um sieht das an­ders. Im Kon­zept sei zwar ein Vor­be­halt ver­merkt. Die­ser sei al­ler­dings nur mit Blick auf die da­mals lau­fen­den Haus­halts­ver­hand­lun­gen zwi­schen Fi­nanz­mi­nis­te­rin Edith Sitz­mann (Grü­ne) und den Kom­mu­nen be­zo­gen. Da die­se mitt­ler­wei­le mit ei­ner Ei­ni­gung ab­ge­schlos­sen wor­den sind, hat sich der Vor­be­halt nach Auf­fas­sung des Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums er­le­digt. „Ich kann mir da­her gar nicht vor­stel­len, dass ei­ne Re­form, die die Land­krei­se der­art stärkt, nun von der kom­mu­na­len Sei­te in­fra­ge ge­stellt wird. Jetzt ge­hen wir erst ein­mal in die Ver­bän­de­an­hö­rung. Da­bei kön­nen sich al­le zum Ent­wurf äu­ßern. Ich bin sehr zu­ver­sicht­lich, dass der bis­he­ri­ge brei­te Kon­sens ge­hal­ten wird“, so Her­mann.

Nach­tei­le für Mit­tel­ständ­ler? Ge­gen­wind be­kommt der Ver­kehrs­mi­nis­ter auch vom Ver­band Ba­den-Würt­tem­ber­gi­scher Om­ni­bus­un­ter­neh­mer WBO. Der hat das Pa­pier zwar eben­falls un­ter­zeich­net. Ge­schäfts­füh­rer Wit­gar We­ber warnt je­doch: „Wir ha­ben nur un­ter der Vor­aus­set­zung zu­ge­stimmt, dass es nicht zu Ver­wer­fun­gen kommt.“

Sprich: Die neu­en Ge­set­ze müss­ten si­cher­stel­len, dass mit­tel­stän­di­schen Bus­un­ter­neh­men kei­ne Nach­tei­le ent­stün­den. Das ist aus sei­ner Sicht noch nicht ge­währ­leis­tet. „Nach jet­zi­gem Stand kann es sein, dass eta­blier­te Fir­men in Ge­fahr ge­ra­ten“, be­fürch­tet We­ber.

FO­TO: ARC

Der Bus­ver­kehr im Land wird neu or­ga­ni­siert.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.