Eher ein Zu­falls­er­folg

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Ras­mus Buch­stei­ner po­li­tik@schwa­ebi­sche.de

Anis Am­ri, der mut­maß­li­che At­ten­tä­ter von Ber­lin, kann nicht mehr wei­ter tö­ten, er wur­de von der ita­lie­ni­schen Po­li­zei er­schos­sen. Was Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re ei­nen „Fahn­dungs­er­folg“nennt, scheint doch eher ein Zu­fall ge­we­sen zu sein, die Fol­ge ei­ner Rou­ti­ne­kon­trol­le. Dass Am­ri ta­ge­lang ab­tau­chen konn­te, oh­ne ge­fasst zu wer­den, war be­reits er­staun­lich. Dass er sich trotz des er­höh­ten Fahn­dungs­drucks aus Deutsch­land ab­set­zen und un­be­hel­ligt bis nach Ita­li­en ge­lan­gen konn­te, ist es um­so mehr. Der ers­te gro­ße is­la­mis­ti­sche Ter­ror­an­schlag in der Ge­schich­te der Bun­des­re­pu­blik hat De­fi­zi­te in un­se­rer Si­cher­heits­struk­tur auf­ge­zeigt. Ein po­li­zei­be­kann­ter Is­la­mist und Straf­tä­ter, ein­ge­stuft als Ge­fähr­der, der sich in der Sze­ne als Selbst­mord­at­ten­tä­ter an­ge­bo­ten hat, konn­te ein­fach so ab­tau­chen. Hin­zu kommt der Ein­druck, dass die Er­mitt­lun­gen nach dem An­schlag sorg­fäl­ti­ger hät­ten sein kön­nen.

Die Er­leich­te­rung über den Tod Am­ris mag groß sein. Noch viel grö­ßer ist al­ler­dings die Auf­ga­be, vor der Nach­rich­ten­diens­te und Po­li­zei jetzt ste­hen. Die Ter­ror­ge­fahr in Deutsch­land ist kei­nes­falls ge­bannt.

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