Sy­ri­sches Kul­tur­gut lebt im Exil wei­ter

Has­san Ha­ras­ta­ni pro­du­ziert jetzt in Frank­reich Alep­po-Sei­fe

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT -

SANTENY (AFP) - Mit dem sy­ri­schen Bür­ger­krieg ist auch die Pro­duk­ti­on der be­rühm­ten Alep­po-Sei­fe fast zum Er­lie­gen ge­kom­men. Der Groß­teil der rund 50 Sei­fen­fa­bri­ken, die einst Tou­ris­ten aus al­ler Welt an­lock­ten, ist zer­stört. Doch rund 4000 Ki­lo­me­ter ent­fernt lebt die Tra­di­ti­on wei­ter: In der Pa­ri­ser Vor­stadt stellt ein sy­ri­scher Sei­fen­ma­cher die grü­nen Blö­cke her, die we­gen ih­rer feuch­tig­keits­spen­den­den, haut­be­ru­hi­gen­den Ei­gen­schaf­ten welt­weit ge­schätzt wer­den.

Im In­dus­trie­ge­biet Sou­teny 30 Ki­lo­me­ter süd­öst­lich von Pa­ris er­in­nert nichts an den Souk von Alep­po, der jahr­hun­der­te­al­te Lä­den und Ka­ra­wan­se­rei­en be­her­berg­te und heu­te zum Groß­teil in Trüm­mern liegt. Doch ge­nau hier führt seit zwei Jah­ren ei­ne Sei­fen­fa­brik die Tra­di­ti­on fort, bei der Oli­ven­öl mit Lor­bee­r­öl, Was­ser und Lau­ge ge­mischt wird. Der ge­sam­te Pro­zess, von der Aus­wahl und Mi­schung der Öle bis zum Schnei­den der Sei­fen­stü­cke, folgt 3000 Jah­re al­ten Fa­mi­li­en­re­zep­ten.

Schon am Ein­gang der Fa­b­rik in Santeny duf­tet es nach Lor­beer und Oli­ven, in den Räu­men sta­peln sich Ber­ge von trock­nen­den Sei­fen­stü­cken. Sei­fen­ma­cher Has­san Ha­ras­ta­ni trägt ei­nen wei­ßen Over­all und rührt ei­ne spru­deln­de, erb­sen­grü­ne Mi­schung in ei­nem rie­si­gen Kes­sel. Die Kunst des Sei­fen­sie­dens hat er von sei­nem Va­ter ge­lernt. Als die Kämp­fe in Alep­po zu hef­tig wur­den, floh Ha­ras­ta­ni mit sei­ner Fa­mi­lie aus der Stadt. „Wir konn­ten nicht mehr in die Fa­b­rik ge­hen, we­gen der Bom­ben und Ent­füh­run­gen“, er­zählt er.

Als der Un­ter­neh­mer Sa­mir Con­stan­ti­ni ihm ei­ne Zu­sam­men­ar­beit in Frank­reich vor­schlug, zö­ger­te Ha­ras­ta­ni nicht lan­ge. Con­stan­ti­ni, Arzt und Spe­zia­list für Kos­me­ti­ka, woll­te ur­sprüng­lich mit Ha­ras­ta­ni ei­ne Sei­fen­fa­brik bei Alep­po er­öff­nen, doch der Krieg mach­te die Plä­ne zu­nich­te.

„Ich hat­te vie­le Kun­den, in Sy­ri­en und im Aus­land, in Frank­reich, Ita­li­en, Deutsch­land, den Golf­staa­ten, Süd­ko­rea, Ja­pan, Chi­na. Ich war ein nor­ma­ler Mensch, der sei­ne Ar­beit und sei­ne Fa­mi­lie lieb­te, hat­te gu­te Be­zie­hun­gen zu mei­nen Kun­den“, sagt Ha­ras­ta­ni.

Con­stan­ti­ni be­tont, die in Frank­reich her­ge­stell­te Alep­po-Sei­fe sei noch im­mer sy­risch. „Wenn ein fran­zö­si­scher Spit­zen­koch ein fran­zö­si­sches Re­stau­rant in New York er­öff­net, bleibt es trotz­dem fran­zö­si­sche und nicht New Yor­ker Kü­che. Bei der Sei­fe ist es das­sel­be – sie wird vom Sei­fen­ma­cher­meis­ter Ha­ras­ta­ni her­ge­stellt und ist da­her rich­ti­ge Alep­po-Sei­fe.“Das Know-how ge­he nicht ver­lo­ren, trotz des Ge­sche­hens in Sy­ri­en.

So­lan­ge in Sy­ri­en wei­ter­ge­kämpft wird, sei es das Bes­te, „mit der Pro­duk­ti­on der Sei­fe wei­ter­zu­ma­chen in der Hoff­nung, dass wie­der Frie­den ein­kehrt“, sagt Con­stan­ti­ni. Und Ha­ras­ta­ni ist op­ti­mis­tisch: „Ei­nes Ta­ges wer­den wir nach Sy­ri­en zu­rück­keh­ren.“

FO­TO: AFP

Sa­mir Con­stan­ti­ni pro­du­ziert mit dem sy­ri­schen Sei­fen­ma­cher Has­san Ha­ras­ta­ni in der Nä­he von Pa­ris die be­rühm­te Alep­po-Sei­fe.

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