Deut­sche Bank hakt US-Hy­po­the­ken­streit ab

Kre­dit­in­sti­tut zahlt fast drei Mil­li­ar­den Eu­ro – Ver­gleich fällt nied­ri­ger aus als er­war­tet

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT -

FRANK­FURT (dpa) - Die Deut­sche Bank kommt im Streit um du­bio­se Hy­po­the­ken­ge­schäf­te in den USA mit ei­nem blau­en Au­ge da­von. Deutsch­lands größ­tes Geld­haus zahlt 3,1 Mil­li­ar­den Dol­lar (2,96 Mil­li­ar­den Eu­ro) an Zi­vil­bu­ße; hin­zu kom­men über meh­re­re Jah­re ge­streckt 4,1 Mil­li­ar­den Dol­lar an fi­nan­zi­el­len Er­leich­te­run­gen für Kre­dit­neh­mer in den USA. Auf ei­nen ent­spre­chen­den Ver­gleich mit der US-Jus­tiz ei­nig­te sich das In­sti­tut nach mo­na­te­lan­gen Ver­hand­lun­gen, wie die Bank in der Nacht zum Frei­tag mit­teil­te.

Die schei­den­de US-Re­gie­rung von Ba­rack Oba­ma hat­te zu­letzt aufs Tem­po ge­drückt in den Ver­hand­lun­gen mit Ban­ken, denn im Ja­nu­ar über­nimmt Do­nald Trump das Prä­si­den­ten­amt. Nur we­ni­ge St­un­den nach der Ei­ni­gung mit der Deut­schen Bank ver­kün­de­te auch der Schwei­zer Ri­va­le Cre­dit Suis­se ei­nen Ver­gleich we­gen frag­wür­di­ger Hy­po­the­ken­de­als, der mit 5,3 Mil­li­ar­den Dol­lar Stra­fe und Aus­gleich ein Stück nied­ri­ger aus­fällt als bei den Frank­fur­tern. Da­ge­gen se­hen sich US-Re­gie­rung und die bri­ti­sche Groß­bank Bar­clays in ei­nem ähn­li­chen Fall vor Ge­richt wie­der.

Für ei­nen Teil der Sum­me hat­te die Deut­sche Bank Geld zu­rück­ge­legt – je­doch nicht ge­nug. Die Straf­geld­zah­lung wer­de das Er­geb­nis im vier­ten Quar­tal mit et­wa 1,17 Mil­li­ar­den US-Dol­lar vor Steu­ern be­las­ten. Das ist fi­nan­zi­ell noch zu ver­kraf­ten: Die Frank­fur­ter ha­ben in den ers­ten neun Mo­na­ten des Jah­res vor Steu­ern 1,6 Mil­li­ar­den Eu­ro ver­dient. An­le­ger er­leich­tert „Ob die Er­leich­te­run­gen für Ver­brau­cher fi­nan­zi­el­le Aus­wir­kun­gen ha­ben, hängt von den end­gül­ti­gen Be­din­gun­gen des Ver­gleichs ab“, hieß es bei der Deut­schen Bank. Der­zeit wer­de dar­aus kein we­sent­li­cher Ein­fluss auf das Er­geb­nis des Ge­schäfts­jah­res 2016 er­war­tet. Im Vor­jahr hat­te die Bank ei­nen Re­kord­ver­lust von 6,8 Mil­li­ar­den Eu­ro hin­neh­men müs­sen – we­gen Rechts­strei­tig­kei­ten und dem lau­fen­den Kon­zern­um­bau.

Die An­le­ger zeig­ten sich nach dem Ver­gleich er­leich­tert: Die Pa­pie­re der Deut­schen Bank klet­ter­ten am Mor­gen um drei Pro­zent und er­reich­ten zwi­schen­zeit­lich den höchs­ten Stand seit März. Die Ak­ti­en ent­fern­ten sich da­mit wei­ter von ih­rem Re­kord­tief von 9,9 Eu­ro En­de Sep­tem­ber, als die Sor­gen über ei­ne sehr ho­he Zah­lung im Hy­po­the­ken­streit den Kurs be­las­tet hat­ten.

Ur­sprüng­lich hat­ten 14 Mil­li­ar­den Dol­lar Stra­fe ge­droht. Mit­te Sep­tem­ber hat­te das US-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um mit die­ser For­de­rung die An­le­ger der Deut­schen Bank in höchs­te Alarm­stu­fe ver­setzt. Das Be­kannt­wer­den ließ den Bör­sen­wert des In­sti­tuts ein­bre­chen und lös­te so­gar Spe­ku­la­tio­nen über mög­li­che Staats­hil­fen aus. Der Kon­zern hat­te rund 5,9 Mil­li­ar­den Eu­ro für Rechts­ri­si­ken zu­rück­ge­legt. Bör­sen­brief­au­tor Hans Ber­ne­cker sieht mit dem Ver­gleich die „Kuh vom Eis“. Auch Da­ni­el Sau­renz von Fein­gold Re­se­arch hält das Er­geb­nis für gut ver­kraft­bar, weil sich die Zah­lun­gen an US-Kon­su­men­ten auf meh­re­re Jah­re ver­tei­len.

In dem Streit ging es um die Bei­le­gung zi­vil­recht­li­cher An­sprü­che im Zu­sam­men­hang mit der Aus­ga­be hy­po­the­ken­ge­deck­ter Wertpapiere zwi­schen 2005 und 2007. Dem Kon­zern wur­de vor­ge­wor­fen, da­mit zum Kol­laps des US-Häu­ser­mark­tes im Jahr 2008 bei­ge­tra­gen zu ha­ben.

Die ur­sprüng­li­che For­de­rung wä­re die höchs­te Stra­fe für ein aus­län­di­sches Geld­haus ge­we­sen, die die Be­hör­den in den USA je ver­hängt ha­ben. Aber auch in an­de­ren Fäl­len war die US-Jus­tiz mit viel hö­he­ren Sum­men in die ent­schei­den­de Pha­se von Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen ein­ge­stie­gen. Die US-In­vest­ment­bank Gold­man Sachs hat­te im April in ei­nem Ver­gleich nach ei­ner ähn­lich ho­hen Ein­stiegs­for­de­rung der US-Jus­tiz schließ­lich et­was mehr als fünf Mil­li­ar­den Dol­lar zah­len müs­sen. Ver­dacht auf Geld­wä­sche Für die Deut­sche Bank sind die Un­si­cher­hei­ten über die Kos­ten für die zahl­rei­chen Rechts­strei­tig­kei­ten ei­ner der größ­ten Be­las­tungs­fak­to­ren.

FO­TO: DPA

Die Bu­ße für du­bio­se Hy­po­the­ken­ge­schäf­te in den USA fällt für die Deut­sche Bank weit nied­ri­ger aus als be­fürch­tet.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.