Es muss nicht im­mer Aschen­brö­del sein

Von „Grinch“bis zur Queen: Fern­seh­ri­tua­le aus al­ler Welt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MEDIEN - Von Mar­tin We­ber

A lle Jah­re wie­der: Wenn im Fern­se­hen „Der klei­ne Lord“zu se­hen ist und „Drei Ha­sel­nüs­se für Aschen­brö­del“läuft, kommt bei Mil­lio­nen Deut­schen Weih­nachts­stim­mung auf. Lie­be­voll ge­mach­te Fil­me wie die­se bei­den Klas­si­ker ge­hö­ren zum Fest wie Christ­baum­ku­geln und Ge­schen­ke. Doch nicht nur in Deutsch­land do­mi­nie­ren seit vie­len Jah­ren ganz be­stimm­te Sen­dun­gen das Fern­seh­pro­gramm an den Fest­ta­gen. Auch in an­de­ren Län­dern gibt es un­ver­zicht­ba­re TV-Ri­tua­le zur Weih­nachts­zeit, oh­ne die das Fest prak­tisch un­denk­bar ist.

In Schwe­den et­wa er­freut ei­ne Zei­chen­trick­fi­gur na­mens Kal­le An­ka die Men­schen im Weih­nachts­pro­gramm mit ih­ren Spä­ßen. Hin­ter dem drol­li­gen Na­men ver­birgt sich kein Ge­rin­ge­rer als der Ame­ri­ka­ner Do­nald Duck, der seit Jahr­zehn­ten all­jähr­lich im schwe­di­schen Fern­se­hen zu se­hen ist. Der ein­stün­di­ge Dis­ney-Zu­sam­men­schnitt aus dem Jahr 1958 hat den schö­nen Ti­tel „Do­nald Duck und sei­ne Freun­de wün­schen fro­he Weih­nach­ten“und ist in dem skan­di­na­vi­schen Land Kult, ein Christ­fest oh­ne ihn kommt für vie­le Schwe­den nicht in­fra­ge. Ganz wich­tig: Die Sen­dung muss live mo­de­riert wer­den und an der Syn­chro­ni­sa­ti­on darf sich nichts än­dern – dar­über wa­chen die zahl­lo­sen Fans ge­nau.

Auch im be­nach­bar­ten Nor­we­gen schwö­ren die Men­schen auf ei­nen alt­ehr­wür­di­gen Fern­seh­brauch in der Weih­nachts­zeit, hier darf der TV-Ad­vents­ka­len­der nicht feh­len, der in der Re­gel aus 24-tei­li­gen Fern­seh­se­ri­en be­steht. Da­bei wird ei­ne be­acht­li­che Band­brei­te ab­ge­deckt, das Spek­trum reicht vom rühr­se­li­gen Weih­nachts­mär­chen bis zur bis­si­gen Ge­sell­schafts­sa­ti­re.

Die Bri­ten schwö­ren gleich auf meh­re­re TV-Ri­tua­le zur Weih­nachts­zeit: Im Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich gibt es un­ter an­de­rem ei­nen seit vie­len Jah­ren aus­ge­strahl­ten Hit­pa­ra­den-Jah­res­rück­blick im Fern­seh­pro­gramm, fer­ner den warm­her­zi­gen Zei­chen­trick­film „The Snow­man“und am Ers­ten Weih­nachts­fei­er­tag, am 25. De­zem­ber, schließ­lich die mit Span­nung er­war­te­te Weih­nachts­an­spra­che der Queen. Die ist nicht nur in Groß­bri­tan­ni­en und Nord­ir­land zu se­hen, son­dern im ge­sam­ten Com­mon­wealth, al­so auch in Län­dern wie Ka­na­da, Aus­tra­li­en, Süd­afri­ka, In­di­en und vie­len an­de­ren.

Um den ge­nau­en Text der „Queen’s Christ­mas Mes­sa­ge“, die ei­ni­ge Ta­ge vor Weih­nach­ten auf­ge­zeich­net wird und be­deu­ten­de Er­eig­nis­se des Jah­res Re­vue pas­sie­ren lässt, wird im Vor­feld ein gro­ßes Ge­heim­nis ge­macht. 1992 gab es ei­nen Skan­dal, als die Bou­le­vard­zei­tung „The Sun“den Wort­laut der An­spra­che schon zwei Ta­ge vor Christ­mas Day ver­öf­fent­lich­te. Die Queen war not amu­sed und ver­klag­te das Blatt we­gen Ver­let­zung des Ur­he­ber­rechts.

Die Fran­zo­sen lie­ben zur Weih­nachts­zeit ge­fühl­vol­le, oft rühr­se­li­ge Fil­me, in de­nen Be­nach­tei­lig­te tap­fer den Wid­rig­kei­ten des Le­bens trot­zen. In Aus­tra­li­en, wo Weih­nach­ten mit­ten in den Som­mer fällt, wer­den ger­ne Live­über­tra­gun­gen von tur­bu­len­ten Shows ge­sen­det, die am Strand über die Büh­ne ge­hen. In den USA schließ­lich lau­fen an Weih­nach­ten be­vor­zugt the­ma­tisch pas­sen­de Hol­ly­wood-Fil­me wie „Der Grinch“oder „Ke­vin – Al­lein zu Haus“.

In New York kommt je­doch noch ei­ne re­gio­na­le Be­son­der­heit da­zu: Dort steht beim Sen­der WPIX all­jähr­lich der „Yu­le Log“auf dem Pro­gramm. Ge­zeigt wird stun­den­lang nichts an­de­res als ein bren­nen­der Holz­scheit im Ka­min. Zu se­hen war das fest­li­che und mit Weih­nachts­mu­sik un­ter­leg­te Feu­er aus der Re­si­denz des New Yor­ker Bür­ger­meis­ters erst­mals an Weih­nach­ten 1966. Wi­der Er­war­ten wur­de die Sen­dung zum gro­ßen Er­folg und zum TV-Ri­tu­al. Meh­re­re Ver­su­che des Sen­ders, die zum zu­neh­men­den Är­ger der Ver­ant­wort­li­chen völ­lig wer­be­freie Sen­dung wie­der los­zu­wer­den, schei­ter­ten re­gel­mä­ßig an ei­ner Be­schwer­de­flut der Zu­schau­er.

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Der „Grinch“läuft in den USA je­des Jahr zu Weih­nach­ten.

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Für Bri­ten ein Muss: Queen Eliz­a­beth und ih­re Weih­nachts­an­spra­che, hier im Jahr 2015.

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