Wirk­sa­mer Impf­stoff ge­gen Ebo­la

Ei­ne Stu­die in Gui­nea ver­lief laut WHO-Ex­per­ten über­aus er­folg­reich

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PANORAMA -

PA­RIS (AFP/dpa) - Drei Jah­re nach dem Aus­bruch der Ebo­la-Epi­de­mie mit mehr als 11 000 To­ten ist nach Ein­schät­zung von WHO-Ex­per­ten wo­mög­lich ein „fast hun­dert­pro­zen­tig“wirk­sa­mer Impf­stoff ge­gen die In­fek­ti­ons­krank­heit ge­fun­den wor­den. Der in ka­na­di­schen La­bors ent­wi­ckel­te Impf­stoff rVSV-ZEBOV wur­de ver­gan­ge­nes Jahr im west­afri­ka­ni­schen Gui­nea er­folg­reich ge­tes­tet, wie Ma­rie-Pau­le Ki­e­ny von der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) am Frei­tag mit­teil­te. Das Mit­tel kön­ne wo­mög­lich schon 2018 zu­ge­las­sen wer­den.

Von den knapp 6000 Men­schen, die mit dem Stoff ge­impft wur­den, er­krank­te im ver­gan­ge­nen Jahr nie­mand an Ebo­la. Hin­ge­gen ha­be es in der Kon­troll­grup­pe mit nicht ge­impf­ten Men­schen 23 Ebo­la-In­fek­tio­nen ge­ge­ben, schil­der­ten Wis­sen­schaft­ler in der Fach­zeit­schrift „The Lan­cet“. „Das legt na­he, dass der Impf­stoff sehr ef­fi­zi­ent ist und ei­ne bis zu hun­dert­pro­zen­ti­ge Wirk­sam­keit er­rei­chen könn­te“, sag­te die WHO-Ver­tre­te­rin Ki­e­ny. Ihr For­scher­team er­rech­ne­te ei­ne 90-pro­zen­ti­ge Wahr­schein­lich­keit, dass der Impf­stoff wäh­rend ei­ner aku­ten Epi­de­mie 80 Pro­zent der Ge­impf­ten schützt. Zur Stu­die wähl­ten die Or­ga­ni­sa­to­ren das Prin­zip der Rin­gimp­fung: Nach ei­nem be­stä­tig­ten Ebo­laFall impf­ten sie die Kon­takt­per­so­nen des Pa­ti­en­ten so­wie auch de­ren Kon­tak­te.

„Die über­zeu­gen­den Er­geb­nis­se kom­men zwar zu spät für die­je­ni­gen, die wäh­rend der Ebo­la-Epi­de­mie in West­afri­ka ihr Le­ben ver­lo­ren ha­ben“, er­klär­te Ki­e­ny. „Aber sie zei­gen, dass wir bei der nächs­ten Ebo­laEpi­de­mie nicht mehr schutz­los sein wer­den.“

Der Impf­stoff war zu­nächst von den ka­na­di­schen Ge­sund­heits­be­hör­den ent­wi­ckelt wor­den, spä­ter über­nahm der US-Kon­zern Merck. Das Phar­ma­un­ter­neh­men plant, im Schnell­ver­fah­ren ei­ne Zu­las­sung des Impf­stoffs zu er­wir­ken und ihn 2018 in den USA und Eu­ro­pa auf den Markt zu brin­gen. Üb­li­cher­wei­se kön­nen zehn Jah­re oder mehr ver­ge­hen, bis ein neu­es Mit­tel zu­ge­las­sen wird. Merck hat als Ge­gen­leis­tung für das Schnell­ver­fah­ren zu­ge­si­chert, 300 000 Do­sen des Impf­stoffs für Not­fäl­le be­reit­zu­hal­ten. Das Un­ter­neh­men wer­de in der La­ge sein, ei­ne Mil­li­on Impf­do­sen „in ei­nem sehr kur­zen Zei­t­raum“her­zu­stel­len, sag­te Ki­e­ny. Wirk­dau­er noch un­klar Al­ler­dings gibt es noch of­fe­ne Fra­gen, et­wa hin­sicht­lich mög­li­cher Ne­ben­wir­kun­gen. Laut der Stu­die zeig­ten nur zwei der 6000 Pro­ban­den ernst­haf­te Ne­ben­wir­kun­gen, bei­de er­hol­ten sich je­doch voll­stän­dig. Un­klar ist zu­dem sei­ne Wirk­dau­er und ob der Impf­stoff auch für klei­ne Kin­der und Schwan­ge­re un­ge­fähr­lich ist. Ki­e­ny merk­te auch an, dass für an­de­re Ebo­la-Vi­ren­stäm­me ei­ge­ne Impf­stof­fe ent­wi­ckelt wer­den müss­ten.

Das bri­ti­sche Phar­ma­un­ter­neh­men Gla­xos­mith­kli­ne und das USUn­ter­neh­men John­son & John­son ar­bei­ten eben­falls an ei­nem Ebo­laImpf­stoff. Auch Chi­na und Russ­land ent­wi­ckel­ten Impf­stof­fe, die noch er­probt wer­den.

FO­TO: DPA

Schon wäh­rend der Ebo­la-Epi­de­mie star­te­ten Impf­stu­di­en ge­gen das Vi­rus.

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