Das „hei­mat­lo­se“Kind löst Sehn­sucht nach Hei­mat aus

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN - Von De­kan Chris­toph Neu­brand

Wohn­sitz der El­tern Na­za­reth – ge­bo­ren in Bet­le­hem – ge­stor­ben in Jerusalem. Als Kind Flücht­ling in Ägyp­ten, als Er­wach­se­ner die Selbst­aus­sa­ge: „Die Füch­se ha­ben ih­re Höh­len, die Vö­gel ih­re Nes­ter, der Men­schen­sohn aber hat kei­nen Ort, wo er sein Haupt hin­le­gen kann.“Es geht um Je­sus – es geht um den „hol­den Kn­a­be mit lo­cki­gem Haar“aus „Stil­le Nacht“und es geht um Men­schen. Men­schen wie du und ich.

Un­end­lich vie­le Men­schen sind seit cir­ca 75 Jah­ren in die­ser Welt flüch­tend un­ter­wegs. Vie­le der Men­schen, die wir be­er­di­gen, sind durch Krieg und Schre­cken von Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, Sta­li­nis­mus und die ent­spre­chen­den Fol­gen ge­flo­hen oder ver­trie­ben wor­den. Vor 30 Jah­ren wa­ren es die Wan­de­rungs­be­we­gun­gen, die der Un­ter­gang des Kom­mu­nis­mus, die wirt­schaft­li­che Per­spek­tiv­lo­si­geit und das teil­wei­se krie­ge­ri­sche Zer­fal­len ost­eu­ro­päi­scher Län­der aus­ge­löst ha­ben. Heu­te sind es un­zäh­li­ge krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen, Fol­gen des Wirt­schafts­sys­tems, des Kli­ma­wan­dels oder re­li­giö­se In­to­le­ranz, die vie­le Men­schen da­zu zwin­gen, ih­re Hei­mat zu ver­las­sen.

Weih­nach­ten „treibt“Men­schen heim, ver­bin­det Men­schen, führt zu­sam­men – ei­gent­lich ver­rückt. Das „hei­mat­lo­se“Kind von Bet­le­hem, das mit sei­nen El­tern vor He­ro­des flie­hen muss, die­ses Kind löst Sehn­sucht nach Hei­mat, Ge­bor­gen­heit, Frie­de aus und stillt die­se zu­gleich.

Die bi­bli­schen Bil­der von Weih­nach­ten sind Bil­der ei­ner Ge­mein­schaft um die­sen Im­ma­nu­el – Gott mit uns –, die un­ter­schied­li­cher nicht sein könn­ten: Der Hand­wer­ker Jo­sef und sei­ne Braut Ma­ria, die er vor dem Tod be­wahrt hat, weil er ge­recht war und Got­tes Wort über das Ge­setz ge­stellt hat; die Hir­ten von den Fel­dern Bet­le­hems, wich­tig und doch drau­ßen vor der Stadt; die frem­den Wei­sen, die reich sind, aber zu­gleich die Ori­en­tie­rung ver­lo­ren ha­ben, die sich zu­erst in den Je­ru­sa­le­mer Kö­nigs­pa­last ver­irrt ha­ben,….. Sie al­le ha­ben ein Ziel: Je­sus. Das Kind in der Krip­pe ist der Mit­tel­punkt die­ser Men­schen, auf ihn hin sind sie un­ter­wegs. Ge­führt und ge­ru­fen auf un­ter­schied­li­che Wei­se.

Die­se Ge­mein­schaft will sich um uns ver­grö­ßern und lädt je­de und je­den ein – „wer gu­ten Wil­lens ist“, der ist will­kom­men in der Ge­mein­schaft des gött­li­chen Kin­des, in der Ge­mein­schaft von „Eh­re sei Gott in der Hö­he und Frie­de auf Er­den den Men­schen sei­ner Gna­de.“

Ge­führt und ge­ru­fen durch un­se­ren Gott, das sind auch heu­te je­ne, de­nen Scha­lom wich­tig ist. Frie­de, Heil, Wohl­er­ge­hen – mehr als Waf­fen­still­stand oder Feu­er­pau­se. Mög­lich­keit zu le­ben, Mög­lich­keit den Sinn des Le­bens, Hoff­nun­gen, Per­spek­ti­ven zu ent­wi­ckeln.

In der Rechts­ord­nung der Bun­des­re­pu­blik spre­chen wir von der Men­schen­wür­de – fei­ern wir an Weih­nach­ten, den gro­ßen Ga­rant der Men­schen­wür­de: Gott wur­de Mensch, und wir sind da­durch Kin­der Got­tes ge­wor­den – als sol­che gilt es nach sei­nem Evan­ge­li­um zu le­ben – Tag für Tag.

Ge­seg­ne­te Weih­nach­ten wün­schen in die­sem Sin­ne die Seel­sor­ge­rin­nen und Seel­sor­ger Sig­ma­rin­gens und die Ver­ant­wort­li­chen von Dia­ko­nie und Ca­ri­tas in Sig­ma­rin­gen.

FO­TO: AR­CHIV

Chris­toph Neu­brand

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