Poe­try Slam: Au­to­ren lie­ben Gög­gin­gen

Das Kon­zept von Chris­ti­an Bieh­ler geht auf – Nächs­ter Slam ist am Mitt­woch

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - RUND UM SIGMARINGEN - Von Co­rin­na Wol­ber

GÖG­GIN­GEN - Seit un­ge­fähr acht Jah­ren or­ga­ni­siert Chris­ti­an Bieh­ler nun schon Poe­try Slams in Gög­gin­gen. Was ei­gent­lich vor rund 20 Jah­ren als eher groß­städ­ti­sches Phä­no­men be­gann, hat er aufs Land ge­holt – und ist da­mit sehr er­folg­reich. Sei­ne Poe­try Slams im Lin­den­saal sind ei­gent­lich im­mer aus­ver­kauft, zu­min­dest fast. Der nächs­te Slam fin­det am kom­men­den Mitt­woch, 28. De­zem­ber, statt.

„Ich ha­be da­mals da­mit an­ge­fan­gen, weil ich bei uns auf dem Land mal et­was Neu­es ma­chen woll­te“, sagt Bieh­ler. Sei­ne Freun­de und Be­kann­ten sei­en so gut wie al­le weg­ge­zo­gen und mach­ten ihr Ding in ver­schie­de­nen Städ­ten. „Mein Ziel ist es aber, den Men­schen hier ein Kul­tur­an­ge­bot zu ma­chen.“Dem 33-Jäh­ri­gen ist es wich­tig, dass sich bei sei­nen Ver­an­stal­tun­gen jün­ge­re und äl­te­re Leu­te be­geg­nen. „Ich war da­mals mal bei ei­nem Poe­try Slam in Stutt­gart und fand das rich­tig cool.“Jün­ge­re wür­den nicht zu­letzt auch da­durch an­ge­spro­chen, dass ei­ni­ge Rap­per an den Slams teil­neh­men und ih­re Tex­te ent­spre­chend an­pas­sen. „Gleich­zei­tig ist es auch was für Äl­te­re, die ein­fach Spaß an Li­te­ra­tur ha­ben.“

Das Kon­zept ging auf, auch wenn es am An­fang gar nicht so ein­fach war, Poe­try Slam­mer von den Groß­stadt­büh­nen aufs Land zu lo­cken. Chris­ti­an Bieh­ler schrieb da­mals in ein­schlä­gi­gen Fo­ren po­ten­zi­el­le Teil­neh­mer an, „doch vie­le wa­ren äu­ßerst skep­tisch“. Das än­der­te sich al­ler­dings schnell: „Die Slam­mer wa­ren be­geis­tert als sie ge­merkt ha­ben, dass sie in Gög­gin­gen vor aus­ver­kauf­tem Haus le­sen.“Seit­dem funk­tio­nie­re die Su­che pro­blem­los. Für den Poe­try Slam am kom­men­den Mitt­woch ha­ben sich bis­lang Mar­cel Sie­ders­ber­ger (Sig­ma­rin­gen), Mar­tin Gei­er (Nürn­berg), Sa­b­ri­na Hartmann (Ulm), An­di Reb­holz (Ulm), Do­mi­nik Er­hard (Mün­chen), Ma­ri­us Loy (Ess­lin­gen), Alex Simm (Kon­stanz), Sa­ra Bo­net­ti (Wol­furt, Vor­arl­berg) und Ian Shaw (Kemp­ten) an­ge­mel­det. Be­wer­tung soll fair sein Die Mo­de­ra­ti­on über­nimmt wie in den Vor­jah­ren Mar­vin Su­ckut aus Kon­stanz. „Er macht das su­per und trägt zwi­schen­durch auch ei­ge­ne Sa­chen vor“, sagt Bieh­ler. Prin­zi­pi­ell läuft der Poe­try Slam so ab, dass die Teil­neh­mer je­weils drei bis fünf Mi­nu­ten Zeit ha­ben, um ei­nen selbst ver­fass­ten Text vor­zu­tra­gen. Da­bei kommt es al­ler­dings bei Wei­tem nicht nur aufs feh­ler­freie Ab­le­sen an; statt­des­sen set­zen sich die Slam­mer auch selbst in Sze­ne – der Vor­trag kann dann durch­aus Come­dy-Cha­rak­ter ha­ben. Meis­tens gibt es ei­ne Vor­run­de mit bei­spiels­wei­se zwei Fün­fer­grup­pen. Die je­weils bes­ten kom­men wei­ter und tre­ten im Fi­na­le noch­mal ge­gen­ein­an­der an. „Es ist al­so er­for­der­lich, dass je­der min­des­tens zwei Tex­te vor­be­rei­tet“, sagt Chris­ti­an Bieh­ler.

Da­mit es bei der Be­wer­tung fair zu­geht, be­stimmt der Mo­de­ra­tor am An­fang der Ver­an­stal­tung ei­ne Ju­ry. „Er sucht sich spon­tan ein paar Leu­te aus dem Pu­bli­kum aus und ach­tet auf ei­ne gu­te Mi­schung in Sa­chen Al­ter und Ge­schlecht.“Wür­de das kom­plet­te Pu­bli­kum ab­stim­men, sei die Ge­fahr groß, dass ein Slam­mer aus der Re­gi­on ei­ne gan­ze En­tou­ra­ge an Fans und Freun­den mit­bringt, die dann für ihn stim­men. „So ge­währ­leis­ten wir, dass das nicht pas­siert.“

Bieh­ler schätzt an den Poe­try­Slam-Tex­ten, dass sie meis­tens vol­ler Sar­kas­mus und schwar­zem Hu­mor sind, wie er sagt. „Rich­tig erns­te The­men ge­hen al­ler­dings oft un­ter, das ist ei­gent­lich sehr scha­de.“Er führt das dar­auf zu­rück, dass vie­le „heu­te eher un­ter­hal­ten wer­den wol­len“. Ge­ne­rell ha­be sich das Pu­bli­kum auch al­ters­mä­ßig ver­än­dert. Sei es an­fangs noch sehr aus­ge­gli­chen ge­we­sen, sei­en heu­te et­wa 80 Pro­zent zwi­schen 18 und 25 Jah­re alt. An sei­ner Idee, et­was für al­le Ge­ne­ra­tio­nen zu ma­chen, hält Bieh­ler aber fest. Au­ßer­dem hat sich das Da­tum der Ver­an­stal­tung be­währt: „Weil Weih­nach­ten dann ge­ra­de vor­bei ist, sind die meis­ten zu Hau­se und ha­ben frei. Das spielt uns in die Hän­de.“ Im An­schluss an den Poe­try Slam gibt es ei­ne Par­ty im Kel­ler mit DJ Cas­pa, DJ Roo­kie, DJ Bla­ze und DJ Bee­style. Der Poe­try Slam be­ginnt um 19.15 Uhr im Lin­den­saal in Gög­gin­gen, Ein­lass ist um 18 Uhr. Der Ein­tritt kos­tet acht Eu­ro, der Ein­tritt zur Af­ter-Show-Par­ty ist frei. Platz­re­ser­vie­run­gen und An­mel­dun­gen für den Poe­try Slam sind per E-Mail mög­lich:

in­fo@nost­ress­re­cor­ds.de

FO­TO: JA­KOB KIELGASS

Mar­vin Su­ckut aus Kon­stanz wird den Poe­try Slam in Gög­gin­gen mo­de­rie­ren.

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