13 Blätter aus der gol­de­nen Bil­der­bi­bel

Beu­ro­ner Kunst­ka­len­der ver­mit­telt Ein­drü­cke von kost­ba­rer mit­tel­al­ter­li­cher Hand­schrift

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MESSKIRCH -

BEURON (chw) - Ei­ni­ge Le­ser wer­den sich an die Aus­stel­lung im Schloss Meß­kirch mit den auf­wen­dig il­lus­trier­ten Hand­schrif­ten er­in­nern. Ei­ne der be­deu­tends­ten Hand­schrif­ten die­ser Art, „Der gol­de­ne Münch­ner Ps­al­ter“, ist für das kom­men­de Jahr das The­ma des Beu­ro­ner Kunst­ka­len­ders.

Der in ei­ner Werk­statt in Ox­ford ge­fer­tig­te Ps­al­ter, ei­ne „wah­re Bil­der­bi­bel“, wie die fach­kun­di­gen Er­läu­te­run­gen von Wer­ner Köh­ler fest­stel­len, stammt vom En­de des 12., An­fang des 13. Jahr­hun­derts und gilt, nicht nur künst­le­risch, als be­son­ders kost­bar. Die meis­ten sei­ner Ab­bil­dun­gen sind auf Gold­grund ge­ar­bei­tet. Auf­fäl­lig ist bei die­sen Buch­ma­le­rei­en, dass sie im Ge­gen­satz zu an­de­ren mit­tel­al­ter­li­chen Ma­le­rei­en be­son­ders bei den Ge­sich­tern ei­ne fast rea­lis­ti­sche Darstel­lungs­wei­se zei­gen. Geht es in an­de­ren mit­tel­al­ter­li­chen Ar­bei­ten aus­schließ­lich um ab­stra­hier­te Glau­bens­in­hal­te, die auch die Darstel­lung von In­di­vi­du­en auf ei­ne Sche­ma­tik re­du­zie­ren, so las­sen sich im Mün­che­ner Ps­al­ter un­ter­schied­li­che Ge­sichts­zü­ge der ein­zel­nen Gestal­ten er­ken­nen. Das zeigt sich zum Bei­spiel im Ju­ni-Blatt, das die Aus­gie­ßung des hei­li­gen Geis­tes zeigt, auf dem die ein­zel­nen Jün­ger deut­lich zu un­ter­schei­den sind und nicht nur Staf­fa­ge für das hei­li­ge Vor­komm­nis.

Das ver­leiht den Bil­dern, wie­wohl gro­ße Kunst, ei­ne ge­wis­se Nai­vi­tät, eben je­nes er­zäh­le­ri­sche Ele­ment der Bil­der­bi­bel, das sich hier al­ler­dings an die Mit­glie­der des ab­so­lu­ten Hoch­adels wen­det. Wur­den die­se Ge­schich­ten spä­ter dem brei­ten Volk in Form von Glas­ma­le­rei­en in den Kir­chen ver­mit­telt (die na­tür­lich nicht so de­tail­liert sein konn­ten), so ist in die­sen Hand­schrif­ten ein ganz eli­tä­rer Zir­kel als Be­trach­ter an­ge­spro­chen.

Die gan­ze Darstel­lung zeich­net sich durch ein nar­ra­tiv-er­läu­tern­des Ele­ment aus, so im Fe­bru­ar­blatt der sechs Schöp­fungs­ta­ge, der Ok­to­ber­dar­stel­lung „Ja­kobs Traum und Kampf mit dem En­gel“und nicht zu­letzt im De­zem­ber­bild mit der Ge­burt Chris­ti und der Ver­kün­di­gung an die Hir­ten, in dem ei­ne ge­ra­de­zu fa­mi­liä­re At­mo­sphä­re herrscht: Ma­ria ge­müt­lich auf die Hand ge­stützt, das sat­te Je­sus­kind be­wun­dert von Och­se und Esel in sei­ner Krip­pe und da­bei ein nach­denk­lich-zu­frie­de­ner Jo­sef. Dar­un­ter ver­neh­men er­staunt die Hir­ten das gro­ße Wun­der.

Mit wel­chem Auf­wand sol­che Hand­schrif­ten her­ge­stellt wur­den, de­mons­triert das Sep­tem­ber­blatt, das die Initia­le (ers­ter Buch­sta­be) des ers­ten Psalms „Bea­tus vir“(„Glück­lich der Mann...“) zeigt. Das B ist efüllt von rei­chem Ran­ken­werk und um­ge­ben von sechs Me­dail­lons mit Sze­nen aus dem Le­ben Da­vids, der als Sän­ger und Dich­ter auch als Au­tor der Psal­men galt.

Der Beu­ro­ner Kunst­ka­len­der für das Jahr 2017 bie­tet in be­währ­ter Druck­qua­li­tät und wie im­mer ge­lun­ge­nem Mit­ein­an­der von Bild und Er­läu­te­rung ei­ne Be­glei­tung durch das Jahr, die man ein­fach als Kunst- und Kul­tur­in­ter­es­sier­ter je­den Mo­nat ge­nie­ßen kann. Der re­li­giö­se Kon­text ist vor­han­den, muss aber nicht zum Leit­fa­den die­nen.

Beu­ro­ner Kunst­ka­len­der 2017, „Sa­kra­les Mit­tel­al­ter – Il­lu­mi­na­tio­nen aus dem „Gol­de­nen Münch­ner Ps­al­ter“, kom­men­tiert von Wolf­gang Köh­ler, Ber­lin, Beu­ro­ner Kunst­ver­lag, 24,95 Eu­ro, ISBN 978-3-87071-328-7

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.