Fan­gen spie­len mit Fin­dus

War­um der Po­ny­hengst Zir­kus­prin­zes­sin Mi­le­na aufs Wort folgt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WEIHNACHTEN - Von Stefanie Böck

Als Zir­kus­prin­zes­sin hat man es nicht leicht. Je­den­falls nicht mit Fin­dus. Der ge­tupf­te Po­ny­hengst hält die acht­jäh­ri­ge Mi­le­na Kretz ganz schön auf Trapp. „Wenn ich beim Hu­fe Sau­ber­ma­chen nicht auf­pas­se, beißt er mich im­mer in den Po“, sagt das dun­kel­haa­ri­ge Mäd­chen, das es sich nicht neh­men lässt, bei al­len 30 Vor­stel­lun­gen des „Ra­vens­bur­ger Weih­nacht­scir­cus“mit in der Ma­ne­ge zu ste­hen.

Ih­ren ers­ten Auf­tritt hat­te sie mit zwei Jah­ren. Da­mals nahm sie ihr Va­ter und Zir­kus­di­rek­tor Elmar Kretz zum ers­ten Mal mit ins Fi­na­le. Dann be­kam sie ei­ne klei­ne Rol­le. Vor zwei Jah­ren den ers­ten Auf­tritt mit Fin­dus. Letz­tes Jahr lots­te Mi­le­na sechs aus­ge­wach­se­ne Milch­kü­he durch die Ma­ne­ge. Und die­ses Jahr soll ihr fre­cher Po­ny­hengst un­ter ih­rer An­lei­tung durch meh­re­re Me­tall­rei­fen hüp­fen.

Die Schü­le­rin übt seit Mo­na­ten den Trick. An ih­rer Sei­te steht der be­rühm­te Pfer­de­trai­ner Elmar Kretz und gibt ihr stets prä­zi­se An­wei­sun­gen. „Ich mach es im­mer genau­so, wie er sagt“, ver­si­chert Mi­le­na, nickt ge­hor­sam und fügt dann lei­se hin­zu. „Na­ja – fast im­mer.“Denn manch­mal klappt es bes­ser, wenn Mi­le­na macht, was sie für rich­tig hält. Und Fin­dus folgt. „Er hört viel bes­ser auf mich als auf Pa­pa“, sagt Mi­le­na ein biss­chen kess, fast frech. Va­ter Elmar Kretz lä­chelt mil­de. „Das stimmt. Vor mir weicht er im­mer zu­rück.“Das hät­te et­was mit sei­ner na­tür­li­chen Do­mi­nanz zu tun. Elmar Kretz ist für Fin­dus of­fen­sicht­lich ei­ne Spur zu stark.

Da­bei kommt Kretz nor­ma­ler­wei­se mit sämt­li­chen Pfer­den aus al­ler Her­ren Län­dern präch­tig zu­recht. „Aber mit Fin­dus macht es Mi­le­na echt bes­ser“, gibt der Pro­fi zu. Ei­ne Freund­schaft scheint die bei­den zu ver­bin­den. Je­den zwei­ten Tag lau­fen und tra­ben sie zu­sam­men durch die klei­ne Hal­le am Stall in Ober­reu­te. Dort rei­tet Mi­le­na Fin­dus auch manch­mal. Oder sie übt neue Kunst­stü­cke.

„Er kann schon sit­zen, lie­gen, stei­gen und ein Kom­pli­ment ma­chen“, er­zählt das sport­li­che Mäd­chen stolz vom tie­ri­schen Zir­kus­knicks. Am bes­ten klappt das, wenn Mi­le­na zu­vor aus­gie­big mit ih­rem vier­bei­ni­gen Freund Fan­gen spielt. „Da muss ich auf­pas­sen, dass er mich nicht um­schubst“, sagt sie la­chend. Bei ih­rem Spiel kommt es auch schon ein­mal vor, dass er sie über­mü­tig in den Fin­ger zwickt.

Ganz schön aben­teu­er­lich sei die Aus­bil­dung von Fin­dus am An­fang ge­we­sen. Denn der klei­ne Hengst büx­te bei je­der Ge­le­gen­heit aus. „Er ist ein­fach un­ter dem Ab­sperr­band durch­ge­schlüpft oder zum Tor raus­ge­sprun­gen“, er­zählt Mi­le­na und er­in­nert sich an ei­nen Nach­mit­tag, an dem Fin­dus durch das hal­be Dorf ga­lop­pier­te.

Pas­siert ist zum Glück nichts. Der Po­ny­hengst guckt kern­ge­sund aus der mo­bi­len Box ne­ben dem gro­ßen Zir­kus­zelt in Ravensburg. Dort steht er noch bis Ja­nu­ar zwi­schen sei­nen ed­len Show­p­fer­de­kol­le­gen mit ara­bi­schem oder spa­ni­schem Blut. Fin­dus stört das nicht – zu­frie­den mampft er bes­tes All­gäu­er Berg­heu und war­tet ge­dul­dig auf sei­nen nächs­ten Auf­tritt. Wenn er es gut macht, be­kommt er von Mi­le­na viel­leicht auch noch sein Lieb­lings­le­cker­li: ge­trock­ne­te Ba­na­nen­chips.

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