Land über­rum­pelt Stadt mit LEA-Kon­zept

Der Ent­wurf des Lan­des für ei­nen dau­er­haf­ten Be­trieb der Auf­nah­me­stel­le stößt auf Kri­tik

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - JAHRESRÜCKBLICK - Von Micha­el He­scheler

SIG­MA­RIN­GEN - En­de No­vem­ber stellt das Land sei­ne Plä­ne für die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen vor: Zwar ver­kauft das In­nen­mi­nis­te­ri­um das Pa­pier le­dig­lich als Ent­wurf, doch der Ge­mein­de­rat sieht die Stadt auf der Ver­lie­rer­stra­ße. We­ni­ge Ta­ge nach der Vor­stel­lung des Kon­zepts ver­ab­schie­det das Gre­mi­um ei­nen For­de­rungs­ka­ta­log mit zwölf Punk­ten. Die zwei Kern­for­de­run­gen: Statt der vom Land an­ge­dach­ten 1250 Flücht­lin­ge möch­te die Stadt, dass in der Erst­auf­nah­me­stel­le ma­xi­mal 500 Flücht­lin­ge un­ter­ge­bracht wer­den. Noch wich­ti­ger ist ihr ei­ne zeit­li­che Be­gren­zung der Erst­auf­nah­me in der Ex-Ka­ser­ne bis Ju­li 2020. Das Land möch­te die Erst­auf­nah­me un­be­fris­tet be­trei­ben und sieht le­dig­lich ei­ne Über­prü­fung al­le drei Jahr vor.

Bei ei­ner mit 400 In­ter­es­sen­ten gut be­such­ten Ein­woh­ner­ver­samm­lung und ei­ner Kund­ge­bung mit rund 200 Teil­neh­mern un­ter­mau­ern die Sig­ma­rin­ger ih­re For­de­run­gen. In­ner­halb we­ni­ger Ta­ge sam­melt die Stadt mit Un­ter­stüt­zung der Ein­zel­händ­ler 702 Un­ter­schrif­ten, die den For­de­rungs­ka­ta­log un­ter­stüt­zen. Bür­ger­meis­ter Tho­mas Schä­rer und ei­ne De­le­ga­ti­on des Ge­mein­de­rats fah­ren nach Stutt­gart, um die Lis­ten im In­nen­mi­nis­te­ri­um zu über­ge­ben.

Vor Weih­nach­ten sagt das Land der Stadt zu, dass es – wie ge­for­dert – ei­nen schrift­li­chen Ver­trag ge­ben wer­de. Die zwei­te er­füll­te For­de­rung: Falls die Zoll­schu­le auf dem ehe­ma­li­gen Ka­ser­nen­ge­län­de bau­en will, wird ihr das Land kei­ne St­ei­ne in den Weg le­gen.

Das Haupt­ar­gu­ment ge­gen die dau­er­haf­te Ein­rich­tung ei­ner Erst­auf­nah­me­stel­le in Sig­ma­rin­gen ist aus Sicht der Geg­ner die Kon­ver­si­on, die ins Sto­cken ge­ra­ten könn­te. Die Pla­nun­gen für den In­no­va­ti­ons­cam­pus ge­hen da­ge­gen un­ver­min­dert wei­ter. In die­sem Jahr wer­den die Wei­chen für das Elf-Mil­lio­nen-Eu­roPro­jekt ge­stellt: Pe­ter Hauk, Mi­nis­ter für den länd­li­chen Raum, über­gibt den Zu­schuss­be­scheid, der die Fi­nan­zie­rung si­cher­stellt. Beim Zu­kunfts­pro­jekt, das bis zu 400 hoch­qua­li­fi­zier­te Ar­beits­plät­ze schaf­fen soll, ar­bei­ten die Hoch­schu­le und die Stadt Hand in Hand. Der In­no­cam­pus be­steht aus ei­ner Mo­dell­fa­brik, ei­nem In­no­va­tions- und Tech­no­lo­gie­zen­trum und ei­ner Aka­de­mie.

Rück­bli­ckend wird die Dis­kus­si­on aus den Som­mer­mo­na­ten um ei­ne Zu­nah­me von De­lik­ten, die in Zu­sam­men­hang mit Flücht­lin­gen ste­hen, fast zur Rand­no­tiz: La­den­dieb­stäh­le, Ord­nungs­stö­run­gen wie Lärm­be­läs­ti­gun­gen durch meist Al­ko­ho­li­sier­te, Dro­gen­de­lik­te und Kör­per­ver­let­zun­gen. Die Po­li­zei macht hier­für ein Dut­zend Tat­ver­däch­ti­ger ma­rok­ka­ni­scher Ab­stam­mung ver­ant­wort­lich und setzt zu­sätz­li­che Be­reit­schafts­po­li­zis­ten ein, um der La­ge Herr zu wer­den.

Wie über­all in Deutsch­land ge­hen die Flücht­lings­zah­len auch in Sig­ma­rin­gen zum Jah­res­be­ginn auf we­ni­ge Hun­dert zu­rück. Erst zum Jah­res­en­de stei­gen sie wie­der auf über 800. Mit der Be­kannt­ga­be der Plä­ne des Lan­des nimmt auch die Schär­fe der Dis­kus­si­on zu.

FO­TO: THO­MAS WARNACK

Rund 200 Sig­ma­rin­ger ge­hen auf die Stra­ße, um den For­de­rungs­ka­ta­log der Stadt in Be­zug auf die Erst­auf­nah­me­stel­le zu be­kräf­ti­gen.

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