Die Grü­nen ju­beln, Ent­set­zen bei der CDU

Andrea Bo­gner-Un­den er­hält Di­rekt­man­dat – Klaus Bur­ger bangt um sei­nen Job

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - IMMOBILIEN - Von An­na-Le­na Buch­mai­er

SIG­MA­RIN­GEN - Span­nung bis zur letz­ten Mi­nu­te: Bei der Land­tags­wahl am 13. März konn­te bis Re­dak­ti­ons­schluss nicht ab­schlie­ßend ge­klärt wer­den, ob Klaus Bur­ger wei­ter­hin Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter wür­de blei­ben dür­fen. Wäh­rend die Grü­nen im Kreis Sig­ma­rin­gen mit 33,7 Pro­zent die meis­ten Stim­men er­hal­ten hat­ten und Kan­di­da­tin Andrea Bo­gner-Un­den in den Land­tag ein­zog, hat­te es schließ­lich für den CDU-Ab­ge­ord­ne­ten Klaus Bur­ger doch noch für ein Zweit­man­dat ge­reicht. Die CDU hat­te im Kreis 32,3 Pro­zent al­ler Stim­men ein­ge­fah­ren. Die SPD hat nur 6,8 Pro­zent er­zielt, die FDP 7,5 Pro­zent. Auf die AfD ent­fie­len 14,7 der Wäh­ler­stim­men. Die Lin­ke hat nur 1,8 Pro­zent ein­ge­fah­ren, die NPD 0,5 Pro­zent.

„Wir ha­ben schon den Cham­pa­gner auf­ge­macht“, sag­te die Grü­nen­Po­li­ti­ke­rin Andrea Bo­gner-Un­den am Wahl­abend. „Das ha­be ich nicht er­war­tet.“Im Hin­ter­grund hör­te man Ju­bel­ru­fe. „Mein ers­ter Freu­den-Mo­ment war, als ich er­fah­ren ha­be, dass die Grü­nen die größ­te Frak­ti­on sind, mein zwei­ter, dass ich mit so vie­len tol­len Leu­ten spre­chen durf­te und nun, dass ich im Kreis die Stim­men­mehr­heit ha­be. Ich bin sprach­los und freue mich rie­sig“, so Bo­gner-Un­den.

Der CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Klaus Bur­ger muss­te bis 22.30 Uhr zit­tern, bis er von Tho­mas Ba­reiß er­fah­ren hat­te, dass er ver­mut­lich ein Zweit­man­dat er­hal­ten wür­de. Nach­dem fest­stand, dass Bo­gner-Un­den und nicht er das Di­rekt­man­dat er­hal­ten wür­de, war der CDU-Po­li­ti­ker scho­ckiert und nie­der­ge­schla­gen, be­fürch­te­te, sich ei­nen neu­en Job su­chen zu müs­sen. „Ich dach­te: Okay, jetzt bist du ar­beits­los“, sag­te Bur­ger rück­bli­ckend nach der Wahl der SZ. Dass es für ein Zweit­man­dat rei­chen könn­te, dar­an woll­te Bur­ger zu­nächst nicht glau­ben. „Es ist mehr ein Haar denn ein Ret­tungs­stroh­halm.“Der Wahl­abend glich ei­nem Wech­sel­bad der Ge­füh­le. „Freu­en konn­te ich mich zu die­sem Zeit­punkt ei­gent­lich nicht mehr“, sag­te Bur­ger über den Mo­ment, als er er­fah­ren hat­te, dass er im Land­tag blei­ben dür­fe. Bis 2 Uhr nachts ging Bur­ger noch die Er­geb­nis­se durch, er wag­te kaum zu hof­fen. Dass es knapp wer­den wür­de, hat­te er ge­ahnt, auch wenn er nicht viel auf die Um­fra­ge­er­geb­nis­se im Vor­feld ge­ge­ben hat­te.

„Je­der Ki­lo­me­ter Ent­fer­nung von Laiz hat mei­nem Wah­l­er­geb­nis gut ge­tan“, sag­te Bur­ger in Be­zug auf den Wohn­ort des „grü­nen“Mi­nis­ter­prä­si­den­ten. Im Ge­spräch mit der SZ am Wahl­abend selbst war Bur­gers Frust über die Nie­der­la­ge deut­lich spür­bar. Kret­sch­mann wer­de das Land ka­putt­re­gie­ren, be­fürch­te­te Bur­ger, un­ter grü­ner Füh­rung wer­de der länd­li­che Raum, was Hand­werk und Bil­dung an­geht, aus­blu­ten.

Der Schock über die Ent­schei­dung der Wäh­ler saß tief, Bur­ger nahm sie als Kri­tik an der ei­ge­nen Per­son.

„An man­geln­der Prä­senz bei den Wäh­lern kann es nicht ge­le­gen ha­ben“, bi­lan­zier­te Bur­ger, der zahl­rei­che Wahl­kampf­ver­an­stal­tun­gen be­sucht hat­te, sich un­ent­wegt der Öf­fent­lich­keit prä­sen­tier­te und Ab­stri­che beim Pri­vat­le­ben in Kauf ge­nom­men hat­te. Den­noch, be­stä­tig­te Bur­ger, wol­le er das Vo­tum in De­mut an­neh­men. „Der Wäh­ler ist der Sou­ve­rän“, so Bur­ger. Land­kreis ge­mein­sam vor­an­brin­gen Da Bur­ger das siebt­stärks­te Er­geb­nis der 70 Wahl­krei­se für die CDU ein­ge­fah­ren hat­te, er­hielt er schließ­lich ein Zweit­man­dat. „Für die CDU ist das Re­sul­tat im­mer noch acht­bar, be­denkt man die Son­der­be­din­gun­gen im Land­kreis Sig­ma­rin­gen“, sag­te Bur­ger im Hin­blick auf den „Kret­sch­mann-Bonus“. Am Tag nach der Wahl äu­ßer­te sich Bur­ger ver­söhn­lich und op­ti­mis­tisch: „Es wird jetzt auf ei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit den Grü­nen hin­aus­lau­fen“, sag­te er. „Wir müs­sen den Land­kreis vor­an­brin­gen.“Seit die­sem Zeit­punkt tre­ten die bei­den Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten oft ge­mein­sam in der Öf­fent­lich­keit auf und ver­sen­den bis­wei­len ge­mein­sa­me Pres­se­mit­tei­lun­gen.

FO­TOS: AR­CHIV

Andrea-Bo­gner Un­den (links) hat es in den Land­tag ge­schafft, Klaus Bur­ger er­hält ein Di­rekt­man­dat.

Klaus Bur­ger

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.