Post­fak­ti­sche Fuß­bal­ler-Wahr­hei­ten

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE -

Kei­ne Zei­tung kann man mehr auf­schla­gen, oh­ne mit dem Wort „post­fak­tisch“drang­sa­liert zu wer­den. Wir ver­ste­hen die Auf­re­gung nicht, denn „nach den Tat­sa­chen“, so die wört­li­che Be­deu­tung, ist ein ganz al­ter Hut.

Der Welt­fuß­ball­ver­band FIFA prak­ti­ziert die Po­li­tik der Igno­ranz von Tat­sa­chen schon seit Jahr­zehn­ten mit au­ßer­ge­wöhn­li­chem Er­folg – kühns­te Ver­schwö­rungs­theo­ri­en neh­men sich da­ge­gen wie Kin­der­kram aus.

Es hat schon weit vor 1966 und dem be­rühm­ten Wem­bley-Tor an­ge­fan­gen, aber in je­nen schwarz-wei­ßen Zei­ten war die Be­weis­la­ge noch ei­ne an­de­re als heut­zu­ta­ge.

Im Lauf der Jah­re sind der Öf­fent­lich­keit vie­le To­re ver­kauft wor­den, bei de­nen der Ball nach­weis­lich die Tor­li­nie nie über­schrit­ten hat, re­gel­mä­ßig wer­den Elf­me­ter ge­pfif­fen für di­let­tan­ti­sche Flug­ein­la­gen und Platz­ver­wei­se aus­ge­spro­chen we­gen Lap­pa­li­en. Un­se­ren al­ten Freund, den Blat­ter Sepp, hat das nie ge­stört. Auch nicht, dass Frank­reich sich die WM-Teil­nah­me 2010 in Süd­afri­ka durch ein Hand­spiel er­schlich – zum Scha­den Ir­lands.

Fak­ten wer­den ge­ne­rell über­schätzt, die Spie­ler ha­ben das ver­in­ner­licht. Der Ivo­rer Ya­ya Tou­ré, Pro­fi bei Man­ches­ter Ci­ty, hat ein be­mer­kens­wer­tes State­ment zu ei­ner Al­ko­hol­fahrt ab­ge­ge­ben. 18 Mo­na­te Füh­rer­schein­ent­zug ha­ben sie Tou­ré auf­ge­brummt, völ­lig zu Un­recht! „Ich bin Mus­lim und trin­ke nicht“, stell­te der 33-Jäh­ri­ge bei Face­book klar. „Ich ha­be Al­ko­hol im­mer ab­ge­lehnt.“

Nicht mal mehr die Po­li­zei in­ter­es­siert sich für Fak­ten. Es ist zum Heu­len. (hü) un­term­strich@schwa­ebi­sche.de

FO­TO: AFP

Fak­ten – was ist das? Auch Blat­ter weiß es nicht.

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