Ne­tan­ja­hu em­pört über US-Denk­zet­tel

Is­ra­els Re­gie­rungs­chef är­gert sich nach UN-Re­so­lu­ti­on ge­gen Sied­lungs­bau über Oba­ma

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Sa­ra Le­mel, Chris­ti­an Fah­ren­bach und Mar­tin Biale­cki

TEL AVIV/WASHINGTON (dpa) Aus­ge­rech­net am ers­ten Weih­nachts­tag hät­ten sich die Chef­di­plo­ma­ten von 14 Län­dern wohl et­was Schö­ne­res vor­stel­len kön­nen als ei­ne Straf­pre­digt in Is­ra­els Au­ßen­mi­nis­te­ri­um. Ei­ner nach dem an­de­ren kam zu ei­nem „klä­ren­den Ge­spräch“in das sand­stein­far­be­ne Ge­bäu­de in Je­ru­sa­lem, das von au­ßen ei­ner mo­der­nen Fe­s­tung gleicht. Ei­ne di­plo­ma­ti­sche Stand­pau­ke muss­te auch USBot­schaf­ter Dan Sh­a­pi­ro über sich er­ge­hen las­sen, den Is­ra­els Re­gie­rungs­chef Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu so­gar per­sön­lich ein­be­stell­te.

Ne­tan­ja­hu ist em­pört über ei­ne Re­so­lu­ti­on des Welt­si­cher­heits­ra­tes ge­gen Is­ra­els Sied­lungs­po­li­tik. Er re­agier­te mit ei­nem wü­ten­den Rund­um­schlag ge­gen al­le be­tei­lig­ten Staa­ten – selbst ge­gen den wich­tigs­ten Ver­bün­de­ten, die USA. „Freun­de zer­ren Freun­de nicht vor den Si­cher­heits­rat“, sag­te er sei­nen Mi­nis­tern.

Denn we­ni­ger als ei­nen Mo­nat vor dem En­de sei­ner Amts­zeit hat­te US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma noch für ei­ne Über­ra­schung ge­sorgt. Im UN-Si­cher­heits­rat ver­zich­te­ten die USA am Frei­tag in ei­ner Ab­stim­mung zu den is­rae­li­schen Sied­lun­gen im be­setz­ten pa­läs­ti­nen­si­schen West­jor­dan­land und in Ost-Je­ru­sa­lem auf ihr Ve­to­recht. Die Re­so­lu­ti­on for­dert Is­ra­el auf, dort al­le Bau­ak­ti­vi­tä­ten zu stop­pen. Di­plo­ma­ti­sches De­sas­ter Die Re­so­lu­ti­on ent­hält kei­ne An­dro­hung von Straf­maß­nah­men, auch die For­de­run­gen sind nicht neu. Sie be­kräf­tig­ten seit Jahr­zehn­ten be­kann­te Po­si­tio­nen der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft. Aber auch wenn sie für Is­ra­el nicht bin­dend ist, ist die Re­so­lu­ti­on di­plo­ma­tisch ein De­sas­ter. Is­ra­el be­fürch­tet un­ter an­de­rem, die Re­so­lu­ti­on könn­te den Weg be­rei­ten für Ver­fah­ren vor dem In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof, weil Sied­lun­gen als Kriegs­ver­bre­chen ein­ge­stuft wer­den könn­ten.

Die Re­gie­rung in Je­ru­sa­lem stellt sich jetzt auch auf wei­te­ren Är­ger wäh­rend der letz­ten Amts­ta­ge von Oba­ma ein. US-Au­ßen­mi­nis­ter John Ker­ry will die­se Wo­che in ei­ner Grund­satz­re­de den Rah­men für ei­ne Frie­dens­re­ge­lung in Nah­ost vor­ge­ben. Am 15. Ja­nu­ar ist au­ßer­dem nach Me­dien­be­rich­ten ei­ne in­ter­na­tio­na­le Kon­fe­renz in Pa­ris ge­plant, die neue Im­pul­se für ei­ne fried­li­che Lö­sung in Nah­ost ge­ben soll.

Oba­ma schafft in letz­ter Mi­nu­te noch Fak­ten und legt sei­nem Nach­fol­ger Do­nald Trump da­mit St­ei­ne in den Weg – von we­gen „lah­me En­te“auf den letz­ten Me­tern. Trump er­griff per Twit­ter Par­tei für Is­ra­el, for­der­te ein Ve­to ge­gen die Re­so­lu­ti­on, such­te sie an­geb­lich per­sön­lich zu ver­hin­dern.

Es war das ers­te Mal seit acht Jah­ren, dass sich der Si­cher­heits­rat zu ei­ner Er­klä­rung in dem seit Jahr­zehn­ten schwe­len­den Kon­flikt durch­rang. Seit Is­ra­el im Sechs­ta­ge­krieg 1967 das West­jor­dan­land er­obert und mit dem Sied­lungs­bau be­gon­nen hat, ver­ur­teilt die in­ter­na­tio­na­le Staa­ten­ge­mein­schaft die­se Bau­ten. Zu­letzt spitz­te sich die La­ge je­doch zu, weil Ne­tan­ja­hus rechts-re­li­giö­se Re­gie­rung sich mehr oder we­ni­ger of­fen von der Zwei-Staa­ten-Lö­sung – al­so ei­nen Staat für Is­ra­el und ei­nen für die Pa­läs­ti­nen­ser – ver­ab­schie­det hat.

Be­son­ders pro­vo­ka­tiv wirk­ten wohl auch Schrit­te ul­tra-rech­ter Mi­nis­ter, die sich für ein Ge­setz zur Le­ga­li­sie­rung wil­der, von der Re­gie­rung nicht ge­neh­mig­ter Sied­lun­gen ein­set­zen, die auf pa­läs­ti­nen­si­schem Pri­vat­land er­rich­tet wur­den.

Der US-Prä­si­dent setz­te mit dem Ve­to ei­nen Schluss­punkt un­ter acht an­ge­spann­te Jah­re. Oba­ma und Ne­tan­ja­hu konn­ten sich nie be­son­ders gut lei­den, sie ha­ben dar­aus kaum ei­nen Hehl ge­macht. Doch die per­sön­li­chen An­grif­fe auf Oba­ma, dem Ne­tan­ja­hu vor­warf, hin­ter den Ku­lis­sen al­les in­sze­niert zu ha­ben, sei­en „et­was in die­ser Form nie Da­ge­we­se­nes“, sag­te der frü­he­re US-Bot­schaf­ter Dan Kurt­zer dem is­rae­li­schen Ar­mee­sen­der. „Ein Ver­bün­de­ter soll­te nicht so ei­ne Spra­che ge­gen ei­nen an­de­ren Ver­bün­de­ten ver­wen­den, egal, wie wü­tend je­mand ist.“Zwi­schen Oba­ma und Ne­tan­ja­hu ha­be es Streit­punk­te ge­ge­ben, „ich wür­de so­gar so weit ge­hen zu sa­gen, dass sie sich nicht mö­gen“, sag­te Kurt­zer.

Nun ru­hen Is­ra­els Hoff­nun­gen auf Trump. Der hat mit Da­vid Fried­man ei­nen US-Bot­schaf­ter er­nannt, der aus­drück­lich hin­ter der Sied­lungs­po­li­tik steht. Au­ßer­dem will Trump die Bot­schaft von Tel Aviv nach Je­ru­sa­lem ver­le­gen – ein Af­front in den Au­gen der Pa­läs­ti­nen­ser und vie­ler ara­bi­scher Staa­ten.

FO­TO: AFP

„Freun­de zer­ren Freun­de nicht vor den Si­cher­heits­rat“, sag­te der is­rae­li­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu über US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma. Die USA hat­ten in ei­ner Ab­stim­mung im Welt­si­cher­heits­rat über die is­rae­li­sche Sied­lungs­po­li­tik auf ihr Ve­to­recht ver­zich­tet.

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