Mu­si­ker ver­die­nen post­hum wei­ter

Der Tod be­deu­tet für vie­le Künst­ler nicht das En­de ih­rer Be­rühmt­heit

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SZENE - Von Va­le­rie Ha­mil­ton und Nick Kai­ser

LOS AN­GE­LES (dpa) – Ei­ni­ge der ganz gro­ßen Mu­si­ker sind in die­sem Jahr von uns ge­gan­gen – zu­letzt Ge­or­ge Micha­el. Im Pop­ge­schäft be­deu­tet das al­ler­dings nicht, dass ih­re Mu­sik nicht mehr ge­hört wird.

Als die Ame­ri­can Mu­sic Awards im No­vem­ber ver­ge­ben wur­den, ging die Tro­phäe für den bes­ten Sound­track an den im April gestor­be­nen Prin­ce für die Film­mu­sik zu „Pur­p­le Rain“von 1984. Nach dem über­ra­schen­den Tod des 57-jäh­ri­gen Sän­gers an ei­ner ver­se­hent­li­chen Über­do­sis Schmerz­mit­tel wa­ren die Ver­käu­fe sei­nes wohl be­kann­tes­ten Al­bums in die Hö­he ge­schnellt.

„Wir he­ben das in Pais­ley Park für dich auf, bis wir dich wie­der­se­hen“, sag­te mit sto­cken­der Stim­me Prin­ces Schwes­ter Ty­ka Nel­son, als sie den Preis für ihn ent­ge­gen­nahm, mit Hin­weis auf sein An­we­sen. Um­fang­rei­ches Ar­chiv Mu­sik­stars wie Jim Mor­ri­son, Ja­nis Jo­p­lin, Bob Mar­ley und Ji­mi Hen­d­rix sind nach ih­ren frü­hen To­des­fäl­len zu Iko­nen ge­wor­den. Selbst Jahr­zehn­te da­nach ge­win­nen sie neue Fans hin­zu, ih­re Mu­sik bringt Mil­lio­nen. Vom Gi­tar­ren­hel­den Hen­d­rix et­wa sind dank ei­nes um­fang­rei­chen Ar­chivs von Stu­dio-Auf­nah­men post­hum vier­mal so vie­le Al­ben er­schie­nen wie zu Leb­zei­ten.

Ob Hin­ter­blie­be­ne und Nach­fah­ren be­rühm­ter Mu­si­ker noch lan­ge an de­ren Er­folg ver­die­nen, hängt aber auch da­von ab, wel­che Vor­keh­run­gen ge­trof­fen wer­den. Der eben­falls in die­sem Jahr ge­stor­be­ne Su­per­star Da­vid Bo­wie war ein cle­ve­rer Ge­schäfts­mann. Er sorg­te da­für, dass die Rech­te an sei­ner Ar­beit bei sei­ner Fa­mi­lie blei­ben. Die Ver­wal­tung ver­trau­te er sei­nem lang­jäh­ri­gen Ma­na­ger Bill Zys­blat an.

Bo­wie hat Be­rich­ten zu­fol­ge auch Vor­be­rei­tun­gen für meh­re­re Antho­lo­gi­en sei­ner Mu­sik ge­trof­fen, die post­hum her­aus­kom­men sol­len. Seit sei­nem Krebs­tod mit 69 Jah­ren im Ja­nu­ar sind be­reits die Samm­lung „Le­ga­cy“und ein Al­bum zu sei­nem Mu­si­cal „La­za­rus“er­schie­nen. Es ge­be noch un­ver­öf­fent­lich­tes Ma­te­ri­al, sag­te der lang­jäh­ri­ge Bo­wie-Pro­du­zent To­ny Vis­con­ti der BBC. Für das kom­men­de Jahr kün­dig­te er „ei­ne Men­ge net­ter Sa­chen“an.

Auch von Prin­ce wird noch zu hö­ren sein. Der Pop-Su­per­star hat ei­nen Tre­sor vol­ler un­ver­öf­fent­lich­ter Mu­sik hin­ter­las­sen, aber of­fen­bar kein Tes­ta­ment. Sein Nach­lass, der auf bis zu 300 Mil­lio­nen Dol­lar ge­schätzt wird, geht da­mit an Nel­son und fünf Halb­ge­schwis­ter. Da­zu ge­hört auch Pais­ley Park, das in ei­nem Vo­r­ort der US-Stadt Min­nea­po­lis liegt.

Wenn Prin­ces Nach­lass gut ver­wal­tet wer­de, „wird man in den nächs­ten zwei Jahr­zehn­ten im­mer wie­der neue Prin­ce-Al­ben se­hen“, sagt An­walt Do­nald Da­vid der zu­stän­dig für die Erb­mas­se des Rap­pers TuPac ist. Fingerspitzengefühl ist wich­tig Er­ben von Mu­si­kern müs­sen ent­schei­den, ob sie Wer­ke raus­brin­gen, de­ren Ur­he­ber sie mög­li­cher­wei­se aus gu­ten Grün­den für sich be­hal­ten ha­ben. Wo es um viel Geld geht, fehlt häu­fig das Fingerspitzengefühl, es nicht zu über­trei­ben.

Die Er­ben der Reg­gae-Iko­ne Bob Mar­ley wur­den et­wa da­für kri­ti­siert, dass sie des­sen Na­men für ei­ne Can­na­bis-Mar­ke her­ga­ben. Micha­el Jack­sons post­hu­mer Auf­tritt als Ho­lo­gramm bei den Bill­board Mu­sic Awards 2014 fan­den ei­ni­ge sei­ner Fans ver­stö­rend. El­vis Pres­leys An­we­sen Gra­ce­land in Mem­phis ist vor Kur­zem um ein Ho­tel mit 450 Zim­mern er­wei­tert wor­den. Ein gro­ßer „Un­ter­hal­tungs­kom­plex“soll im kom­men­den Jahr fol­gen.

Mit dem Gra­ce­land-Ma­nage­ment hat die Stif­tung, die sich um Prin­ce’ Erb­mas­se küm­mert, zu­sam­men­ge­ar­bei­tet, um aus Pais­ley Park ein Mu­se­um zu ma­chen. Das hat­te Prin­ce ge­wollt. Nun gibt es dort un­ter an­de­rem die VIP-Tour „Sun­day Brunch Ex­pe­ri­ence“, und Be­su­cher kön­nen in Prin­ces Ton­stu­di­os, wo er tot auf­ge­fun­den wur­de, den Ge­sang für ei­nes sei­ner Stü­cke auf­neh­men. Ob das auch den Wün­schen des Künst­lers ent­spricht, ist un­be­kannt.

Nel­son sag­te bei der Mu­se­ums­er­öff­nung im Ok­to­ber, die Tou­ris­ten­at­trak­ti­on sei „au­then­tisch“und ganz im Sin­ne ih­res Bru­ders. „Er ist nicht phy­sisch hier, aber durch Pais­ley Park und sei­ne Mu­sik wird er für im­mer le­ben“, er­klär­te sie.

FO­TO: BALAZS MOHAI

Mu­si­ker Prin­ce ist im April ge­stor­ben. Er hat ei­nen Tre­sor vol­ler un­ver­öf­fent­lich­ter Mu­sik hin­ter­las­sen. Was mit die­ser ge­schieht, muss sei­ne Fa­mi­lie ent­schei­den.

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