Russ­land rät­selt über Flug­zeug­ab­sturz mit 92 Op­fern

Tu­po­lew Tu-154 stürzt kurz nach dem Start in Sot­schi ins Schwar­ze Meer – Ur­sa­che un­klar

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PANORAMA - Von Friedemann Kohler

SOT­SCHI/MOSKAU (dpa) – Der Ab­sturz ei­nes Flug­zeugs auf dem Weg nach Sy­ri­en mit ei­nem welt­be­kann­ten Ar­meechor an Bord hat Russ­land ei­nen Schock ver­setzt. Das Rie­sen­reich trau­er­te am Mon­tag um die 92 To­ten, wäh­rend Ret­ter das Schwar­ze Meer nach den Trüm­mern der Tu­po­lew Tu-154 durch­kämm­ten und Ex­per­ten nach der Un­glücks­ur­sa­che such­ten.

Die Pas­sa­gier­ma­schi­ne des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums soll­te mehr als 60 Sän­ger des tra­di­ti­ons­rei­chen Alex­an­drow-En­sem­bles zu ei­nem Trup­pen­be­such auf die rus­si­sche Luft­waf­fen­ba­sis Ha­mai­mim in Sy­ri­en flie­gen. Kurz nach dem Start vom Flug­ha­fen Ad­ler bei Sot­schi stürz­te sie aber am Sonn­tag­mor­gen ins Meer. Auch der Lei­ter des En­sem­bles, Ge­ne­ral­leut­nant Wa­le­ri Cha­li­low, kam ums Le­ben. Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin ord­ne­te für Mon­tag Staats­trau­er an. Mi­nis­ter­prä­si­dent Dmi­tri Med­we­dew sprach von ei­ner „fürch­ter­li­chen Ka­ta­stro­phe“.

Zugleich be­müh­te sich der rus­si­sche In­lands­ge­heim­dienst FSB am Mon­tag, auf­kom­men­de Spe­ku­la­tio­nen über ei­nen Ter­ror­an­schlag zu dämp­fen. Mög­li­che Ur­sa­chen sei­en Vo­gel­schlag, schlech­tes Ke­ro­sin, tech­ni­sches Ver­sa­gen oder ein Pi­lo­ten­feh­ler, teil­te die Be­hör­de mit. Auch Kreml­spre­cher Dmi­tri Pes­kow sag­te, die Ver­si­on ei­nes An­schlags wer­de nicht ver­tieft. Sie ste­he „bei wei­tem nicht an ers­ter Stel­le“.

Vor der Küs­te des Fe­ri­en­or­tes Sot­schi such­ten ei­ne Ar­ma­da von mehr als 40 Schif­fen, fünf Hub­schrau­bern und 3500 Mann nach Op­fern und Wrack­tei­len. Tau­cher ent­deck­ten am Mon­tag ein gro­ßes Rumpf­teil, das et­wa 1,6 Ki­lo­me­ter von der Küs­te von Ad­ler in 27 Me­ter Tie­fe lag. „Es wer­den Vor­be­rei­tun­gen zur Ber­gung ge­trof­fen“, sag­te ein Spre­cher. Flug­schrei­ber noch nicht ent­deckt Die Flug­schrei­ber der 33 Jah­re al­ten Tu­po­lew wur­den noch nicht ge­or­tet. Am Sonn­tag wa­ren elf Lei­chen aus dem Meer ge­bor­gen wor­den. Zehn von ih­nen wur­den am Mon­tag zur Iden­ti­fi­zie­rung nach Moskau ge­flo­gen. Am Sitz des Cho­res in Moskau leg­ten Trau­ern­de Blu­men nie­der. Auf der Ufer­pro­me­na­de von Sot­schi brann­ten Ker­zen für die Op­fer. Ne­ben den Mu­si­kern wa­ren acht Mann Be­sat­zung, neun Jour­na­lis­ten der Fern­seh­sen­der NTW, Ers­ter Ka­nal und Swes­da an Bord, da­zu Mi­li­tärs und Be­am­te.

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) sprach Pu­tin ihr Mit­ge­fühl aus. EU-Kom­mis­si­ons­chef Je­anClau­de Juncker er­klär­te in Brüs­sel: „An die­sem hei­li­gen Tag sind mei­ne Ge­dan­ken bei den Op­fern, ih­ren Fa­mi­li­en und Lie­ben.“Auch Papst Fran­zis­kus kon­do­lier­te.

Für den rus­si­schen Mi­li­tär­ein­satz in Sy­ri­en ist das Un­glück ein schwe­rer Rück­schlag. Moskau kämpft seit Herbst 2015 auf­sei­ten des Prä­si­den­ten Ba­schar al-As­sad. Die­ser sprach Pu­tin sein Bei­leid aus. Der Ab­sturz des Flug­zeugs mit „gu­ten Freun­den“ an Bord ha­be gro­ße Trau­er her­vor­ge­ru­fen, schrieb As­sad nach An­ga­ben der Agen­tur Sa­na.

En­de Ok­to­ber 2015 war ein rus­si­sches Tou­ris­ten­flug­zeug mit 224 Men­schen über der ägyp­ti­schen Si­nai-Halb­in­sel ge­sprengt wor­den. Die Spe­ku­la­tio­nen über ei­nen An­schlag auf die Tu­po­lew stütz­ten sich un­ter an­de­rem dar­auf, dass die Ma­schi­ne kein Not­si­gnal ab­ge­setzt ha­be.

Der Flug­ver­kehr des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums zwi­schen Russ­land und Ha­mai­mim mit Pas­sa­gier­ma­schi­nen ist wich­ti­ger Teil des Ein­sat­zes. An­fang Mai hat­te das rus­si­sche Mi­li­tär den Star­di­ri­gen­ten Wa­le­ri Ger­gi­jew und sein Orches­ter zu ei­nem Kon­zert in die sy­ri­sche Wüs­ten­stadt Pal­my­ra ge­flo­gen. Das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um äu­ßer­te sich nicht zu Be­rich­ten, der Chor ha­be in der Mit­te De­zem­ber zu­rück­er­ober­ten Stadt Alep­po sin­gen sol­len. Eu­ro­pa­tour wird durch­ge­zo­gen Das Alex­an­drow-En­sem­ble hat ei­ne rei­che Tra­di­ti­on als Sol­da­ten­chor der so­wje­ti­schen und der rus­si­schen Ar­mee. Ge­grün­det wur­de der Chor 1928 von Alex­an­der Alex­an­drow (1883-1946), der auch die Na­tio­nal­hym­ne der So­wjet­uni­on kom­po­nier­te. Das Re­per­toire um­fasst et­wa 2000 Wer­ke, zu de­nen or­tho­do­xe Kir­chen­lie­der, rus­si­sche Volks­lie­der, Mär­sche, aber auch Meis­ter­wer­ke der Pop­mu­sik zäh­len. Ei­ne im Früh­jahr ge­plan­te Tour­nee durch meh­re­re eu­ro­päi­sche Län­der wer­de trotz des Un­glücks nicht ab­ge­sagt, sag­te der Eu­ro­pa-Ma­na­ger des En­sem­bles, Ru­dolf Hé­ger. Es kön­ne je­doch zu Ter­min­än­de­run­gen kom­men.

FO­TO: DMITRY PETROCHENKO

Ei­ne Tu­po­lew Tu-154 die­ses Typs ist kurz nach dem Start in Sot­schi ab­ge­stürzt.

FO­TO: DPA-INFOGRAFIK GMBH

Das rus­si­sche Ar­mee­flug­zeug ist am Sonn­tag auf dem Weg zu rus­si­schen Sol­da­ten in Sy­ri­en kurz nach dem Start ins Schwar­ze Meer ge­stürzt.

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