Löws Kampf ge­gen die FIFA

Der Welt­meis­ter­trai­ner plä­diert wei­ter ve­he­ment ge­gen die ge­plan­te Mam­mut-WM

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT -

BER­LIN (dpa) - Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw geht aus Sor­ge vor ei­ner Mam­mut-WM er­neut auf Kon­fron­ta­ti­ons­kurs zu FIFA-Boss Gi­an­ni In­fan­ti­no. „Das wür­den wir Trai­ner uns si­cher manch­mal wün­schen, dass un­se­re rein auf den sport­li­chen Be­reich be­zo­ge­ne Per­spek­ti­ve ein­be­zo­gen wird. Aber da stößt man an Bar­rie­ren“, sag­te der DFB-Chef­coach in ei­nem dpa-In­ter­view.

Ein WM-Tur­nier mit wo­mög­lich 48 Teams, die neue Na­tio­nen­li­ga und ei­ne Club-Welt­meis­ter­schaft mit 32 Mann­schaf­ten – die Dis­kus­sio­nen um die Neu­aus­rich­tung der in­ter­na­tio­na­len Wett­be­wer­be, die in dem oh­ne­hin schon en­gen Ter­min­ka­len­der noch mehr Spie­le zur Fol­ge ha­ben wür­den, ha­ben Löw zum Mah­ner vor ei­ner un­ge­zü­gel­ten Ex­pan­si­on im Welt­fuß­ball wer­den las­sen. Der Welt­meis­ter­trai­ner geht, ähn­lich wie auch schon Bay­ern­trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti, auf Kon­fron­ta­ti­ons­kurs mit den Ver­bän­den. „FIFA und UEFA sind in der Ver­ant­wor­tung, sie brau­chen Au­gen­maß und müs­sen das rich­ti­ge Ver­hält­nis fin­den zwi­schen kom­mer­zi­el­len In­ter­es­sen und der sport­li­chen Sicht“, for­der­te Löw. Man dür­fe das Rad nicht über­dre­hen, sag­te er.

„Wenn man ein gu­tes Pro­dukt hat, wie den Fuß­ball, soll­te man auch mal über Ver­knap­pung nach­den­ken, um die Qua­li­tät hoch­zu­hal­ten“, sag­te Löw. Sonst wür­den sich wo­mög­lich die Fans ei­nes Tages ab­wen­den.

Das letz­te gro­ße Tur­nier ha­be be­denk­li­che Sym­pto­me of­fen­bart. „Der sport­li­che Wert ei­nes Wett­be­werbs droht dann doch zu ver­wäs­sern, wenn – wie bei der EM – drei von vier Mann­schaf­ten in der Vor­run­de wei­ter­kom­men kön­nen. Oder ei­ne Mann­schaft mit drei Punk­ten. Die­se Ten­denz hat mir nicht ge­fal­len“, sag­te Löw. Es war auch ein klei­ner Sei­ten­hieb auf Eu­ro­pa­meis­ter Por­tu­gal, der oh­ne Grup­pen­sieg am En­de in Frank­reich tri­um­phier­te.

Am 10. Ja­nu­ar 2017 soll das FIFACoun­cil über die von In­fan­ti­no pro­pa­gier­te WM-Auf­sto­ckung vom Tur­nier 2026 an ent­schei­den. „Es geht na­tür­lich auch dar­um, dass Trai­ner bei Ta­gun­gen über sport­li­che Din­ge ge­fragt wer­den. Über das Re­gel­werk, aber nicht über den Rah­men­ter­min­ka­len­der. Den be­stim­men an­de­re“, mo­nier­te Löw.

Be­reits im Ok­to­ber hat­te der 56Jäh­ri­ge sei­ne Be­den­ken ge­äu­ßert. In­fan­ti­no re­agier­te da­mals mit ei­nem Ver­bal­kon­ter: „Für den Welt­meis­ter ist es ein­fach, ei­ne Mei­nung zu ha­ben, wenn es um die WM geht. Was kann ich ihm sa­gen? Dass er of­fen sein muss für Er­neue­rung, für den Fuß­ball, für die Fuß­ball­ent­wick­lung. Dass nicht al­le die Chan­ce ha­ben, sich wie Deutsch­land je­des Mal zu qua­li­fi­zie­ren.“Nach ei­ni­gem Zö­gern hat­te sich auch DFB-Prä­si­dent Rein­hard Gr­in­del of­fen für ei­ne Auf­sto­ckung ge­zeigt. Löw aber kann sich – gera­de als Welt­meis­ter­trai­ner – er­lau­ben, an­de­re Prio­ri­tä­ten zu set­zen, er kann aus Sicht der Spie­ler ar­gu­men­tie­ren, auch ein we­nig ge­gen das Kon­s­um­stre­ben der Ver­bän­de op­po­nie­ren.

„Die Plä­ne sind noch nicht aus­ge­reift. Ich hal­te es für ab­so­lut aus­ge­wo­gen, wenn 32 Mann­schaf­ten an der WM teil­neh­men“, so Löw. Ak­zep­ta­bel sei ei­ne Auf­sto­ckung nur, wenn füh­ren­de Na­tio­nen wie Welt­meis­ter Deutsch­land nicht mehr Spie­le be­strei­ten müss­ten und die Tur­nier­zeit nicht aus­ge­wei­tet wird.

Für den Bun­des­trai­ner ist 2017 ein Vor­be­rei­tungs­jahr für die ge­plan­te Ti­tel­ver­tei­di­gung 2018, mit dem Con­fed-Cup in Russ­land als zwie­späl­ti­gem Hö­he­punkt: „Es gibt na­tür­lich un­ter­schied­li­che Per­spek­ti­ven. Aber für ei­ni­ge Spie­ler kann die Teil­nah­me an ei­nem sol­chen Tur­nier wirk­lich ei­ne gu­te Chan­ce sein, sich zu prä­sen­tie­ren und sich an ein hö­he­res in­ter­na­tio­na­les Ni­veau her­an­zu­spie­len.“

FO­TO: DPA

Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw ist ge­gen ei­ne Auf­sto­ckung der WM.

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