Ski­fah­ren oh­ne Schnee­land­schaft

All­gäu­er Win­ter­sport­or­te se­hen grün-graue Weih­nachts­zeit mit Ge­las­sen­heit

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN - Von Uwe Jauß

WAN­GEN - Der Blick in den Schnee­be­richt Allgäu of­fen­bart in die­sem Ta­gen ein Trau­er­spiel. Kei­nes der Ski­ge­bie­te hat sei­ne kom­plet­te Pis­ten­land­schaft ge­öff­net. Win­ter­sport ist letzt­lich nur auf künst­lich be­schnei­ten Hän­gen mög­lich. Drum­her­um brei­tet sich oft ei­ne tris­te grün­brau­ne Land­schaft aus. Die Weih­nachts­zeit als Hoch­sai­son des Win­ter­sports scheint zu­neh­mend in­fra­ge ge­stellt zu sein. Den­noch scheint vie­ler­orts Ge­las­sen­heit zu herr­schen.

Vom Ober­stau­fer Tou­ris­mus­ver­band heißt es: Die Re­gi­on im west­li­chen Ober­all­gäu sei „nicht der klas­si­sche Nur-Ski­fah­rer-Ort“. Hier zäh­le „das Win­ter­er­leb­nis als ge­sam­tes“. Ver­gan­ge­nes Jahr ha­be es „nur zu­frie­de­ne Gäs­te“ge­ge­ben. Da­mals hat­te der Schnee auch bis zum Hei­li­ge­drei­kö­nigs­tag auf sich war­ten las­sen. Ei­ne Wet­ter­la­ge, bei der es oben auf den Ber­gen wär­mer als im Tal war, hemm­te zu­dem die künst­li­che Be­schnei­ung. Je­den­falls eig­ne­ten sich die um­lie­gen­den Ski­ge­bie­te von Stei­bis, vom Hoch­grat und Hünd­le eher zum Wan­dern. Teil­wei­se ist dies auch heu­er der Fall. Ei­ni­ge Ab­fahr­ten sind je­doch prä­pa­riert. Die ört­li­chen Tou­ris­ti­ker set­zen auf ein „Win­ter-Er­leb­nis-Pro­gramm“. Ge­meint sind da­mit al­ler­lei Ak­ti­vi­tä­ten, Ther­men-Be­such, Well­ness, gut spei­sen und so wei­ter. Tou­ris­ten ge­ben sich mit Kunst­schnee zu­frie­den Ähn­lich auf­ge­stellt ist man in Gun­zes­ried und Of­ter­schwang. Die bei­den nörd­lich von Oberstdorf ge­le­ge­nen Or­te bil­den ein Ski­ge­biet und ha­ben erst vor drei Jah­ren kräf­tig in den Aus­bau ih­rer Win­ter­sport-In­fra­struk­tur in­ves­tiert. Ski­fah­ren ist ge­gen­wär­tig nur auf Kunst­schnee mög­lich. Rai­ner Hartmann von den Berg­bah­nen Of­ter­schwang-Gun­zes­ried meint da­zu: „Die Gäs­te re­agie­ren sehr po­si­tiv dar­auf. Sie ha­ben die Mög­lich­keit zum Ski­fah­ren. Aber auch an­de­re Ak­ti­vi­tä­ten wie Win­ter­wan­dern sind mög­lich.“Hartmann glaubt, fest­ge­stellt zu ha­ben, dass „der Wunsch ei­ner ver­schnei­ten Win­ter­land­schaft zweit­ran­gig ist.“

Wo­mög­lich hat sich die Kund­schaft der Allgäu-Win­ter­sport­or­te wirk­lich auf die ge­än­der­ten Be­din­gun­gen zur Weih­nachts­zeit ein­ge­stellt. Ge­naue Un­ter­su­chun­gen gibt es nicht da­zu. All­ge­mein ha­ben die Über­nach­tungs­zah­len auch im ver­gan­ge­nen Win­ter er­neut zu­ge­nom­men. Bei ei­ner Um­fra­ge un­ter Tou­ris­mus­bü­ros An­fang Ja­nu­ar 2016 er­gab sich ei­ne all­ge­mei­ne Zuf­rie­den­heit mit der Aus­las­tung der Ho­tels und Pen­sio­nen über Weih­nach­ten. Es wird wei­ter in den Aus­bau der Ski­ge­bie­te in­ves­tiert Trotz der seit Jah­ren in Sa­chen Win­ter­sport eher frag­li­chen kli­ma­ti­schen Ent­wick­lung in­ves­tie­ren Berg­bahn-Un­ter­neh­men und Tou­ris­mus­ver­bän­de in ei­nen wei­te­ren Aus­bau der Ski­ge­bie­te. Ober­joch gab 2015 rund 23 Mil­lio­nen aus. Ein Teil da­von floss in die Auf­rüs­tung der künst­li­chen Be­schnei­ung. Wes­halb laut Aus­kunft des dor­ti­gen Frem­den­ver­kehrs­bü­ros ein weit­ge­hen­der Ski-Be­trieb mög­lich sei. In Bal­der­schwang wur­den nun 7,6 Mil­lio­nen Eu­ro in ei­ne neue Sech­ser-Ses­sel­bahn in­ves­tiert. Zu­dem soll dort mit po­li­ti­scher Un­ter­stüt­zung aus Mün­chen ei­ne Ski­ge­biets­ver­bin­dung nach Gras­geh­ren ge­schaf­fen wer­den. Weil sie durch streng­ge­schütz­te Ge­bie­te am Ried­ber­ger Horn füh­ren wür­de, ist das Pro­jekt höchst um­strit­ten.

Ge­gen­wär­ti­ger Aus­ga­ben­kö­nig sind zu­sam­men­ge­nom­men die Berg­bah­nen von Oberstdorf und dem Klei­nen Wal­ser­tal. Sie wer­den un­ter der Dach­mar­ke „Das Höchs­te“ver­mark­tet. Hier flos­sen fünf Mil­lio­nen Eu­ro in den Lift­aus­bau am Fell­horn und knapp 17 Mil­lio­nen Eu­ro in die Auf­wer­tung des Ski­ge­biet am Ho­hen Ifen. Min­des­tens wei­te­re 13 Mil­lio­nen Eu­ro sol­len dort nächs­ten Som­mer ver­baut wer­den.

Ziel ist es, ein durch­ge­hen­des Ski­ge­biet von Oberstdorf bis ans En­de des Klei­nen Wal­ser­tals zu schaf­fen. Ge­gen­wär­tig kann auf den dor­ti­gen Pis­ten ein Ski-Be­trieb aber auch nur mit­hil­fe künst­li­cher Be­schnei­ung ge­währ­leis­tet wer­den. Web­cam-Auf­nah­men zei­gen in der Um­ge­bung eher spär­li­chen Schnee. Ei­ne An­fra­ge an das Un­ter­neh­men, ob die Gäs­te mit die­sen Um­stän­den zu­frie­den sei­en, blieb un­be­ant­wor­tet.

Ei­ne kla­re Emp­feh­lung hat an­ge­sichts der Wet­ter­la­ge in­zwi­schen der Deut­sche Al­pen­ver­ein an Ski­tou­ren­gän­ger her­aus­ge­ge­ben. We­gen der be­schei­de­nen Schnee­la­ge heißt es von ihm zur Weih­nachts­zeit: „Wan­dern statt Ski­tou­ren.“

FO­TO: DPA

Ein Kind fährt auf ei­ner mit der Schnee­ka­no­ne er­zeug­ten schma­len Pis­te ins Tal. Mehr Ski­spaß hat­te der Sai­son­start nicht zu bie­ten.

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