CSU for­dert här­te­re Ge­set­ze ge­gen „Ge­fähr­der“

Ka­ta­log zur Ver­schär­fung von Si­cher­heits­maß­nah­men vor­ge­legt – Vie­le Vor­schlä­ge sind je­doch nicht neu

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

BER­LIN (dpa) - Ter­ro­ris­ten ha­ben auch Deutsch­land im Vi­sier. Der An­schlag auf ei­nen Weih­nachts­markt in Ber­lin hat die Ge­fahr sicht­bar ge­macht. Braucht Deutsch­land schär­fe­re Ge­set­ze? Die De­bat­te be­gann kurz nach dem An­schlag, am Di­ens­tag leg­te die CSU mit ei­nem Pa­pier nach. Die For­de­run­gen im Über­blick:

Vi­deo­über­wa­chung aus­bau­en: Das wol­len 60 Pro­zent der Deut­schen, wie ei­ne YouGov-Um­fra­ge er­gab. Im Ge­spräch ist auch ei­ne au­to­ma­ti­sche Ge­sichts­er­ken­nung, die beim Iden­ti­fi­zie­ren von Straf­tä­tern hel­fen soll. Um­strit­ten ist, ob Straf­ta­ten so ver­hin­dert wer­den könn­ten – es geht eher um die Auf­klä­rung hin­ter­her.

Ober­gren­ze von 200 000 Flücht­lin­gen: Das ver­langt die CSU schon lan­ge. Zu­wan­de­rung soll so bes­ser kon­trol­liert wer­den. Zu­dem soll si­cher­ge­stellt wer­den, dass die Be­hör­den bes­se­ren Über­blick be­hal­ten.

„Ge­fähr­der“stär­ker über­wa­chen: Das Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) führt 549 Men­schen als is­la­mis­ti­sche „Ge­fähr­der“. Auch der mut­maß­li­che At­ten­tä­ter von Ber­lin, der Tu­ne­si­er Anis Am­ri, wur­de die­sem Kreis zu­ge­rech­net. Ei­ne Kom­plett­über­wa­chung al­ler „Ge­fähr­der“ist aber kaum mög­lich. Um ei­nen ge­fähr­li­chen Is­la­mis­ten rund um die Uhr zu ob­ser­vie­ren, sind laut Ex­per­ten et­wa 40 Be­am­te nö­tig.

Schär­fe­re Mel­de­auf­la­gen: Es gibt be­reits Auf­la­gen im Auf­ent­halts­ge­setz: „Über­wa­chung aus­ge­wie­se­ner Aus­län­der aus Grün­den der in­ne­ren Si­cher­heit“. Am­ri hät­te sich min­des­tens ein­mal wö­chent­lich bei der Po­li­zei mel­den müs­sen. Sein Auf­ent­halt wä­re auf ei­nen Be­zirk der zu­stän­di­gen Aus­län­der­be­hör­de in NRW be­schränkt. Ein Ver­stoß gilt als Straf­tat. Der Mann hät­te so­mit in U-Haft ge­nom­men wer­den kön­nen, da er häu­fig in Ber­lin war.

Fuß­fes­seln für al­le „Ge­fähr­der“: Da­mit wür­de man sich über die Un­schulds­ver­mu­tung hin­weg­set­zen. Ei­ne Rechts­grund­la­ge gibt es nicht. Zu­dem le­ben nicht al­le „Ge­fähr­der“in Deutsch­land. Ab­schie­be­haft ver­schär­fen: Ein „Ge­fähr­der“, der ge­dul­det ist, weil er nicht ab­ge­scho­ben wer­den kann, soll­te in Ab­schie­be­haft ge­nom­men wer­den kön­nen, wird ge­for­dert. Die Ab­schie­be­haft soll­te ver­län­gert wer­den. Heu­te kann sie bis zu sechs Mo­na­te dau­ern. Ei­ne Si­che­rungs­haft kann „in Fäl­len, in de­nen der Aus­län­der sei­ne Ab­schie­bung ver­hin­dert, um höchs­tens zwölf Mo­na­te ver­län­gert wer­den“. Neu­er Straf­tat­be­stand: Po­li­ti­ker plä­die­ren da­für, ei­nen neu­en Haft­grund zu schaf­fen für Aus­rei­se­pflich­ti­ge, von de­nen ei­ne Ge­fahr aus­geht. In­nen­mi­nis­ter Tho­mas De Mai­ziè­re (CDU) hat­te ei­nen Ge­setz­ent­wurf vor­ge­legt, um ei­nen Haft­grund der „Ge­fähr­dung der öf­fent­li­chen Si­cher­heit“vor­ge­schla­gen – er ist aber um­strit­ten.

Re­geln zur Dul­dung ver­schär­fen: Ei­ne Dul­dung si­chert ei­ne be­fris­te­te Aus­set­zung der Ab­schie­bung zu. In Deutsch­land sind et­wa 205 000 Men­schen aus­rei­se­pflich­tig. Da­von hat­ten im No­vem­ber 153 000 ei­ne Dul­dung. Die­se Men­schen hat­ten kei­nen Er­folg mit ih­rem Asyl­an­trag, wer­den aber trotz­dem vor­erst nicht ab­ge­scho­ben, et­wa weil sie kei­ne Pa­pie­re ha­ben. Die Dul­dung soll ma­xi­mal 18 Mo­na­te dau­ern. 2015 hat­ten aber 41 004 Per­so­nen mit Dul­dung ei­ne acht­jäh­ri­ge Auf­ent­halts­dau­er.

Här­te­res Vor­ge­hen ge­gen Ju­gend­li­che: Die CSU for­dert, dass die Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den bei Ju­gend­li­chen ab 14 Jah­ren tä­tig wer­den dür­fen. Das ist dem Ver­fas­sungs­schutz laut Ge­setz jetzt schon er­laubt – al­ler­dings müs­sen Da­ten über Un­ter-16Jäh­ri­ge nach zwei Jah­ren ge­löscht wer­den, wenn kei­ne neu­en Er­kennt­nis­se da­zu­kom­men.

Tran­sit­zo­nen: Die For­de­rung der CSU ist nicht neu. Dort soll­te vor ei­ner Ein­rei­se die Iden­ti­tät von Flücht­lin­gen ge­klärt wer­den und auch über vie­le Asyl­an­trä­ge schnell ent­schie­den wer­den. Kri­ti­ker hal­ten dies für we­nig prak­ti­ka­bel.

FO­TO: DPA

Nach dem An­schlag in Ber­lin for­dert die CSU ei­ne bes­se­re Über­wa­chung von Ex­tre­mis­ten mit Fuß­fes­seln.

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