Sin­gen­de El­tern und Klein­kin­der mit Ras­seln

Bei den Kur­sen ei­ner Aus­tra­lie­rin in Ber­lin geht es um den frü­hen, spie­le­ri­schen Zu­gang zur Mu­sik

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - FAMILIE - Von Ale­xej Hock, dpa

Mu­sik­un­ter­richt für klei­ne Zwer­ge? Nein, es han­delt sich um kei­ne Schu­le für Wun­der­kin­der, in der Ein­jäh­ri­ge Ton­lei­tern auf und ab sin­gen. In den Kur­sen von Loui­se Watts sin­gen haupt­säch­lich die El­tern – und der Nach­wuchs hopst im Takt da­zu. Mu­sik, so ihr Wunsch, soll Teil des Le­bens wer­den.

Im Don­ners­tags­kurs im Ber­li­ner Stadt­teil Prenz­lau­er Berg sit­zen zwölf Müt­ter im Kreis, ih­re Klei­nen auf dem Schoß. Die Ziel­grup­pe sind zehn bis 24 Mo­na­te al­te Kin­der. Ei­nes hat noch sei­nen Schnul­ler im Mund. Mit gro­ßen Au­gen star­ren die Ba­bys in die Run­de, als die Müt­ter be­gin­nen, zur Be­grü­ßung „Say hal­lo“zu sin­gen.

Ras­seln, Schel­len und far­bi­ge Tü­cher ge­hö­ren zu den In­stru­men­ten von Loui­se Watts. Die 40-jäh­ri­ge Aus­tra­lie­rin stimmt die Lie­der an: „I know a chi­cken“oder „The mo­re we get to­ge­ther“. Dass sie al­le auf Eng­lisch sind, stört nie­man­den. Zum ei­nen sind die Kin­der im so­ge­nann­ten Ba­by­kurs zu jung, um die Tex­te zu ver­ste­hen, zum an­de­ren kom­men die Müt­ter aus der gan­zen Welt. Prenz­lau­er Berg eben. Spaß steht im Vor­der­grund Loui­se Watts kam 2008 zum ers­ten Mal für ei­ne Som­mer­schu­le nach Ber­lin und ver­lieb­te sich in die Haupt­stadt. Zwei Jah­re spä­ter zog sie ganz von Syd­ney nach Deutsch­land. In Ber­lin be­gann die Mu­sik- und Schau­spiel­leh­re­rin vor zwei Jah­ren, Mu­sik­un­ter­richt für Klein­kin­der zu or­ga­ni­sie­ren – auf Eng­lisch, aber of­fen für al­le. „Wenn die Kin­der so klein sind, geht es nicht um die Spra­che, son­dern um die Mu­sik und die Be­we­gung“, er­zählt Watts. „Ich hof­fe, dass die Jun­gen und Mäd­chen Mu­sik ihr Le­ben lang lie­ben.“Für die Müt­ter ist die mu­si­ka­li­sche Früh­er­zie­hung we­ni­ger wich­tig, es geht um den Spaß. Iri­na stammt aus dem rus­si­schen Br­jansk und wohnt erst seit Mai in Prenz­lau­er Berg. Seit Sep­tem­ber kommt sie re­gel­mä­ßig zu den 45mi­nü­ti­gen Ba­by­kur­sen und ist min­des­tens genau­so be­geis­tert wie ih­re 14-mo­na­ti­ge Toch­ter. „So­phia liebt es, mit den an­de­ren Kin­dern zu der Mu­sik zu tan­zen“, sagt die 31-jäh­ri­ge Rus­sin. Als das Lied be­ginnt, nimmt sie selbst die Ras­sel in die Hand und wippt zum Rhyth­mus. Nach ei­ni­gen Mi­nu­ten zei­gen auch die Kin­der ers­te Re­gun­gen, die klei­ne So­phia greift sich ein Ras­sel-Ei und wagt sich in die Mit­te.

„Sol­che An­ge­bo­te sind ja nicht nur für klei­ne Spröss­lin­ge, son­dern auch für die El­tern“, er­zählt Claudia Wan­ner vom Ver­band Deut­scher Mu­sik­schu­len. „Es geht dar­um, Mu­sik in den All­tag zu in­te­grie­ren, und da­für sind sol­che Kur­se gut.“Aus dem Pro­jekt „Mu­si­ka­li­sche Bil­dung von An­fang an“her­aus er­ar­bei­te der Ver­band ei­nen Bil­dungs­plan für Kin­der bis zehn Jah­re. Den El­tern-Kin­dG­rup­pen bis zu drei Jah­ren ist ein gan­zes Ka­pi­tel ge­wid­met.

Watts bie­tet auch Kur­se für die ganz Klei­nen zwi­schen drei und zehn Mo­na­ten an. Die äl­te­ren Kin­der kön­nen – dann schon et­was ar­ti­ku­lier­ter – im Kin­der­chor mit­sin­gen. Doch auch hier geht es we­ni­ger um die rich­ti­gen Tö­ne als um Spiel und Spaß. Und wenn ein Kind da­bei den Be­griff „le­ga­to“mit nach Hau­se nimmt, um­so bes­ser.

Watts er­zählt stolz, dass im Chor ge­ra­de die ers­ten Kin­der mit­ge­sun­gen ha­ben, die frü­her schon bei den Ba­by­kur­sen mit­ge­macht hat­ten. So lan­ge hat die Lie­be zur Mu­sik schon mal ge­hal­ten.

FO­TO: DPA

Kurs­lei­te­rin Loui­se Watts (Mit­te) singt mit Müt­tern und Kin­dern, wäh­rend die 14 Mo­na­te al­te Iri­na (rechts) zur Mu­sik tanzt.

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