Ita­lie­ni­sche Mam­ma über­nimmt das Re­gi­ment

Die Thea­ter­pro­ben lau­fen auf vol­len Tou­ren, ab Drei­kö­nig star­ten die Auf­füh­run­gen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - RUND UM SIGMARINGEN - Von Do­ris Fut­te­rer

EN­GELS­WIES - Ei­nen Zip­fel Ita­li­en ha­ben sich die En­gels­wie­ser Thea­ter­spie­ler zur nächs­ten Win­ter­thea­ter­run­de nach En­gels­wies ge­holt. Ei­ne ita­lie­ni­sche Mam­ma und ihr at­trak­ti­ver Sohn ar­bei­ten mit Hoch­druck dar­an, das be­schau­li­che Schwa­ben im Do­nau­tal mit ih­rer ita­lie­ni­schen Men­ta­li­tät ge­hö­rig auf­zu­mi­schen. In Kol­li­si­on mit schwä­bi­schen Köp­fen sind da­bei Rei­be­rei­en vor­pro­gram­miert. Ein et­was an­de­res Theaterstück wird den Zu­schau­ern ver­spro­chen, bei dem Herz, Schmerz und Sehn­sucht un­ge­wohnt ab­ge­han­delt wer­den, weil frem­de Sit­ten in das sonst ru­hi­ge Do­nau­tal Ein­zug hal­ten wer­den.

Mar­grit Kn­aus, die ita­lie­ni­sche Mam­ma, hat vor­her noch nie auf ei­ner Thea­ter­büh­ne ge­stan­den. „Von be­ruf­li­chen Rol­len­spie­len wuss­te ich aber, dass ich Spaß am Thea­ter­spie­len ha­be“, er­zählt sie am Nach­mit­tag der ers­ten Ge­ne­ral­pro­be. Zum letz­ten Win­ter­thea­ter hat­te sie sich spon­tan als Mit­wir­ken­de zur Ver­fü­gung ge­stellt und war da­mals in die Rol­le der Souf­fleu­se ge­schlüpft. Ei­ne völ­lig an­de­re Welt „Es ist span­nend, wie so ein Stück in­ner­halb von drei Mo­na­ten ent­steht und sich ent­wi­ckelt. Am An­fang ist da gar nichts – we­der an Text, noch an Büh­nen­aus­stat­tung. Ich soll­te mich ja ei­gent­lich hin­set­zen, aber da ist kein Stuhl, ich soll­te zur Tür her­ein­kom­men, aber da ist we­der Tür noch Wand“, er­zählt sie be­geis­tert. Völ­lig über­rascht hat sie auch die Men­ge an Din­gen, die or­ga­ni­siert wer­den wol­len, bis al­les so weit ist, dass die Zu­schau­er dann emp­fan­gen wer­den kön­nen. „Ich ha­be mit­ge­kriegt, wie Hei­ke Fi­scher nach Leu­ten sucht, die Ku­chen ba­cken, be­die­nen oder in der Kü­che ar­bei­ten“, er­zählt sie und ist da­bei in ih­ren Ge­dan­ken to­tal in ei­ne völ­lig an­de­re Welt ab­ge­taucht, in die Welt rund um das Thea­ter.

Wenn dann die Ku­lis­se im­mer mehr auf­ge­baut ist und die Ko­s­tü­me aus­ge­sucht sind, kommt Si­cher­heit in die Be­we­gun­gen, die Mi­mik und au­to­ma­tisch die Text­si­cher­heit, hat Mar­grit Kn­aus er­lebt. „Ich freue mich im­mer auf die Pro­ben, weil es so lus­tig ist, wenn ei­ner sei­nen Text noch nicht kann und Ver­spre­cher auf­tre­ten“, er­zählt sie. Ei­ne ganz be­son­de­re Her­aus­for­de­rung, be­son­ders für sie, ist die Tat­sa­che, dass sie ei­ne Ita­lie­ne­rin zu spie­len hat. Sie soll­te ita­lie­ni­sche Wor­te sa­gen und mit ita­lie­ni­schem Ak­zent Deutsch spre­chen.

„Wir hat­ten Sor­gen, dass im Pu­bli­kum Ita­lie­ner sit­zen und die ver­ste­hen nicht, was ich sa­ge“, er­in­nert sie sich, wes­halb sie sich auch Hil­fe von ei­nem ech­ten Ita­lie­ner ge­holt hat. Die­se Sprach­trai­nings­sit­zun­gen sei­en sehr spa­ßig ge­we­sen und auch mit Er­folg ge­krönt, so­dass die Ehe­frau des Ita­lie­ners am En­de mein­te: „Ich hö­re mei­ne ei­ge­ne Schwie­ger­mut­ter spre­chen.“Die­se Rol­le als Ita­lie­ne­rin ist Mar­grit Kn­aus in­zwi­schen schon so in Fleisch und Blut über­ge­gan­gen, dass sie die ita­lie­ni­sche Spra­che un­be­wusst im­mer wie­der mit in ihr Pri­vat­le­ben nimmt. „Ganz schlimm ist es, wenn ich von ei­ner Pro­be kom­me, dann be­kommt mein Mann ita­lie­ni­sche Ant­wor­ten“, er­zählt sie schmun­zelnd.

Nun im Schein­wer­fer­licht auf der Büh­ne, spürt Mar­grit Kn­aus in­zwi­schen doch ei­ne gro­ße Ver­ant­wor­tung für das Ge­lin­gen der Auf­füh­run­gen. „Ich bin jetzt schon to­tal auf­ge­regt“, sagt sie, hat aber kei­ne Zeit mehr, lan­ge dar­über nach­zu­grü­beln, denn ih­re An­we­sen­heit wird ver­langt, von ih­ren Mit­spie­lern auf der Büh­ne. Die Pro­be geht wei­ter.

FO­TO: DO­RIS FUT­TE­RER

Mar­grit Kn­aus und Stef­fen Er­be brin­gen als Mut­ter und Sohn die ita­lie­ni­sche Men­ta­li­tät in das be­schau­li­che Do­nau­tal.

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