Chor ent­fal­tet er­ha­be­ne Klang­fül­le

Weih­nachts­kon­zert in der Beu­ro­ner Klos­ter­kir­che lässt Pu­bli­kum ju­beln

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MESSKIRCH - Von Ve­ra Ro­meu

BEURON – Mit ei­nem gran­dio­sen Weih­nachts­kon­zert in der Klos­ter­kir­che hat der Beu­ro­ner Chor in sei­nem Ju­bi­lä­ums­jahr ei­nen be­ein­dru­cken­den Schluss­ak­kord ge­setzt. Chor­lei­ter Hans-Pe­ter Merz hat ein an­spruchs­vol­les und zu­gleich emo­tio­na­les Pro­gramm zu­sam­men­ge­stellt. Erz­abt Tu­ti­lo Bur­ger OSB hat­te in sei­ner Be­grü­ßung dem Chor, der seit 40 Jah­ren be­steht, ge­dankt und ge­sagt: „Den Chor kann man na­tür­lich nicht mit dem En­gel­schor, der in Beth­le­hem ge­sun­gen hat, ver­glei­chen, aber auch Sie sin­gen zur Eh­re Got­tes und zu un­se­rer Freu­de.“

Es san­gen die So­pra­nis­tin Car­la Thull­ner, die Mez­zo­so­pra­nis­tin Ga­b­rie­le Merz und der Ba­ri­ton Gunnar Schier­reich; es mu­si­zier­ten das Blech­blä­ser­quin­tett und das Flö­ten­quar­tett un­ter Lei­tung von Pe­ter Has­tedt, der zu­dem die Or­gel spiel­te.

Der Hö­he­punkt des Kon­zerts war die Weih­nachts­kan­ta­te „Uns ist ein Kind ge­bo­ren“von Ge­org Philipp Tele­mann, das die So­lis­ten, der Chor, die Blä­ser, die Pau­ken und die Or­gel zu ei­nem groß­ar­ti­gen Er­leb­nis mach­ten. In der in­ni­gen Fröm­mig­keit und im leb­haf­ten Ju­bel des Ba­rocks wur­de das gro­ße Ge­heim­nis der Weih­nacht spür­bar. Meis­ter­haft setz­te der Chor ein und er­gänz­te auf er­he­ben­de Wei­se die schö­nen Stim­men der So­lis­ten. Die Blech­blä­ser brach­ten ihr Strah­len ein und die Block­flö­ten ih­re Wär­me. Da­zu ju­bel­te die Or­gel.

Zu­vor hat­te Chor­lei­ter Merz die Span­nung mit vie­len kur­zen Stü­cken auf­ge­baut. Zum Auf­takt war von hoch oben das „Glo­ria in ex­cel­sis Deo“für Trom­pe­te und Or­gel von Ge­org Fried­rich Hän­del er­klun­gen. Au­ßer­or­dent­lich schön sang der Chor zwei Sät­ze aus dem „Pau­lusO­ra­to­ri­um“von Fe­lix Men­dels­sohn Bar­thol­dy. „Wa­chet auf, ruft uns die Stim­me“wirk­te sehr ein­dring­lich. „Wie lieb­lich sind die Bo­ten“be­ein­druck­te durch die Tie­fe und Fül­le des Klan­ges.

Der Beu­ro­ner Chor hat auch mit Lie­dern von Max Re­ger über­zeugt. Die in­ni­ge Lieb­lich­keit von „Schlaf, mein Kin­de­lein“war schön be­tont, oh­ne süß zu wer­den. Chor­lei­ter Merz ließ ein­fach die Kom­po­si­ti­on des Meis­ters wir­ken und er­reich­te ei­nen schö­nen Wohl­klang.

Der Chor ver­fügt über au­ßer­or­dent­lich schö­ne Stim­men. Es war wun­der­bar, „Still, still, weil‘ s Kind­lein schla­fen will“in dem Satz von Ger­hard Wind für zwei Frau­en- und vier Män­ner­stim­men zu hö­ren. Von gro­ßer In­ten­si­tät war das Lied „Es ist ein Ros’ ent­sprun­gen“für vier­stim­mi­gen Män­ner­chor: dun­kel und ge­heim­nis­voll er­klang die er­füll­te Ver­hei­ßung des Pro­phe­ten Je­sa­ja. So­lis­ten er­zeu­gen beim Pu­bli­kum Emo­tio­nen Die So­lis­ten be­geis­ter­ten mit dem ita­lie­ni­schen Weih­nachts­lied „Schlaf, mein klei­nes Je­su­lein“. Sou­ve­rän san­gen sie ih­ren Part, lu­den ihn mit Emo­tio­nen auf. Und als der Chor ein­setz­te, er­füll­te sich der ho­he Kir­chen­raum mit wun­der­ba­rem Klang.

Das Blech­blä­ser­quin­tett glänz­te mit strah­len­dem Klang und prä­zi­sen Ein­sät­zen, so­dass sich das trans­pa­ren­te Spiel in der gro­ßen Akus­tik des Rau­mes be­haup­te­te. Die „So­na­te EsDur“von An­to­nio Vi­val­di er­klang bril­lant dy­na­misch und vol­ler Leich­tig­keit.

Das Flö­ten­quar­tett brach­te ih­ren war­men Klang in das Pro­gramm ein: Has­tedt hat­te das Lied „Ich steh an Dei­ner Krip­pe“für das Quar­tett ar­ran­giert und füg­te dem von Volks­fröm­mig­keit ge­präg­ten Lied ei­ne er­ha­be­ne No­te hin­zu. Die Block­flö­ten er­wie­sen sich als idea­le Part­ner der So­lis­ten, Chor und Or­gel in Dietrich Bux­te­hu­des „In dul­ci ju­bi­lo“. Merz be­herrscht es, ei­ne mu­si­ka­li­sche Dich­te oh­ne gro­ßes Vo­lu­men her­zu­stel­len.

Als Schluss­ak­kord des Kon­zerts hat­te Chor­lei­ter Merz ei­ne ge­konn­te Stei­ge­rung auf das Pro­gramm ge­setzt. Er ließ die ers­te Stro­phe des Lie­des „Stil­le Nacht, hei­li­ge Nacht“durch die So­lis­ten sin­gen; in der zwei­ten fiel der Chor mit ein; in der drit­ten sang das gro­ße Pu­bli­kum mit. Die gan­ze Kir­che wur­de zu ei­nem gro­ßen Re­so­nanz­bo­den, zu ei­ner pul­sie­ren­den See­le. Doch da­bei be­ließ es Merz noch nicht: Er run­de­te die Emo­tio­nen mit dem Lied „O du fröh­li­che“ab, in­dem er die ers­te Stro­phe durch das Pu­bli­kum sin­gen ließ, in der zwei­ten den Über­chor mit ei­nem gro­ßen Hal­le­lu­ja schwel­gen ließ und schließ­lich den Blä­sern und dem Or­ga­nis­ten in der drit­ten Stro­phe den Ein­satz gab.

FO­TO: VE­RA RO­MEU

Der Beu­ro­ner Chor gibt in der Klos­ter­kir­che ein be­ein­dru­cken­des Weih­nachts­kon­zert.

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