Am Ver­brau­cher vor­bei

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Clau­dia Kling

Bun­des­agrar­mi­nis­ter Chris­ti­an Schmidt (CSU) tut sich als Ver­brau­cher­schüt­zer her­vor. Das ist neu. We­ni­ger neu ist sein Vor­schlag, Flei­sch­na­men für ve­ge­ta­ri­sche Pro­duk­te ver­bie­ten zu wol­len. Das hat schon die CDU in Nie­der­sach­sen, dem Zen­trum der bun­des­deut­schen Fleisch­pro­duk­ti­on, ge­for­dert. Aber Schmidt legt noch ei­nen oben­drauf: In den Kan­ti­nen al­ler deut­schen Schu­len soll auch re­gel­mä­ßig Schwei­ne­fleisch an­ge­bo­ten wer­den – im Zu­ge ei­ner „aus­ge­wo­ge­nen“Er­näh­rung. Wer viel Hu­mor hat, lacht viel­leicht an die­ser Stel­le. Lei­der ist an­zu­neh­men, dass der Mi­nis­ter es ernst meint, was er sagt. Sei­ne Ar­gu­men­ta­ti­on legt na­he, dass er sich als Chef­lob­by­ist der Flei­scher­zeu­ger be­greift.

An­geb­lich geht es Schmidt um den Schutz der Ver­brau­cher, wenn er for­dert, dass Be­grif­fe wie „ve­ge­ta­ri­sches Schnit­zel“oder „ve­ga­ne Cur­ry­wurst“ver­bo­ten wer­den soll­ten, weil sie ir­re­füh­rend sei­en. Doch was wür­de er da­mit im Best­fall er­rei­chen? Dass Nicht-Ve­ge­ta­ri­er nicht ver­se­hent­lich ve­ge­ta­ri­sche Pro­duk­te kau­fen, weil sie viel­leicht nur „Schnit­zel“le­sen. Toll. Aber im Ernst: Die­se For­de­rung nach mehr Trans­pa­renz bei der Le­bens­mit­tel­kenn­zeich­nung er­hebt der­sel­be Mi­nis­ter, der die Kenn­zeich­nung von ge­sun­den und we­ni­ger ge­sun­den Le­bens­mit­teln hart­nä­ckig blo­ckiert. Da kön­nen Ärz­te, Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on, Ver­brau­cher­schüt­zer über di­cke Kin­der und Fett­lei­big­keit kla­gen, so viel sie wol­len, da bleibt der Mi­nis­ter stur. Chris­ti­an Schmidt hat of­fen­sicht­lich nicht ver­stan­den, dass er als Agrar­mi­nis­ter zwar durch­aus für die Be­lan­ge der Land­wir­te zu­stän­dig ist, gleich­zei­tig aber als Ver­brau­cher­mi­nis­ter die Men­schen nicht für dumm ver­kau­fen – und sie nicht mit un­sin­ni­gen Ver­bots­vor­schlä­gen be­läs­ti­gen soll­te.

Na­tür­lich müs­sen auch Flei­scher­satz­pro­duk­te trans­pa­rent ge­kenn­zeich­net wer­den. Und na­tür­lich ist ein ve­ge­ta­ri­sches Pseu­do-Schnit­zel nicht un­be­dingt ge­sün­der als ein ech­tes Schnit­zel vom Schwein. Aber es braucht si­cher­lich kein Ver­bot von Be­grif­fen, um den deut­schen Kon­su­men­ten da­vor zu schüt­zen. c.kling@schwa­ebi­sche.de

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