Die Preis­pro­fi­teu­re

Gas­ver­sor­ger ge­ben sin­ken­de Kos­ten nicht voll­stän­dig wei­ter – Stu­die von „Ener­gy­com­ment“

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT -

BER­LIN - Die Gas­prei­se in Deutsch­land sind auf dem nied­rigs­ten Stand seit 2010. Ei­ne Stu­die im Auf­trag der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on zeigt al­ler­dings, dass die Ver­sor­ger in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ih­re Ge­winn­mar­gen aus­ge­wei­tet und ih­re Prei­se nicht in dem Ma­ße ge­senkt ha­ben, wie sich ih­re Be­schaf­fungs­kos­ten ver­rin­ger­ten. „Der Trend bei den Preis­sen­kun­gen ist er­freu­lich. Aber die ge­sun­ke­nen Ein­kaufs­prei­se beim Gas sind im­mer noch nicht gänz­lich bei den pri­va­ten Haus­hal­ten an­ge­kom­men“, er­klär­te Grü­nen-Ex­per­tin Bär­bel Höhn, Che­fin des Um­welt­aus­schus­ses im Bun­des­tag, im Ge­spräch mit der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Sind das Nach­rich­ten für Mil­lio­nen von Gas­kun­den? Ras­mus Buch­stei­ner be­ant­wor­tet die wich­tigs­ten Fra­gen zur Preis­ent­wick­lung.

Wie ver­brei­tet ist Hei­zen mit Gas in Deutsch­land? Gas ist der mit Ab­stand wich­tigs­te Ener­gie­trä­ger für Raum­wär­me in Deutsch­land. Fast je­de zwei­te Woh­nung – 49 Pro­zent – wird mit Gas ge­heizt. Bei Neu­bau­ten sind es mit 46 Pro­zent et­was we­ni­ger. Im Süd­wes­ten wer­den nach ei­ner Stu­die des Bun­des­ver­ban­des der Ener­gie- und Was­ser­wirt­schaft rund 32 Pro­zent der Woh­nun­gen mit Gas ge­heizt.

Wie ha­ben sich die Be­schaf­fungs­kos­ten für Gas ent­wi­ckelt? Die Be­schaf­fungs­kos­ten der deut­schen Gas­händ­ler sind seit 2012 um knapp die Hälf­te ge­fal­len. Das zeigt die Stu­die des Be­ra­tungs­bü­ros „Ener­gy­com­ment“, die die Grü­nen in Auf­trag ge­ge­ben ha­ben und die der „Schwä­bi­schen Zei­tung“vor­liegt. Von An­fang 2015 bis Mit­te 2016 san­ken die Ein­kaufs­prei­se um 30 Pro­zent auf et­wa 1,5 Cent je Ki­lo­watt­stun­de. Wie se­hen die Preis-Per­spek­ti­ven für Ver­brau­cher aus? 2016 ha­be der Preis für 20 000 Ki­lo­watt­stun­den rund 1440 Eu­ro be­tra­gen, heißt es aus der Bran­che. Das ent­spre­che in et­wa dem Jah­res­ver­brauch ei­nes Vier-Per­so­nen-Haus­halts und sei der nied­rigs­te Wert seit Ju­li 2010. Be­reits zu Be­ginn der Heiz­sai­son 2016/2017 hät­ten vie­le Ver­sor­ger die Prei­se ge­senkt. Die Preis­sen­kun­gen in die­sem Zei­t­raum wür­den bei durch­schnitt­lich 6,5 Pro­zent lie­gen. Von den nied­ri­ge­ren Gas­prei­sen könn­ten et­wa 13 Mil­lio­nen Haus­hal­te pro­fi­tie­ren, die meis­ten in Ba­den-Würt­tem­berg, Bay­ern, Nie­der­sach­sen und Nord­rhein-West­fa­len. Sie dürf­ten sich über bis zu 650 Eu­ro Er­spar­nis pro Jahr freu­en.

Sind die Prei­se über­höht? Die neue Stu­die kommt zu ei­nem dif­fe­ren­zier­ten Bild. Dem­nach sei­en bei ei­ner Durch­schnitts­be­trach­tung für ganz Deutsch­land mög­li­che Kos­ten­sen­kun­gen durch nied­ri­ge­re Ein­kaufs­prei­se im Jahr 2014 kaum, 2015 fast voll­stän­dig und 2016 zum gro­ßen Teil an die Ver­brau­cher wei­ter­ge­ge­ben wor­den. In die­sem Jahr hät­te ein Mus­ter­haus­halt mit 20 000 Ki­lo­watt­stun­den Jah­res­ver­brauch an­ge­sichts ge­sun­ke­ner Kos­ten der Ver­sor­ger et­wa 30 Eu­ro we­ni­ger zah­len müs­sen als tat­säch­lich fäl­lig wur­den, 2015 fünf Eu­ro we­ni­ger. Da­bei ha­ben die Ver­sor­ger ih­re Brut­to­mar­gen aus­ge­wei­tet. Die In­dus­trie pro­fi­tiert deut­lich stär­ker von Preis­sen­kun­gen: Seit 2012 gin­gen die Prei­se für Un­ter­neh­men um 25 Pro­zent zu­rück, für Haus­halts­kun­den je­doch nur um drei Pro­zent.

Wo pro­fi­tie­ren pri­va­te Gas­kun­den der­zeit am stärks­ten? In der Stu­die zei­gen sich re­gio­na­le Un­ter­schie­de. In Ber­lin, Sach­sen und Ham­burg pro­fi­tier­ten Gas­kun­den 2015 und 2016 über­durch­schnitt­lich stark von Preis­sen­kun­gen in­fol­ge nied­ri­ge­rer Ein­kaufs­prei­se. In Nord­rhein-West­fa­len zahl­ten Haus­hal­te 64 Eu­ro mehr, als bei ei­ner 1:1Wei­ter­ga­be des Preis­vor­teils zu er­war­ten ge­we­sen wä­re, in Meck­len­burg-Vor­pom­mern 46 Eu­ro mehr, in Nie­der­sach­sen 43 Eu­ro mehr, in Ba­den-Würt­tem­berg 41 Eu­ro mehr, in Bran­den­burg 29 Eu­ro mehr und in Bay­ern 28 Eu­ro mehr.

Was bringt ein An­bie­ter­wech­sel? Deutsch­land­weit kön­nen pri­va­te Gas­kun­den im Schnitt zwi­schen 75 Ver­sor­gern wäh­len. Doch die Zahl de­rer, die tat­säch­lich wech­seln, sta­gniert seit 2010. Sie lag 2015 bei 1,1 Mil­lio­nen, was 9,2 Pro­zent al­ler Haus­halts­kun­den ent­spricht, ein Teil da­von be­dingt durch Um­zü­ge. Laut Stu­die lie­gen die Preis­un­ter­schie­de nicht sel­ten bei mehr als zehn Pro­zent.

FO­TO: DPA

Flam­men auf ei­nem Gas­herd: Gas­prei­se könn­ten noch bil­li­ger sein, wenn man die Ein­kaufs­prei­se als Grund­la­ge nimmt.

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