„Volks­bank ist für die Zu­kunft gut ge­rüs­tet“

Vor­stands­vor­sit­zen­der Karl-Heinz Bir­zer ver­ab­schie­det sich am Frei­tag in den Ru­he­stand

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - OBERSCHWABEN UND DONAU -

BAD SAUL­GAU - Noch zwei Ta­ge Ar­beit, dann ver­ab­schie­det sich Kar­lHeinz Bir­zer, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Volks­bank Bad Saul­gau, in den Ru­he­stand. Hin­ter ihm lie­gen span­nen­de 14 Jah­re, auf die der 65Jäh­ri­ge im In­ter­view mit SZ-Re­dak­teur Ru­di Mul­ter zu­rück­blickt. Sie sind vor 14 Jah­ren von der Volks­bank Göp­pin­gen nach Bad Saul­gau ge­kom­men. War der Wech­sel vom Bal­lungs­raum in ei­ne länd­li­che Re­gi­on ein Kul­tur­schock? Im Kopf zu­nächst schon, vor al­lem, weil mich vie­le Be­kann­te be­dau­ert ha­ben, dass ich in die ober­schwä­bi­sche Pro­vinz zie­he. Aber nach­dem ich die kul­tu­rel­le Viel­falt in Ober­schwa­ben ken­nen­ge­lernt ha­be, emp­fand ich es als Be­rei­che­rung, in die­ser Re­gi­on zu le­ben. Mei­ne Frau und ich sind mit dem Kul­tur- und Frei­zeit­an­ge­bot mehr als zu­frie­den. Heu­te sa­gen wir un­se­ren Freun­den im Bal­lungs­raum Stuttgart, dass die Welt in Ober­schwa­ben noch in Ord­nung ist. Vie­le konn­ten sich in­zwi­schen bei Be­su­chen selbst da­von über­zeu­gen. Wann ist Ihr letz­ter Ar­beits­tag? Was neh­men Sie von Ih­rem Ar­beits­platz bei der Bank mit nach Hau­se? Mein letz­ter Ar­beits­tag ist am Frei­tag, 30. De­zem­ber. Ide­ell neh­me ich vie­le schö­ne Er­in­ne­run­gen an die 14 Jah­re Vor­stands­tä­tig­keit bei der Volks­bank Bad Saul­gau mit. Ich war mit Leib und See­le Volks­bän­ker und bli­cke mit gro­ßer Zuf­rie­den­heit auf mei­ne 48 Jah­re be­ruf­li­che Tä­tig­keit im ge­nos­sen­schaft­li­chen Bank­we­sen zu­rück. Ma­te­ri­ell neh­me ich nur ei­ne klei­ne Scha­le für Schreib­stif­te und ei­ne klei­ne Box für No­tiz­zet­tel mit. Wer wird Ih­ren Schreib­tisch in der Volks­bank be­kom­men? In mein Zim­mer wird mein Vor­stands­kol­le­ge Klaus Tha­ler ein­zie­hen. Mit Ih­rem Weg­gang wird der Vor­stand von ei­nem Drei­er- in ein Zwei­er-Gre­mi­um ver­klei­nert. Die Ge­schäfts­be­rei­che müs­sen zwi­schen den bei­den ver­blie­be­nen Vor­stands­mit­glie­dern – Klaus Re­men­sper­ger und Klaus Tha­ler – neu ver­teilt wer­den. Wie sieht die Neu­ver­tei­lung aus? Mei­ne Auf­ga­ben wer­den an die Vor­stands­mit­glie­der Klaus Re­men­sper­vor­ge­se­hen. ger und Klaus Tha­ler ver­teilt. Klaus Re­men­sper­ger wird zu­sätz­lich die Ver­ant­wor­tung für das Fir­men­kun­den­ge­schäft über­neh­men. Sei­ne Zu­stän­dig­keit wird der ge­sam­te Ver­triebs­be­reich der Bank sein, al­so das Fir­men- und Pri­vat­kun­den­ge­schäft so­wie die Ver­triebs­steue­rung und das Mar­ke­ting. Klaus Tha­ler wird für die in­ter­nen Ab­tei­lun­gen ver­ant­wort­lich sein und das Per­so­nal­we­sen so­wie die In­ter­ne Re­vi­si­on von mir über­neh­men. Da­ne­ben ver­ant­wor­tet er als Vor­stands­mit­glied die Be­rei­che Fi­nan­zen und den Un­ter­neh­mens­ser­vice. Ban­ken spü­ren ver­stärkt ei­nen Recht­fer­ti­gungs­druck ge­gen­über der Öf­fent­lich­keit. Ist die Rück­kehr vom Sechs- zum Vier-Au­genP­rin­zip klug in Zei­ten gro­ßer po­li­ti­scher Un­si­cher­hei­ten und Kri­sen von Fi­nanz­märk­ten und Eu­ro? Nach dem Ge­nos­sen­schafts­recht und der Ban­ken­auf­sicht sind min­des­tens zwei Vor­stands­mit­glie­der Da­mit wird das VierAu­gen-Prin­zip und die Tren­nung von Markt und Markt­fol­ge ge­währ­leis­tet. Die bei­den Vor­stands­mit­glie­der wer­den in der zwei­ten Füh­rungs­ebe­ne von ins­ge­samt acht er­fah­re­nen und kom­pe­ten­ten Be­reichs­lei­tern un­ter­stützt. Hier wer­den al­le stra­te­gi­schen und ope­ra­ti­ven Vor­gän­ge ana­ly­siert und dis­ku­tiert und zur Um­set­zung an die Fach­ab­tei­lun­gen ge­ge­ben. Da­mit wird ei­ne op­ti­ma­le Um­set­zung der Ge­schäfts­po­li­tik ge­währ­leis­tet. In­ter­net-Ban­ken oh­ne ei­ge­nes Fi­li­al­netz sind zu ei­ner Kon­kur­renz auch re­gio­na­ler Ban­ken her­an­ge­wach­sen. Sind Sie froh, dass Sie hier kei­ne An­sät­ze zur Ver­bes­se­rung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit mehr um­set­zen müs­sen? Bis zu­letzt ha­be ich mit mei­nen Vor­stands­kol­le­gen an der Zu­kunfts­fä­hig­keit der Volks­bank ge­ar­bei­tet. Ich den­ke, die Bank ist für die Zu­kunft gut ge­rüs­tet. Vor ein paar Ta­gen bin ich 65 Jah­re alt ge­wor­den und ich freue mich nun auf den Ru­he­stand. Star­ke Re­gu­lie­run­gen, er­höh­te Kos­ten und nied­ri­ge Zin­sen be­las­ten vor al­lem klei­ne­re Ban­ken. Wel­chen Lö­sungs­an­satz se­hen Sie? Die Er­trags­rück­gän­ge und der Kos­ten­druck sind nicht nur bei klei­nen Ban­ken spür­bar, son­dern zie­hen sich durch die ge­sam­te Ban­ken­bran­che durch. Des­halb müs­sen die In­sti­tu­te al­le Mög­lich­kei­ten der Er­trags- und der Kos­ten­op­ti­mie­rung er­ken­nen und die­se im Sin­ne ih­rer Mit­glie­de­r­und Kun­den­ver­ant­wor­tung best­mög­lich um­set­zen. Die Volks­bank Bad Saul­gau be­geg­net die­sen Her­aus­for­de­run­gen nicht zu­letzt durch den Aus­bau ih­rer qua­li­ta­ti­ven Be­ra­tungs­leis­tung. Im Rah­men ei­nes Ver­triebs­pro­jekts ha­ben wir so­wohl die Be­ra­tungs­zei­ten er­höht als auch die Be­ra­tungs­kom­pe­tenz al­ler Ver­triebs­mit­ar­bei­ter durch um­fang­rei­che Schu­lungs- und Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men ge­stärkt. Heißt das auch für die Volks­bank Bad Saul­gau, dass es gut ist, als Bank grö­ßer zu wer­den? Wie je­des an­de­re Un­ter­neh­men braucht auch die Volks­bank Bad Saul­gau Wachs­tum, um die An­for­de­run­gen und Auf­ga­ben im Markt zu meis­tern. Wachs­tum kann da­bei aus der Markt­be­ar­bei­tung kom­men, was je­doch an­ge­sichts des Wett­be­werbs nur mit über­schau­ba­rer Dy­na­mik rea­li­siert wer­den kann. Ei­ne an­de­re Mög­lich­keit bie­ten Zu­sam­men­schlüs­se mit an­de­ren Ban­ken. Die der­zei­ti­ge Er­trags- und Kos­ten­si­tua­ti­on for­ciert na­tür­lich bei Ge­nos­sen­schafts­ban­ken Fu­sio­nen, wie wir es auch in Ober­schwa­ben be­ob­ach­ten kön­nen. Wenn durch Fu­sio­nen ne­ben der Ver­bes­se­rung der Er­trags­und Kos­ten­struk­tu­ren auch noch die Op­ti­mie­rung der Markt­be­ar­bei­tung in ei­nem zu­sam­men­hän­gen­den Wirt­schafts­raum hin­zu kommt, dann ma­chen Zu­sam­men­schlüs­se auf je­den Fall Sinn. Könn­te ei­ne grö­ße­re Volks­bank Bad Saul­gau ein drit­tes Vor­stands­mit­glied be­kom­men? Die An­zahl der Vor­stands­mit­glie­der hängt von meh­re­ren Fak­to­ren ab. Die der­zei­ti­ge Kon­stel­la­ti­on mit zwei Vor­stands­mit­glie­dern ist nicht in St­ein ge­mei­ßelt. Bei zu­neh­men­der Grö­ße, vor al­lem durch mög­li­che Fu­sio­nen, wer­den der Auf­sichts­rat und der Vor­stand die Si­tua­ti­on prü­fen und neu ent­schei­den. Sie sind auch eh­ren­amt­lich in Bad Saul­gau en­ga­giert, als Stadt­rat, in der Bür­ger­stif­tung und bei Bür­ger hel­fen Bür­gern. Wer­den Sie Ih­re eh­ren­amt­li­chen Tä­tig­kei­ten im Ru­he­stand noch aus­bau­en? Zu­nächst ein­mal möch­te ich erst im Ru­he­stand an­kom­men. Das heißt für mich, die neu ge­won­ne­ne Frei­zeit zu ge­nie­ßen und das zu tun, wo­für ich mir in der Ver­gan­gen­heit zu we­nig Zeit ge­nom­men ha­be. Dann ist es mir schon ein wich­ti­ges An­lie­gen, an die Ge­sell­schaft über die eh­ren­amt­li­che Tä­tig­keit et­was zu­rück­zu­ge­ben. Wor­auf freu­en Sie sich jetzt be­son­ders, wenn Sie mehr Zeit ha­ben? Ich freue mich auf mehr sport­li­che Ak­ti­vi­tä­ten wie Gol­fen, Rad­fah­ren und Wan­dern. Dann freue ich mich auf mehr Zeit für mei­ne Frau und die gan­ze Fa­mi­lie. Wir ha­ben bis­her vier En­kel und sind be­reit für wei­te­re En­kel. Und nicht zu­letzt wol­len wir das kul­tu­rel­le An­ge­bot stär­ker nut­zen.

FO­TO: INGO RACK

Nach 14 Jah­ren als Vor­stands­vor­sit­zen­der der Volks­bank Bad Saul­gau ver­ab­schie­det sich Karl-Heinz Bir­zer am Frei­tag in den Ru­he­stand. Er freut sich auf mehr Zeit für sei­ne Fa­mi­lie und die En­kel­kin­der.

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