Zwick: „Die Vor­ar­beit gibt die Rich­tung vor“

Meß­kirchs Bür­ger­meis­ter Ar­ne Zwick spricht über sei­ne Wün­sche in Sa­chen Nord­tras­se

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MESSKIRCH -

MESSKIRCH - Bei der Jah­res­ab­schluss­sit­zung des Kreis­tags hat sich Meß­kirchs Bür­ger­meis­ter Ar­ne Zwick für die Nord­tras­se aus­ge­spro­chen: „Al­le an­de­ren Tras­sen­füh­run­gen sind für mich über­haupt nicht vor­stell­bar, da sie uns noch mehr be­las­ten wür­den“, sag­te er im Gre­mi­um. Er se­he den nörd­li­chen Tras­sen­ver­lauf als ge­ge­ben an. Im Ge­spräch mit SZ-Re­dak­teu­rin An­na-Le­na Buch­mai­er sprach er über die Aus­wir­kun­gen der Nord­tras­se auf Meß­kirch. Noch ist das letz­te Wort zum Tras­sen­ver­lauf nicht ge­spro­chen. Land­rä­tin Ste­fa­nie Bürk­le wird sich im neu­en Jahr an das Re­gie­rungs­prä­si­di­um wen­den und dort De­tails be­spre­chen. War­um ge­hen Sie den­noch von ei­nem nörd­li­chen Ver­lauf aus? Die Nord­tras­se wur­de in den Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan auf­ge­nom­men, weil ei­ne raum­ord­ne­ri­sche Be­trach­tung be­reits er­folgt ist. Es wur­de schon viel Vor­ar­beit ge­leis­tet, die klar die Rich­tung vor­gibt. Da müs­sen wir jetzt wei­ter­ma­chen. Von vor­ne zu be­gin­nen, macht kei­nen Sinn: Wir wür­den uns im Kreis dre­hen. Aus Meß­kir­cher Sicht müss­te ei­ne po­ten­zi­el­le Süd­tras­se von der Um­ge­hungs­stra­ße Meß­kirchs an dem Punkt, an dem man links von der B 311 auf die B 313 ab­bie­gen kann, ge­ra­de­aus wei­ter­ge­hen. Das wür­de ei­nen Tun­nel er­for­dern oder man müss­te den Berg ab­tra­gen. Das ist in mei­nen Au­gen nicht rea­lis­tisch. Hin­ter Men­nin­gen müss­te man die Ablach und das Bahn­gleis mehr­fach kreu­zen. Dar­aus er­ge­ben sich auch Hö­hen- und Hoch­was­ser­pro­ble­me, so in der Ablach­aue. Das ist so­wohl öko­lo­gisch als öko­no­misch un­güns­tig – man wür­de viel mehr Na­tur­raum zer­stö­ren. Ei­ne Tras­sen­füh­rung hin­ter Men­nin­gen vor­bei ist we­gen der dor­ti­gen To­po­gra­fie gleich dop­pelt un­vor­stell­bar. Da­durch wür­de man Men­nin­gen sehr be­las­ten. Die Tras­se steht in mei­nen Au­gen fest. Wel­che Be­deu­tung hät­te die Nord­tras­se für Meß­kirch und Orts­tei­le? Für uns wür­de sie de­fi­ni­tiv ei­ne Ver­bes­se­rung dar­stel­len, da die Kern­stadt und die Orts­tei­le Men­nin­gen und Ring­gen­bach be­züg­lich des Schwer­last­ver­kehrs und des Lärms ent­las­tet wür­den. Der Kreu­zungs­be­reich B 311/ B 313, bei dem man links nach Sigmaringen ab­biegt, müss­te um­ge­stal­tet wer­den. Die Kur­ve ver­läuft im rech­ten Win­kel, hier müss­te man zu­guns­ten der Ver­kehrs­si­cher­heit den Ver­kehrs­fluss än­dern. Wer­den Sie sol­che Über­le­gun­gen in die Pla­nun­gen ein­brin­gen? De­fi­ni­tiv. Aber das sind De­tails, so weit sind wir längst noch nicht. Was gilt es noch zu be­ach­ten? Lärm­schutz müss­te bei­spiels­wei­se auf der Hö­he von Rohr­dorf an­ge­bracht wer­den, ein Erd­wall oder Ähn­li­ches. Rohr­dorf ist von der Tras­se nur we­ni­ge Hun­dert Me­ter ent­fernt. Es gilt dar­an zu den­ken, sich früh­zei­tig ein­zu­brin­gen. Wo­bei wir vom Stre­cken­ver­lauf an sich nicht be­trof­fen sind, die Um­ge­hung biegt nach dem Cam­pus Gal­li rechts von der bis­he­ri­gen Tras­se ab. Sie sag­ten im Kreis­tag, Cam­pus Gal­li könn­te ei­ne ei­ge­ne Aus­fahrt er­hal­ten. Das war ein Scherz. Die ha­ben wir ja be­reits mit der Ab­zwei­gung nach Lan­gen­hart. Es war üb­ri­gens ein Be­su­cher­zu­wachs durch die Um­lei­tung im Som­mer spür­bar: Es sind mehr Leu­te auf den Cam­pus Gal­li auf­merk­sam ge­wor­den, weil sie dort vor­bei ge­lei­tet wor­den sind. Wie viel Gestal­tungs­spiel­raum ha­ben Ge­mein­den bei der Pla­nung? Ge­nau steht das noch nicht fest. Aber im Pla­nungs­pro­zess wol­len wir die Be­tei­lig­ten vor Ort de­fi­ni­tiv ein­bin­den. Es läuft ja nicht so ab, dass ein Pla­ner ei­ne Kar­te zeich­net und sagt: So wird’s ge­macht. Es wird ei­nen Ent­wurf ge­ben, den wir in Gre­mi­en und mit den Bür­gern dis­ku­tie­ren kön­nen. Na­tür­lich hängt dies auch da­von ab, was mach­bar ist. Man muss den Na­tur­schutz im Blick be­hal­ten. Wir wer­den ei­nen ver­nünf­ti­gen Kom­pro­miss fin­den und al­le Ar­gu­men­te an­hö­ren. Auch, wenn man nicht al­len Be­dürf­nis­sen ge­recht wer­den kann. Ir­gend­wo muss man das Ding ja hin­bau­en. Wor­auf gilt es, aus Meß­kir­cher Sicht, zu ach­ten? Der wich­tigs­te Punkt ist die Ver­träg­lich­keit für die Be­völ­ke­rung. Wir wol­len so vie­le wie mög­lich ent­las­ten und die Le­bens­qua­li­tät der An­woh­ner so we­nig wie mög­lich be­ein­träch­ti­gen. Wie sieht es mit den Kon­se­quen­zen für die lo­ka­le Wirt­schaft aus? Durch den ge­än­der­ten Stra­ßen­ver­lauf fehlt die An­bin­dung an vor­han­de­ne Tank­stel­len; in Lei­tis­ho­fen wird der Gast­hof „Zum Ad­ler“um ein paar Hun­dert Me­ter ab­ge­schnit­ten. Das ist in der Tat ein Pro­blem, das ei­nem we­ni­ger be­wusst ist. Die Ge­fahr ist, dass der Ort ver­ödet. Wir wer­den ver­su­chen, durch Hin­weis­schil­der und Mar­ke­ting die vor­han­de­nen Be­trie­be zu stär­ken. Der Gast­hof hät­te we­ni­ger „Lauf­kund­schaft“we­gen des ge­rin­ge­ren Durch­gangs­ver­kehrs, aber da­für ei­ne ru­hi­ge­re La­ge zu bie­ten: Es fah­ren nachts um vier kei­ne Las­ter vor­bei. Der­zeit pro­jek­tie­ren wir ei­ne Tank­stel­le bei Heu­dorf, di­rekt am In­dus­trie­park. Die lä­ge dann di­rekt an der Tras­se. Wer zahlt dann die Hin­weis­schil­der? Die Ge­mein­de oder der Ei­gen­tü­mer? Das Pro­blem ist eher die Ge­neh­mi­gung: Das ist ja ei­ne Bun­des­stra­ße, al­so ist das Re­gie­rungs­prä­si­di­um zu­stän­dig. Er­fah­rungs­ge­mäß ist es nicht leicht, in Deutsch­land an Stra­ßen be­lie­big Schil­der zu plat­zie­ren. Wir hat­ten schon gro­ße Pro­ble­me bei der Aus­schil­de­rung des Cam­pus Gal­li. Al­so kön­nen Sie nicht ver­spre­chen, dass es klappt? Nein. Der Kreis­tag hat 250 000 Eu­ro im Haus­halt 2017 ein­ge­stellt, um ein Si­gnal zu set­zen. Die Frei­en Wäh­ler woll­ten gar 500 000 Eu­ro ein­pla­nen. Da­bei wer­den die Kos­ten ja vom Bund ge­tra­gen. Wo­für ist das Geld ge­dacht? Das Geld ist als „An­schub­fi­nan­zie­rung“für die Pla­nung, dar­un­ter Per­so­nal­kos­ten, ge­dacht. Der Fla­schen­hals bei den Stra­ßen­bau­pro­jek­ten im Land liegt bei den Pla­nungs­ka­pa­zi­tä­ten. Hier soll mit dem Geld ei­ne Vor­fi­nan­zie­rung des Pla­nungs­be­ginns er­fol­gen. Dies wür­den dann pri­va­te Bü­ros ma­chen, um die feh­len­den staat­li­chen Pla­nungs­ka­pa­zi­tä­ten aus­zu­glei­chen. Da­mit soll ei­ne Be­schleu­ni­gung des Pro­jek­tes er­reicht wer­den. Hier­zu muss aber der Land­kreis na­tür­lich erst ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­run­gen mit dem Bund als Kos­ten­trä­ger be­zie­hungs­wei­se dem Land mit dem Re­gie­rungs­prä­si­di­um als zu­stän­di­ge Pla­nungs­be­hör­de tref­fen.

FO­TO: ARCHIV

Die Nord­tras­se wird Vil­sin­gen deut­lich ent­las­ten. Al­ler­dings wird es noch über zehn Jah­re dau­ern, bis ge­baut wer­den kann.

FO­TO: KORINTH

Ar­ne Zwick

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