Hiss und sei­ne Kol­le­gen se­hen das Le­ben oh­ne Il­lu­sio­nen

All­jähr­lich tritt die Stutt­gar­ter Folk­rock-Pol­ka-Band im Meß­kir­cher Schloss­kel­ler auf

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MESSKIRCH - Von Cäci­lia Krö­nert

MESSKIRCH - „Von San­si­bar nach San­ta Fe“, ha­ben die fünf Mit­glie­der der Stutt­gar­ter Folk­rock-Pol­ka-Band Hiss aus ih­rem gleich­na­mi­gen Pro­gramm im bis auf den letz­ten Platz ge­füll­ten Meß­kir­cher Schloss­kel­ler ge­sun­gen. Be­reits seit dem Jahr 2003 las­sen die Voll­blut­ro­cker mit ei­ner er­fri­schen­den, recht ei­gen­wil­li­gen Mix­tur aus volks­mu­si­ka­li­schem Rock and Roll, Blues und Coun­try­Mu­sik den zwei­ten Weih­nachts­fei­er­tag aus­klin­gen. Rund 140 Gäs­te und Hiss-Fans hin­gen an den Lip­pen des Front­manns Ste­fan Hiss, der in Lie­dern, Ge­schich­ten über gro­ße The­men wie Lie­be und Lei­den­schaft er­zähl­te. Ak­zen­te setz­ten Micha­el Roth an der Mund­har­mo­ni­ka, Tho­mas Groll­mus an Gi­tar­re und Man­do­li­ne, Vol­ker Schuh am Bass und Bernd Öh­len­schlä­ger am Schlag­zeug.

Es ist zur Tra­di­ti­on ge­wor­den, dass die Mu­se­ums­ge­sell­schaft Meß­kirch al­le Jah­re wie­der die­se Band in den Schloss­kel­ler ein­lädt. 1995 grün­de­te sich die Grup­pe Hiss und na­he­zu so lan­ge spie­len die her­vor­ra­gen­den So­lis­ten in Meß­kirch. Ihr De­büt ga­ben sie sei­ner­zeit im Speck­brett­le. Ih­re Mu­sik er­in­nert an Aben­teu­er, fer­ne Län­der und Le­bens­lust.

„Kei­ner spielt die Pol­ka so wie ich“, sag­te Ste­fan Hiss, der mit schar­fer Zun­ge die ei­gen­wil­li­gen Lie­der kom­men­tier­te. Die Mu­sik leis­te Le­bens­hil­fe und man sol­le den En­ter­tain­ment-Aspekt beim Ken­nen­ler­nen nicht ver­ges­sen, sag­te Hiss und und sang: „Schwarz ist die Nacht, so schwarz wie mei­ne See­le.“Das Pu­bli­kum lieb­te die Mi­schung aus Bal­kan-Blues, Pol­ka ’n’ roll, Tai­ga-Twist und Wild­west-Wal­zern und klatscht stür­misch Bei­fall. Vie­le Fans von nah und fern füll­ten den Schloss­kel­ler und zeig­ten ih­re gro­ße Freu­de an die­ser spe­zi­el­len Mu­sik. „Bei 80 Pro­zent al­ler Lei­den hel­fen Bier, Wurst und Tanz, geht zum Fei­ern in die Wüs­te, mir reicht Bier, Wurst und Tanz“, sang Hiss mit stimm­li­cher Un­ter­stüt­zung von Gi­tar­rist Groll­mus. Der Tod als freu­di­ges Er­eig­nis Das Fun­da­ment des ty­pi­schen His­sSounds bil­den das von Hiss selbst meis­ter­haft ge­spiel­te Ak­kor­de­on so­wie sein Ge­sang als auch das Mund­har­mo­ni­ka-Spiel von Band­kol­le­ge Micha­el Roth. Die pas­sen­den Mo­ves da­zu ha­ben die Aus­nah­me-Mu­si­ker von den Pro­fis aus Ame­ri­ka ge­lernt, sag­te Hiss. „Ver­scharrt mich bloß nicht in der Hei­mat“, „Wel­che Dro­ge passt zu mir“oder „Hebt das Glas und trinkt auf die To­ten“, so pro­vo­ka­tiv klan­gen die Tex­te. Die Lie­der hat­ten et­was von Wild­west-Ro­man­tik. Sein gro­ßes Vor­bild sei Ha­rald Juhn­ke und er ste­he eher auf „Selbst­ver­sor­ger­be­er­di­gung“, da­her sol­le sich je­der ge­nug zu trin­ken mit­brin­gen, sag­te Hiss und stimm­te an: „Tanzt an mei­nem Gr­ab“.

Mit dem Ti­tel „Komm tanz mit mir“nah­men Hiss 1998 an der ZDFHit­pa­ra­de teil, wo sie den drit­ten Platz er­reich­ten. Über zwei St­un­den koch­te die Stim­mung im Schloss­kel­ler. In ih­rem Pro­gramm „Von San­si­bar nach San­ta Fe“brach­ten die Voll­blut­mu­si­ker neue und al­te Hits zu Ge­hör und die Be­geis­te­rung nahm schier kein En­de. Als Ma­cho, der je­der Ge­fahr trotzt, sang Hiss „Ich bin ein schö­ner Mann“, doch vor der Psy­che der Frau ha­be er Re­spekt. Er brau­che schon ei­ne ge­wis­se Zeit, um die männ­li­che Sicht auf die Din­ge wie­der her­zu­stel­len, sag­te Hiss.

„Vor zehn bis zwölf Jah­ren hät­ten wir das fol­gen­de Lied nicht ge­spielt, es wä­re uns nicht hart ge­nug, aber jetzt sind wir al­le über 40 und müs­sen uns nichts mehr be­wei­sen“, scherz­te Hiss und sang „Sehn­sucht ver­piss dich“. Ob Mund­har­mo­ni­kaSo­lo, Gi­tar­ren- oder Schlag­zeug-So­lo, das Pu­bli­kum zoll­te den Künst­lern gro­ßen Re­spekt und be­dank­te sich mit viel Ap­plaus. Erst nach ei­ner aus­ge­dehn­ten Zu­ga­be und ei­ner hal­ben St­un­de spä­ter ver­ab­schie­de­te sich die Band und vie­le Gäs­te kauf­ten sich als nach­träg­li­ches Weih­nachts­ge­schenk ei­ne CD.

FO­TO: KRÖ­NERT

Ste­fan Hiss spielt bit­ter-sü­ße Pol­ka auf dem Ak­kor­de­on.

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