„Von ei­ner Durch­schnitts­ren­te bleibt da nichts mehr üb­rig“

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

BER­LIN - Vol­ker Lei­en­bach, Di­rek­tor des Ver­ban­des der Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung, plä­diert da­für, pri­va­te Vor­sor­ge für den Pfle­ge­fall at­trak­ti­ver zu ma­chen. So könn­te man die Zu­la­ge beim „Pfle­geBahr“er­hö­hen, sag­te Lei­en­bach im Ge­spräch mit Ras­mus Buch­stei­ner. Herr Lei­en­bach, die Pfle­ge­re­form tritt zu Jah­res­be­ginn in Kraft. Wird jetzt al­les bes­ser für die Be­trof­fe­nen, oder sind be­rech­tig­te Wün­sche of­fen ge­blie­ben? Es gibt im­mer be­rech­tig­te Wün­sche, die wei­ter ge­hen. Aber die fi­nan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten für ei­ne sol­che Re­form sind be­grenzt. Nie­mand wird schlech­ter ge­stellt. Vie­le wer­den hö­he­re Leis­tun­gen er­hal­ten. Die­se knüp­fen in Zu­kunft nicht mehr an De­fi­zi­ten der Be­trof­fe­nen an, son­dern an ih­ren Fä­hig­kei­ten. Die Selbst­stän­dig­keit der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen bleibt stär­ker im Blick. Un­term Strich ist die Bi­lanz po­si­tiv. Aber die­se Re­form kos­tet na­tür­lich viel Geld ...

Zu­viel Geld? Je­den­falls reicht die Fi­nan­zie­rung bei den ge­setz­li­chen Pfle­ge­kas­sen nur für ei­ni­ge Jah­re. Dann wird man wei­ter­se­hen müs­sen. Bei den pri­va­ten Pfle­ge­kas­sen wird es al­ler­dings kein Pro­blem ge­ben. Denn wir ar­bei­ten mit ka­pi­tal­ge­deck­ten Al­te­rungs­rück­stel­lun­gen. Die Pfle­ge­ver­si­che­rung ist kei­ne Voll­kas­ko-Ver­si­che­rung. Ei­nen Teil des Pfle­ge­ri­si­kos müs­sen die Be­trof­fe­nen und ih­re An­ge­hö­ri­gen selbst zah­len. Wie­viel Geld soll­te man bei­sei­te­le­gen? Die Pfle­ge­ver­si­che­rung zahlt ei­nen Be­trag, der die mo­nat­li­chen Kos­ten nicht an­nä­hernd deckt. Die Vor­sor­ge­lü­cke kann bei 1000 bis 2000 Eu­ro je nach Pfle­ge­grad lie­gen. Das ist der Be­trag, den Pfle­ge­be­dürf­ti­ge oder ih­re Fa­mi­li­en auf­zu­brin­gen ha­ben. Von ei­ner Durch­schnitts­ren­te bleibt da nichts mehr üb­rig. Wel­che Rol­le spie­len pri­va­te Zu­satz­ver­si­che­run­gen für die Pfle­ge? In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ist rich­tig Fahrt in die Sa­che ge­kom­men. Die Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­rung hat sich in den letz­ten fünf Jah­ren bei­na­he ver­dop­pelt. Im Jahr 2015 ist die Zahl der pri­va­ten Zu­satz­ver­si­che­run­gen von 2,48 auf 2,58 Mil­lio­nen ge­stie­gen. Und die neu­es­ten Da­ten von Ok­to­ber 2016 zei­gen ei­nen wei­te­ren An­stieg auf 2,66 Mil­lio­nen, al­so ein Plus von ins­ge­samt 7,3 Pro­zent. Bei der staat­lich ge­för­der­ten Va­ri­an­te, dem „Pfle­ge-Bahr“, ha­ben wir 2015 ei­nen An­stieg von 558 600 auf 683 600 Ver­trä­ge. Im Ok­to­ber 2016 wa­ren es be­reits rund 755 000 – al­so ei­ne be­acht­li­che Zu­wachs­ra­te von ins­ge­samt 35,2 Pro­zent. Un­term Strich kom­men wir da­mit ak­tu­ell auf 3,41 Mil­lio­nen Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­run­gen. Das ent­spricht al­ler­dings nur rund vier Pro­zent der Be­völ­ke­rung. Da ist al­so noch je­de Men­ge Luft nach oben. Sie for­dern mehr staat­li­che För­de­rung? Wich­tig ist vor al­lem die Auf­klä­rung über die Not­wen­dig­keit pri­va­ter Vor­sor­ge. Die Zu­la­ge beim „Pfle­ge-Bahr“be­trägt fünf Eu­ro pro Mo­nat. Mit ei­ner Er­hö­hung des Be­trags könn­te man die pri­va­te Vor­sor­ge at­trak­ti­ver ma­chen.

FOTO: DPA

Vol­ker Lei­en­bach

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