Poe­try-Slam­mer nis­ten sich in der Lin­de ein

Ein Wett­streit mit Wor­ten im Gög­gin­ger Gast­hof

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - RUND UM SIGMARINGEN - Von Arno Möhl

GÖG­GIN­GEN - Mehr als 200 Leu­te hat es am Don­ners­tag­abend in den Saal des Kult­gast­ho­fes Lin­de in Gög­gin­gen ge­zo­gen. Ein Poe­try-SlamAbend war an­ge­sagt, an dem sich acht Be­wer­ber be­tei­lig­ten.

Kul­tig ist die Gast­stät­te, weil hier so­wohl die Nar­ren jähr­lich in ih­rer ei­ge­nen Pro­sa Orts­ge­sche­hen in­ter­pre­tie­ren und weil sich seit ein paar Jah­ren die Poe­try-Slam­mer in Gög­gin­gen ein­ge­nis­tet ha­ben. Das zu 80 Pro­zent jun­ge Pu­bli­kum weiß auch, wem es das zu ver­dan­ken hat: Chris­ti­an Bieh­ler aus Gög­gin­gen. Oh­ne ihn gä­be es ganz si­cher kei­ne so­zi­al­kri­ti­schen, nach­denk­li­chen, iro­ni­schen, lus­ti­gen, hin­ter­grün­di­gen und oft auch wit­zi­gen Sl­am­tex­te, de­rent­we­gen sich so vie­le auf den Weg ins Ba­di­sche ge­macht ha­ben. Und da sa­ßen sie auf Holz­stüh­len, un­ter­hiel­ten sich an­ge­regt, tra­fen auf Leu­te, die sie lan­ge nicht ge­se­hen ha­ben. Bis, ja bis der Mo­de­ra­tor Mar­vin Su­ckut aus Kon­stanz das Mi­kro in die Hand nahm.

Mucks­mäus­chen­still war es mit ei­nem Schlag. Mit an­ge­neh­mer, lei­ser Stim­me er­klär­te er das Pro­ze­de­re des Wett­streits. Acht Be­wer­ber tra­ten in ei­ner Fün­fer- und ei­ner Drei­er­grup­pe nach­ein­an­der auf. Die Vor­trä­ge müs­sen selbst ver­fasst sein, dür­fen sechs Mi­nu­ten nicht über­schrei­ten und vom Slam­mer mit oder oh­ne Text­blatt, je­doch frei von je­der Ko­s­tü­mie­rung, prä­sen­tiert wer­den. Ein „Bür­ger­meis­ter“, er hieß Martin, as­sis­tier­te dem Mo­de­ra­tor vor al­lem bei der Ab­stim­mung durch das Pu­bli­kum. Und die probt Mar­vin mal gleich mit ei­ner zehn­stu­fi­gen Ge­räusch­ku­lis­se, so­dass man den Slam­mer am liebs­ten mit nach Hau­se neh­men möch­te.

Klappt auf An­hieb und könn­te schon Teil des Pro­gramms sein. Aber das wä­re Mar­vin dann doch zu we­nig ge­we­sen. Sel­ber er­folg­rei­cher Slam­mer gab er auch gleich mal ei­nen Vor­ge­schmack und ließ da­bei He­le­ne Fischer gar nicht gut aus­se­hen. Den Auf­takt mach­te dann Do­mi­nik Er­hard aus Mün­chen mit Ge­dan­ken dar­über „wie der Teu­fel ins De­tail“kommt. Sein Tipp: „Nehmt euch selbst und auch die Um­welt erns­ter, kauft we­ni­ger ein, dann werft ihr auch we­ni­ger weg“. Alex Simm nahm aus Leh­rer­sicht die Kids aufs Korn und die El­tern gleich mit. Ian Shaw ver­such­te es mit Ge­dan­ken an ei­ne Frau „der er ges­tern Din­ge sag­te, die ihm heu­te schon wie­der fremd vor­kom­men“.

Im zwei­ten Durch­gang durf­te An­di Reb­holz aus Sig­ma­rin­gen­dorf/ Ulm als Ers­ter ran. Ihm hat es die me­di­zi­ni­sche Fa­kul­tät an­ge­tan. Und dann noch die Krank­haus­se­ri­en „vol­ler Fach­be­grif­fe die ich nicht be­grei­fe, wie Hy­gie­ne bei­spiels­wei­se“. Er scheint, wie soll’s auch an­ders sein, ei­nen Heim­vor­teil zu ha­ben. Bä­cke­rei­fach­ver­käu­fe­rin lis­tet Back­zu­ta­ten auf Wolf­gang Hey­er mach­te es mit sei­ner Ge­schich­te aus dem All­tag min­des­tens so gut wie An­di. Er stellt die Bä­cke­rei­fach­ver­käu­fe­rin vor, die in un­fass­ba­rer Ge­schwin­dig­keit das kom­plet­te Zu­ta­ten­an­ge­bot der Brot­back­wa­ren auf­zählt. Wie er das ana­to­misch hin­be­kam, frag­te sich da so man­cher. Swa­na Le­na blieb ernst und ar­bei­te­te in „Stra­ßen­kämp­fe“die Welt der Un­der­dogs ab, die nur ei­ne Chan­ce im Le­ben ha­ben. Das Le­ben wie­der­ho­len geht nicht.

Zu dritt ging es ins Fi­na­le, in dem, kaum fest­stell­bar, An­di das Ren­nen mach­te. Wolf­gang, Alex und Do­mi­nik tru­gen es mit der sze­ne­üb­li­chen Ge­las­sen­heit. Das Pu­bli­kum war be­geis­tert – vom Abend vom Bier­chen und freut sich schon wie­der auf den nächs­ten Slam. Und der darf ru­hig in Gög­gin­gen sein. Auch Or­ga­ni­sa­tor Chris­ti­an zeig­te ei­ne zu­frie­de­ne Slam­mer­mi­ne.

FOTO: ARNO MÖHL

Zum Ab­schluss des Poe­try-Slams in Gög­gin­gen gibt es ein Glas Sekt für die Ak­teu­re.

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