Dank Laich­ge­wäs­ser wird Krö­ten­tra­gen über­flüs­sig

Bei Rul­fin­gen le­gen Eh­ren­amt­li­che ei­nen Wei­her an, da­mit die Tie­re die Stra­ße nicht über­que­ren müs­sen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MENGEN/GÖGE/SCHEER - Von Ve­ra Ro­meu

RUL­FIN­GEN - Ei­ne klei­ne Trup­pe Eh­ren­amt­li­cher vom Na­tur­schutz­bund (Na­bu) hat bei idea­ler Wit­te­rung am Ufer des neu an­ge­leg­ten Wei­hers in Rul­fin­gen, in dem Krö­ten und Frö­sche in der nächs­ten Sai­son lai­chen sol­len, die ers­ten Pflan­zen aus­ge­bracht. Der Wei­her wird vor­be­rei­tet, da­mit die Tie­re da­rin lai­chen kön­nen und nicht mehr in dem Teich, der auf der an­de­ren Sei­te der Kreis­stra­ße K8240 in Rich­tung Ros­na liegt.

Je­des Jahr stellt die Kreis­stra­ßen­meis­te­rei ent­lang die­ser Stra­ße auf bei­den Sei­ten ei­nen 900 Me­ter lan­gen Am­phi­bi­en­zaun auf. „Na­bu-Mit­glie­der tra­gen rund 2500 Tie­re über die Stra­ße, da­mit sie lai­chen kön­nen, und dann wie­der zu­rück, da­mit sie in ihr Le­bens­ge­biet auf der Rul­fin­ger Sei­te zu­rück kön­nen“, sagt Wer­ner Löw, Vor­sit­zen­der der Na­bu Orts­grup­pe für den Be­reich Men­gen, Ho­hen­ten­gen, Scheer und Os­trach. Der Auf­wand sei so hoch, dass Na­bu und Land­kreis be­schlos­sen hät­ten, in Rul­fin­gen ein Laich­ge­wäs­ser an­zu­le­gen. Die Stadt Men­gen stellt kos­ten­los die Flä­che zur Ver­fü­gung. „Al­le Frö­sche und Krö­ten, die hier auf­ge­wach­sen sind, wer­den künf­tig hier auch lai­chen“, sagt Franz Laub aus Hoß­kirch. So wer­de es zwar noch ein paar Jah­re dau­ern, bis kein Frosch und kei­ne Krö­te mehr über die Kreis­stra­ße zum Lai­chen ge­he, aber ir­gend­wann wer­de sich der hohe Auf­wand für Land­rats­amt und Na­tur­schüt­zer er­üb­ri­gen. Ei­gen­mit­tel sind auf­ge­braucht Der neue Laich­wei­her hat ei­ne Flä­che von 500 Qua­drat­me­ter und ei­ne Tie­fe von rund 1,70 Me­ter. Er wur­de mit den För­der­mit­teln des Re­gie­rungs­prä­si­di­ums, der Un­ter­stüt­zung der Kreis­stra­ßen­meis­te­rei, der Stadt Men­gen und der kos­ten­lo­sen Ver­mes­sung durch das Rul­fin­ger Bü­ro von Man­fred Moll an­ge­legt. Doch zeig­te sich wäh­rend der Bau­maß­nah­me, dass sich der Un­ter­grund des Ge­län­des nicht für ei­nen dich­ten Damm eig­net. „So muss­te mehr Erd­ma­te­ri­al zur De­po­nie ge­fah­ren und zu­sätz­li­cher Lehm ein­ge­bracht wer­den“, sagt Laub. Die Ei­gen­mit­tel des Na­tur­schutz­bun­des sind auf­ge­braucht. Der Na­bu hat er­neut ei­nen An­trag auf För­de­rung beim Re­gie­rungs­prä­si­di­um ge­stellt, um den Wei­her fer­tig zu stel­len. Wich­ti­ge Bau­maß­nah­men ste­hen noch aus. Das Ufer soll fer­tig ge­stellt wer­den und ein Zaun aus star­kem Ma­schen­draht muss am in­ne­ren Ufer be­fes­tigt wer­den, da­mit der Bi­ber sich nicht an­sie­delt und Lö­cher in den Damm gräbt. „Die Ent­schei­dung wird aber frü­hes­tens im Fe­bru­ar kom­men“, so Löw. Die Frö­sche wer­den ab Mit­te März schon wie­der zu wan­dern be­gin­nen. „Da soll­te das Ge­wäs­ser ein­ge­rich­tet sein“, sagt Löw. Denn die Na­tur­schüt­zer wer­den ab dem kom­men­den Jahr die Krö­ten und Frö­sche nicht mehr über die Stra­ße tra­gen, son­dern in den neu­en Wei­her. Dort wer­den die Tie­re zwei Wo­chen lang in Laich­kä­fi­gen ge­hal­ten, und wenn sie ab­ge­laicht ha­ben, wie­der frei ge­las­sen. Ju­gend­li­che hel­fen mit Um die Sai­son vor­zu­be­rei­ten ha­ben sich die Na­bu-Mit­glie­der zu­sam­men mit den Ju­gend­li­chen David Schwarz (Ros­na), Si­mon All­mai­er und Alex­an­der Nüs­ke (Men­gen) und Fa­bi­an Thiel (Hitz­kofen) von der Men­ge­ner Na­tur­schutz­ju­gend auf den Weg ge­macht und ei­nen eh­ren­amt­li­chen Ar­beits­ein­satz ge­leis­tet. Die Krö­ten und Frö­sche brau­chen beim Ab­lai­chen Pflan­zen als Un­ter­grund, da­mit sich die Laich­schnü­re fest­set­zen kön­nen. Die Na­tur­schüt­zer ha­ben Un­ter­was­ser­pflan­zen, so­ge­nann­te Seg­gen, aus­ge­sto­chen und am fla­chen Ufer des Laich­wei­hers ab­ge­la­gert. „Die­se Pflan­zen wer­den im Früh­jahr schnell wach­sen“, er­klärt Al­f­red Bau­ern­feind. Wei­te­re Pflan­zen und Bü­sche sol­len noch ge­setzt wer­den, da­mit die Kaul­quap­pen Schutz fin­den. Al­gen und Mi­kro­or­ga­nis­men wer­den sich im Wei­her an­sie­deln und den Tie­ren Nah­rung sein.

Der Ar­beits­ein­satz fand bei gu­ten Be­din­gun­gen statt: Der Bo­den war zum Glück ge­fro­ren, die Son­ne schien am blau­en Him­mel. In der Pau­se zün­de­ten die jun­gen Leu­te ein Feu­er in ei­nem Korb an und ge­nos­sen ein Ve­sper. Der neue Laich­wei­her bringt hohe Ein­spa­run­gen mit sich: Die Stra­ßen­meis­te­rei wird ent­lang der Kreis­stra­ße den Am­phi­bi­en­schutz­zaun nicht mehr auf­stel­len müs­sen, die Eh­ren­amt­li­chen vom Na­bu wer­den nicht mehr spät in der Nacht und früh am Mor­gen die Zäu­ne ab­lau­fen und die Tie­re über die Stra­ße tra­gen müs­sen. „Auf lan­ge Sicht ist die­ser Wei­her ei­ne loh­nen­de In­ves­ti­ti­on. Und ein wich­ti­ger Bei­trag zum Ar­ten­schutz, weil die Po­pu­la­ti­on der Krö­ten und Frö­sche un­be­merkt ab­nimmt“, sagt Löw.

FOTO: VR

Ein­satz mit Gum­mi­stie­feln am neu­en Laich­ge­wäs­ser: Der Wei­her soll das Über-die-Stra­ße-tra­gen der Krö­ten künf­tig über­flüs­sig ma­chen.

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