Auch Lei­chen­wa­gen be­kom­men Kn­öll­chen

Nur mit Son­der­ge­neh­mi­gun­gen vom Ra­vens­bur­ger Ord­nungs­amt darf im Park­ver­bot ge­parkt wer­den

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von Bert­hold Ru­eß

RA­VENS­BURG - In Ra­vens­burg kann man in Park­häu­sern und auf Park­plät­zen „güns­tig, be­quem und stadt­nah par­ken“, wirbt die Stadt auf ih­rer Home­page. Teu­er kann es da­ge­gen für den wer­den, der dort parkt, wo es nicht er­laubt ist. Es sei denn, er hat ei­nen gu­ten Grund – oder ei­ne Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung.

In der Stra­ße Hirsch­gra­ben sei so­gar ein Lei­chen­wa­gen be­an­stan­det wor­den, be­rich­tet Gi­se­la Thom­mel. Sie war ei­ner Nach­ba­rin im Haus be­hilf­lich, de­ren Mann ver­storben war und von ei­nem Be­stat­tungs­un­ter­neh­men ab­ge­holt wer­den soll­te. Man­gels bes­se­rer Ge­le­gen­heit ha­be der Fah­rer das Au­to im ab­so­lu­ten Hal­te­ver­bot ab­ge­stellt. Nach­dem die drei Män­ner vom Be­stat­ter die Lei­chen­tra­ge durch das en­ge Trep­pen­haus bug­siert hat­ten, fan­den sie am Au­to ei­ne Zah­lungs­auf­for­de­rung über 25 Eu­ro vor. „Soll­te der Ver­stor­be­ne viel­leicht ins nächs­te Park­haus ge­tra­gen wer­den?“, fragt sich Gi­se­la Thom­mel und kommt zum Schluss: „Von Pie­tät kei­ne Spur.“

Die Stadt­ver­wal­tung weist den Vor­wurf von sich. „Zu wel­chem Zweck das Fahr­zeug dort ab­ge­stellt war, war für den Ge­mein­de­voll­zugs­dienst nicht er­kenn­bar“, teilt Pres­se­spre­cher Al­f­red Os­wald mit. Der Be­stat­ter ha­be aber noch am sel­ben Tag bei der Buß­geld­stel­le ei­ne Ster­be­ur­kun­de vor­ge­legt, wor­auf­hin das Buß­geld­ver­fah­ren ein­ge­stellt wor­den sei. Es müs­se eben im­mer im Ein­zel­fall ent­schie­den wer­den. Lei­chen­wa­gen eben­so wie an­de­re Son­der­fahr­zeu­ge oder Hand­wer­ker­au­tos wür­den mit­un­ter auch für eher all­ge­mei­ne Zwe­cke ein­ge­setzt, sagt Os­wald: „So hat­ten wir erst im Früh­som­mer ei­nen Fah­rer, der in die Fuß­gän­ger­zo­ne fuhr, um sich ei­nen Le­ber­käs­we­cken zu be­sor­gen.“Das ab­olu­te Hal­te­ver­bot am Hirsch­gra­ben ha­be durch­aus sei­ne Be­rech­ti­gung, be­tont Os­wald: „Hier führt die Stadt­bus­li­nie ent­lang. Wenn hier ge­parkt wird, kommt der Bus nicht durch.“Auch Gi­se­la Thom­mel be­stä­tigt, dass die Park­si­tua­ti­on sehr an­ge­spannt ist: „Hier ist per­ma­nent al­les zu­ge­parkt.“Und zwar nicht von Lei­chen­wa­gen oder Hand­wer­kern, son­dern von Pri­vat­leu­ten.

Bei ei­nem Um­zug oder für Hand­werks­be­trie­be gibt es al­ler­dings auch die Mög­lich­keit, für ge­sperr­te Be­rei­che beim Ord­nungs­amt ei­ne Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung zu be­an­tra­gen. Sie be­rech­tigt zum Par­ken in al­len ein­ge­schränk­ten Hal­te­ver­bo­ten, in ver­kehrs­be­ru­hig­ten Be­rei­chen, in Fuß­gän­ger­zo­nen und an Park­schein­au­to­ma­ten, oh­ne zu be­zah­len. Man kann bis zu drei Au­tos al­ter­na­tiv be­nut­zen. Die Ge­neh­mi­gung kos­tet zehn Eu­ro pro Tag, 25 Eu­ro pro Wo­che und 40 Eu­ro im Mo­nat. Ei­ne Jah­res­ge­neh­mi­gung gibt es für 150 Eu­ro. „Das ist auf je­den Fall bil­li­ger als das Buß­geld“, so Os­wald, „und man kann es steu­er­lich ab­set­zen oder dem Kun­den in Rech­nung stel­len.“

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