Haus­tie­re vor Böl­lern schüt­zen

Bei gro­ßer Pa­nik emp­fiehlt Tier­ärz­tin Mar­ti­na Bernau­er Me­di­ka­men­te für Haus­tie­re

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von An­na-Le­na Buch­mai­er

Hun­de, Kat­zen und an­de­re Tie­re müs­sen an Sil­ves­ter be­ru­higt wer­den.

REN­GETS­WEI­LER - Wenn Fei­er­wü­ti­ge zum Jah­res­wech­sel ihr Feu­er­werk ab­bren­nen, lei­den Haus­tie­re oft un­ter Stress. Tier­ärz­tin Mar­ti­na Bernau­er, die ih­re Pra­xis in Ren­gets­wei­ler be­treibt, rät, die Tie­re auf die Be­las­tung vor­zu­be­rei­ten.

„Es gibt spe­zi­el­le Ge­räusch-CDs oder Apps, mit de­nen man Tie­re schritt­wei­se an die Ge­räu­sche ge­wöh­nen kann“, so die Tier­me­di­zi­ne­rin. Das bö­te sich bei ge­räu­sch­emp­find­li­chen Tie­ren an, die bei­spiels­wei­se Angst vor Ge­wit­ter hät­ten. Die CD soll­te man zu­nächst ei­ni­ge Ma­le lei­se ab­spie­len und die Laut­stär­ke dann mo­de­rat stei­gern.

Die Ärz­tin emp­fiehlt, das Haus­tier in ei­nen ver­trau­ten, dunk­len Raum mit ei­ner ver­trau­ten De­cke zu las­sen, die Roll­lä­den soll­ten her­un­ter­ge­las­sen wer­den, um die Tie­re vor den Licht­blit­zen der Ra­ke­ten ab­zu­schot­ten. „Auch Mu­sik aus dem Ra­dio kann hel­fen, die Ge­räusch­ku­lis­se zu über­tö­nen.“Ist das Tier neu beim Be­sit­zer, soll­te man es kei­nes­falls in der Sil­ves­ter­nacht al­lei­ne las­sen, son­dern be­ob­ach­ten. „Man muss wis­sen, wie das Tier re­agiert“, so Bernau­er. Ge­ge­be­nen­falls Me­di­ka­men­te ver­ab­rei­chen Auch äl­te­re Tie­re könn­ten mit der Zeit emp­find­li­cher wer­den. Man­che Haus­tie­re be­kä­men Pa­nik, was zu ei­nem nach­hal­tig ho­hen Stres­spe­gel füh­re: „Dann emp­fiehlt es sich, Me­di­ka­men­te zu ver­ab­rei­chen – schon ein paar Ta­ge vor Sil­ves­ter und da­nach“, so Bernau­er. Die­se könn­ten den Stress­ab­bau för­dern. Das Spek­trum rei­che vom pflanz­li­chen Mit­tel bis hin zum Se­da­ti­vum, das das Tier ru­hig stellt.

„Das wür­de ich aber nur emp­feh­len, wenn das Tier wirk­lich gro­ße Pa­nik be­kommt“, so die Ärz­tin, an die sich schon ei­ni­ge Pa­ti­en­ten ge­wandt hät­ten, wie sie denn mit ih­rem Haus­tier am 31. De­zem­ber um­ge­hen soll­ten.

Vor al­lem Hun­den sei der Stress am meis­ten an­zu­mer­ken, sie jau­len, bel­len, krat­zen an Tü­ren. Für Kat­zen sei das Feu­er­werk nicht we­ni­ger stres­sig, doch sie wür­den es nicht so sehr zei­gen: „Ih­re Angst ist pas­si­ver, sie win­seln oder he­cheln nicht, aber sie ver­krie­chen sich“, weiß Bernau­er. Na­gern, die von Na­tur aus Flucht­tie­re sind, soll­te man auch ei­nen ver­dun­kel­ten Schutz­raum bie­ten. „Sie kom­men aber meist bes­ser mit der Si­tua­ti­on klar, da sie sich auch so häu­fig ver­ste­cken.“ Hun­de bei Feu­er­werk und Lärm im Haus be­hal­ten Hun­de soll­ten nicht mit nach drau­ßen ge­nom­men wer­den und auch Kat­zen soll­ten im Haus blei­ben, da­mit sie sich nicht drau­ßen ver­krie­chen oder sich in Ge­fahr be­ge­ben. Ei­ni­gen Hun­den ma­che das Feu­er­werks­schie­ßen nichts aus, bei an­de­ren hel­fe Ablen­kung, wie ein Kaukno­chen: „Das Kau­en schüt­tet Se­ro­to­nin aus“, so Bernau­er. Das wir­ke dem Stress ent­ge­gen. Au­ßer­dem ge­be es für Kat­zen wie Hun­de auch Phe­ro­mon-Zer­stäu­ber für die Steck­do­se.

Mar­ti­na Bernau­er rät, sich den Tie­ren ge­gen­über nor­mal zu ver­hal­ten. „Die Angst ei­nes Hun­des lin­dert es nicht, wenn sich der Be­sit­zer zum Tier auf den Bo­den legt“, so die Ärz­tin. Da­durch wür­de dem Tier si­gna­li­siert, dass es tat­säch­lich Grund zur Be­sorg­nis ge­be.

Auch nicht un­ter­schät­zen dür­fe man die ge­ruch­li­che Be­läs­ti­gung durch Schwe­fel. Beim Gas­si-Ge­hen mit Hun­den soll­te man den Hund an den Ta­gen nach Sil­ves­ter nicht un­be­auf­sich­tigt las­sen. „Hun­de könn­ten die Über­res­te der Feu­er­werks­kör­per fres­sen.“Bei Kat­zen be­stün­de hin­ge­gen we­ni­ger Ge­fahr.

Ohr­schutz bei Tie­ren hält Bernau­er für we­nig sinn­voll. „Ich wüss­te nicht mal, dass es so et­was gibt“, sagt die Tier­ärz­tin. „Es ist si­cher leich­ter, ei­nen Hund an die Ge­räu­sche durch die CD als an den Oh­ren­schutz zu ge­wöh­nen.“

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Zu Sil­ves­ter wird es laut: Be­sit­zer kön­nen ih­re Tie­re schon vor­ab an die Si­tua­ti­on ge­wöh­nen und Stress lin­dern. Tier­ärz­tin Mar­ti­na Bernau­er weiß, wie.

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