NPD-Ver­fah­ren droht das Aus

Zei­tung zi­tiert aus in­ter­nem Gut­ach­ten – In­nen­mi­nis­te­ri­um wi­der­spricht

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE -

BER­LIN (dpa) - Die Bun­des­re­gie­rung rech­net laut „Bild“nicht mit ei­nem Ver­bot der rechts­ex­tre­men NPD durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt. In ei­ner in­ter­nen Ein­schät­zung ge­he sie da­von aus, dass Karls­ru­he am 17. Ja­nu­ar dem Ver­bots­an­trag des Bun­des­rats nicht statt­ge­ben wer­de. Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag hat­ten sich dem Vor­stoß an­ge­schlos­sen. Es ist nach 2003 der zwei­te Ver­such, die NPD zu ver­bie­ten.

BER­LIN (epd) - Die Bun­des­re­gie­rung hält laut ei­nem Be­richt der „Bild“Zei­tung ein NPD-Ver­bot für un­wahr­schein­lich. In ei­nem in­ter­nen Gut­ach­ten kom­me die Re­gie­rung zu der Ein­schät­zung, dass die NPD in ih­rem po­li­ti­schen Wir­ken und durch aus­blei­ben­de Wah­l­er­fol­ge „nicht die Schwel­le zur Ge­fähr­dung über­schrit­ten“ha­be, schreibt das Blatt.

Die münd­li­che Be­weis­auf­nah­me vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ha­be kei­ne „über­zeu­gen­den Hin­wei­se auf ei­ne Ge­fähr­dung der frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung“durch die Par­tei er­bracht.

Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um wi­der­sprach dem Zei­tungs­be­richt. Solch ein Gut­ach­ten sei nicht be­kannt, sag­te ei­ne Spre­che­rin des Mi­nis­te­ri­ums. Es ge­be kei­ne Vor­abein­schät­zung der Bun­des­re­gie­rung zum NPD-Ver­bot. Das ge­bie­te schon der Re­spekt vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, er­klär­te sie.

Das höchs­te Ge­richt in Karls­ru­he will am 17. Ja­nu­ar sein Ur­teil im NPDVer­bots­ver­fah­ren ver­kün­den. Der Bun­des­rat hat­te nach ei­ner ent­spre­chen­den Ent­schei­dung der Bun­des­län­der 2013 ei­nen zwei­ten An­lauf für ein NPD-Ver­bot un­ter­nom­men. Ein ers­ter Ver­such, die rechts­ex­tre­me Par­tei zu ver­bie­ten, schei­ter­te 2003 am Ein­satz von V-Leu­ten in Füh­rungs­gre­mi­en der Par­tei. Bun­des­tag und Bun­des­re­gie­rung, die eben­falls ein Par­tei­ver­bot be­an­tra­gen kön­nen, hat­ten sich dies­mal dem Ver­fah­ren nicht an­ge­schlos­sen.

Wie „Bild“wei­ter be­rich­te­te, wird in dem Pa­pier auch auf die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung durch den Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te ver­wie­sen. Der ha­be bei ver­gleich­ba­ren Ver­bots­an­trä­gen aus an­de­ren eu­ro­päi­schen Staa­ten stets dar­auf ver­wie­sen, dass nicht nur ei­ne abs­trak­te Ge­fähr­dung der frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung vor­lie­gen dür­fe, son­dern ei­ne reale Ge­fahr der star­ken po­li­ti­schen Ein­fluss­nah­me oder gar der Re­gie­rungs­über­nah­me.

Der­zeit hat die NPD nur auf kom­mu­na­ler Ebe­ne po­li­ti­sche Man­da­te. In Land­ta­gen ist sie seit der Wahl in Meck­len­burg-Vor­pom­mern nicht mehr ver­tre­ten.

FO­TO: DPA

Am 17. Ja­nu­ar ver­kün­den die Bun­des­ver­fas­sungs­rich­ter ihr Ur­teil im NPDVer­bots­ver­fah­ren.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.