„Manch­mal soll­te ein Wind­rad wie­der ab­ge­baut wer­den“

Lan­des­chef be­klagt Ge­fäl­lig­keits­gut­ach­ten bei der Ge­neh­mi­gung von Stand­or­ten und hält Kla­gen für an­ge­mes­sen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN -

STUTT­GART (lsw) - Ener­gie­wen­de klar, aber nicht zu­las­ten des Ar­ten­schut­zes dem neu­en Lan­des­vor­sit­zen­den des Na­tur­schutz­bun­des Na­bu, Jo­han­nes Ens­s­le, geht der Aus­bau der Wind­kraft man­cher­orts zu weit. Teils wür­den Ge­fäl­lig­keits­gut­ach­ten für Wind­rä­der ge­stellt, sagt er. Ge­gen An­la­gen im Land­kreis Schwä­bisch Hall lau­fen Kla­gen. Meh­re­re Greif­vo­gel­ar­ten sei­en in Ge­fahr. Im In­ter­view er­klärt Ens­s­le, war­um er die Kla­ge für not­wen­dig hält. Wer die Ener­gie­wen­de will, aber ge­gen Wind­rä­der klagt, der hat doch ein Pro­blem, oder? Man braucht nicht drum­her­um zu re­den: Je­des Wind­rad ist zu­nächst mal ein Ein­griff in die Na­tur und po­ten­zi­ell ge­fähr­lich für Fle­der­mäu­se und Greif­vö­gel. Den­noch bin ich ab­so­lut ein Ver­tre­ter der Ener­gie­wen­de. Wir brau­chen die Wind­kraft auch in Ba­den-Würt­tem­berg, nicht nur an der Küs­te. Aber wir ha­ben im­mer ge­sagt: Der Aus­bau muss na­tur­ver­träg­lich statt­fin­den. Von 60 Wind­kraft­an­la­gen, die et­wa im Ost­alb­kreis ge­plant Jo­han­nes Ens­s­le (Fo­to: dpa) ist Vor­sit­zen­der des Na­tur­schutz­bun­des Na­bu in Ba­den-Würt­tem­berg mit mehr als 85 000 Mit­glie­dern. Zu­vor war der 34-Jäh­ri­ge Re­fe­rent für Wald, Jagd und Na­tur­schutz beim Na­bu Ba­denWürt­tem­berg. Zu­vor hat­te er die­se Funk­ti­on beim Bun­des­ver­band in­ne. sind, se­hen un­se­re Leu­te vor Ort 15 kri­tisch. Es ist al­so nur ein Bruch­teil, wo un­se­re Mit­glie­der sa­gen: Da nicht. Frü­her hat sich der Na­bu über je­des Wind­rad ge­freut. Was hat sich ge­än­dert? Wir stel­len fest, dass bei kri­ti­schen Stand­or­ten, die vor­ge­schrie­be­nen Gut­ach­ten in ih­rer Qua­li­tät zu wün­schen üb­rig las­sen. Da gibt es Ge­fäl­lig­keits­gut­ach­ten, Hin­wei­se et­wa der Lan­des­an­stalt LUBW wer­den nicht aus­rei­chend be­rück­sich­tigt und manch­mal wer­den Na­tur­schutz­ver­bän­de gar nicht an­ge­hört. Was muss sich än­dern? Am bes­ten wä­re, wenn die­se Gut­ach­ten nur an Zer­ti­fi­zier­te ver­ge­ben wer­den, ähn­lich wie beim im Lärm­schutz. Das brau­chen wird drin­gend: Dass die Gut­ach­ter auf Herz und Nie­ren ge­prüft wer­den und man stan­dard­mä­ßig mit den Na­tur­schüt­zern spricht. Wo wird ge­klagt? In Brauns­bach ha­ben wir schon im April 2016 Wi­der­spruch ein­ge­legt und vom Re­gie­rungs­prä­si­di­um bis heu­te kei­ne Ant­wort be­kom­men. Ein Wind­rad ist in­zwi­schen ge­baut, ein zwei­tes fast fer­tig. Da sind wir gezwungen, ge­richt­lich ak­tiv zu wer­den. Wo­hin soll das im Ex­trem­fall füh­ren? Wenn ich ehr­lich bin, wün­sche ich mir, dass mal ein Wind­rad wie­der ab­ge­baut wer­den muss, da­mit die Be­trei­ber das als Prä­ze­denz­fall se­hen: Wenn wir so wei­ter­ma­chen, ist das ein enor­mes Ri­si­ko. Es geht uns nicht dar­um, die Ener­gie­wen­de zu sa­bo­tie­ren. Aber es muss klar sein: Wer uns nicht ernst nimmt, der be­kommt was zwi­schen die Hör­ner.

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