Die Lie­be zur Mu­sik liegt in der Fa­mi­lie

Ulrike Stoll lei­tet den Sig­ma­rin­ger Po­sau­nen­chor – Ihr Sohn di­ri­giert den Chor Meß­kirch-Os­trach-Pful­len­dorf

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - RUND UM SIGMARINGEN - Von Co­rin­na Wol­ber und Se­bas­ti­an Korinth

SIG­MA­RIN­GEN­DORF - Ein biss­chen be­sorgt war Se­bas­ti­an Stoll aus Sig­ma­rin­gen­dorf am An­fang dann doch. So ger­ne der 20-Jäh­ri­ge auch die Lei­tung des Po­sau­nen­chors Meß­kir­chOs­trach-Pful­len­dorf über­nom­men hat: Die Auf­ga­be, Mu­si­ker mit zum Teil jahr­zehn­te­lan­ger Er­fah­rung zu di­ri­gie­ren, war auch mit ei­ner Men­ge Re­spekt ver­bun­den. Doch von Stolls Sor­ge ist schon nach we­ni­gen Wo­chen nichts mehr üb­rig ge­blie­ben. Der jun­ge Mann ist längst mit Feu­erei­fer bei der Sa­che. „Und ich bin to­tal gut auf­ge­nom­men wor­den“, sagt er.

Die Mu­si­ka­li­tät wur­de dem 20Jäh­ri­gen be­reits in die Wie­ge ge­legt. Sei­ne Mut­ter Ulrike hat Horn stu­diert und gibt Flö­ten­un­ter­richt an der Mu­sik­schu­le. Den Sig­ma­rin­ger Po­sau­nen­chor lei­tet die 53-Jäh­ri­ge be­reits län­ger als ihr Sohn Se­bas­ti­an auf der Welt ist: seit gut 25 Jah­ren. Ulrike Stolls Va­ter führ­te be­reits das Blä­ser­en­sem­ble der evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­de in Ra­vens­burg. „Er hat­te Kon­takt zu Theo­dor Gru­ner, der da­mals den Sig­ma­rin­ger Po­sau­nen­chor ge­lei­tet hat“, sagt sie. Als Ulrike Stoll mit ih­rer Fa­mi­lie 1989 aus der Nä­he von Bie­tig­heim nach Sig­ma­rin­gen zog, war klar, dass sie dort mit­spie­len wür­de. Kur­ze Zeit spä­ter wur­de sie be­reits ge­fragt, ob sie sich die Lei­tung vor­stel­len kön­ne, und am 28. Fe­bru­ar 1991 über­nahm sie den Takt­stock.

In der Fa­mi­lie Stoll spielt je­der ein In­stru­ment – nicht nur die El­tern und Se­bas­ti­an Stoll, auch sei­ne bei­den Schwes­tern und sein äl­te­rer Bru­der. Durch die­sen sei er auch auf die Trom­pe­te auf­merk­sam ge­wor­den. „Mit acht Jah­ren ha­be ich dann auch an­ge­fan­gen, das In­stru­ment zu spie­len“, sagt Stoll. Auch Flö­ten- und Kla­vier­un­ter­richt hat er be­reits ge­nom­men, Gi­tar­ren­ak­kor­de brach­te er sich selbst bei. Und na­tür­lich spiel­te er auch schon im Al­ter von zwölf Jah­ren im Sig­ma­rin­ger Po­sau­nen­chor mit, in­zwi­schen vor al­lem Tu­ba. Als sein gro­ßer Bru­der vor ei­ni­gen Jah­ren hei­ra­te­te und die Mut­ter krank­heits­be­dingt aus­fiel, sprang Se­bas­ti­an Stoll kur­zer­hand so­gar als Lei­ter ein. Im Som­mer die­ses Jah­res rief der Meß­kir­cher Klaus-Die­ter Me­ni­us schließ­lich bei den Stolls zu Hau­se an – und er­kun­dig­te sich bei Se­bas­ti­an Stoll, ob die­ser sich vor­stel­len kön­ne, den Po­sau­nen­chor Meß­kir­chOs­trach-Pful­len­dorf zu über­neh­men. Konn­te er.

„Es wä­re schön, wenn der Po­sau­nen­chor wie­der ein we­nig grö­ßer und ein we­nig jün­ger wür­de“, sagt Se­bas­ti­an Stoll. Sein Wunsch ist au­ßer­dem, die Jung­blä­ser­aus­bil­dung wie­der auf­zu­neh­men. Da­bei be­kom­men Mäd­chen und Jun­gen ab acht Jah­ren eben­so wie Er­wach­se­ne die Mög­lich­keit, in der Grup­pe und im Ein­zel­un­ter­richt ein Blech­blas­in­stru­ment zu er­ler­nen.

Der Sig­ma­rin­ger Po­sau­nen­chor um­fasst der­zeit 32 Mu­si­ker, vier von ih­nen sind noch in der Aus­bil­dung. Wäh­rend ihr Sohn noch am An­fang sei­ner Lei­tungs­tä­tig­keit steht, kann Ulrike Stoll be­reits auf ein vier­tel Jahr­hun­dert zu­rück­bli­cken. Die Li­te­ra­tur ha­be sich seit­dem ver­än­dert, sagt sie. „Wir spie­len jetzt auch geist­li­che Pop­mu­sik, Mu­si­cal­me­lo­di­en und Film­mu­sik.“Au­ßer­dem sei das Schlag­zeug da­zu­ge­kom­men. Ge­ne­rell ge­he es dem Po­sau­nen­chor gut: „Wir sind im Lauf der Zeit ge­wach­sen. Und wir wa­ren schon im­mer ein jun­ger Chor.“Der Po­sau­nen­chor spielt min­des­tens ein­mal im Mo­nat im Got­tes­dienst. Wei­te­re fes­te Ter­mi­ne sind un­ter an­de­rem die Ma­ti­née im Ok­to­ber und das Kur­ren­de­bla­sen am ers­ten Ad­vent. „Das ist für mich der Hö­he­punkt des Jah­res“, sagt Ulrike Stoll. „Dann merkt man, wie viel man mit Mu­sik er­rei­chen und wie man an­de­re be­rüh­ren kann.“Ähn­li­ches gel­te für den öku­me­ni­schen Got­tes­dienst, der im­mer am Pfingst­mon­tag auf dem Sig­ma­rin­ger Rat­haus­platz statt­fin­det. Und „et­was Be­son­de­res ist auch im­mer der Lan­des­po­sau­nen­tag in Ulm“, sagt Ulrike Stoll. Er fin­det al­le zwei Jah­re statt, es neh­men im­mer rund 8000 Blä­ser dar­an teil. „Wenn die zum Schluss al­le zu­sam­men auf dem Müns­ter­platz spie­len, ist das schon et­was Tol­les.“

Ulrike Stoll möch­te den Sig­ma­rin­ger Po­sau­nen­chor noch ei­ne Wei­le lei­ten; der­zeit denkt sie nicht ans Auf­hö­ren, wie sie sagt. „Aber mit der gan­zen Or­ga­ni­sa­ti­on hängt auch viel dran.“

Se­bas­ti­an Stoll will sei­ne neue Auf­ga­be als Po­sau­nen­chor­lei­ter mög­lichst lang­fris­tig wahr­neh­men. Ob das klappt, dürf­te in ers­ter Li­nie von sei­ner be­ruf­li­chen Zu­kunft ab­hän­gen. Nach dem Re­al­schul­ab­schluss an der Lieb­frau­en­schu­le in Sig­ma­rin­gen ließ sich Se­bas­ti­an Stoll bei der Fir­ma He­ro in Lau­cher­thal zum Mecha­tro­ni­ker aus­bil­den. Im glei­chen Un­ter­neh­men hat er in­zwi­schen ei­ne fes­te Stel­le an­ge­tre­ten.

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Ulrike Stoll lei­tet den Sig­ma­rin­ger Po­sau­nen­chor seit mehr als 25 Jah­ren.

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Ulrike Stoll

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Se­bas­ti­an Stoll

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