„24 Wo­chen“: Ver­ein holt Re­gis­seu­rin nach Men­gen

Am 20. Ja­nu­ar wird der Film im Ki­no­cen­ter ge­zeigt, an­schlie­ßend fin­det ei­ne Dis­kus­si­ons­run­de statt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MENGEN - Von Jen­ni­fer Kuhl­mann

MEN­GEN - Aus ei­nem klei­nen Film­abend im Ver­ein ist ei­ne Ver­an­stal­tung ge­wor­den, an der auch die Re­gis­seu­rin An­ne Zoh­ra Ber­ra­ched teil­neh­men wird. Der Ver­ein Hil­fe für Be­hin­der­te zeigt am Frei­tag, 20. Ja­nu­ar, ge­mein­sam mit dem Ki­no­cen­ter Men­gen den Film „24 Wo­chen“. Im An­schluss wird es ei­ne Dis­kus­si­ons­run­de zum Film und über das The­ma „Prä­na­tal­dia­gnos­tik – und dann?“ge­ben.

Mit die­ser Ei­gen­dy­na­mik hat­te das Ver­eins­mit­glied Andreas Hen­nig nicht ge­rech­net, als er mit der Idee, den Fim „24 Wo­chen“ge­mein­sam an­zu­se­hen, an den Ver­eins­vor­stand her­an­trat. „In dem Film geht es dar­um, wie El­tern mit der In­for­ma­ti­on um­ge­hen, dass ihr un­ge­bo­re­nes Kind ei­ne Be­hin­de­rung hat“, sagt Hen­nig. In sol­chen Fäl­len kön­nen Ab­trei­bun­gen auch noch sehr spät vor­ge­nom­men wer­den. Im Film hat die Frau ihr Kind be­reits 24 Wo­chen in sich ge­tra­gen, als das Paar vom Down-Syn­drom er­fährt, mit dem das Kind zur Welt kom­men wür­de. „Der Film wur­de nur in we­ni­gen Kinos in un­se­rer Re­gi­on ge­zeigt. In un­se­rem Ver­ein gibt es aber vie­le Fa­mi­li­en mit Down­Syn­drom-Kin­dern, für die er sehr se­hens­wert ist“, so Hen­nig.

Auch er selbst und sei­ne Frau ge­hö­ren zu die­sen Fa­mi­li­en. „Wir stan­den vor ge­nau der­sel­ben Ent­schei­dung wie das Paar im Film“, sagt Hen­nig. „Bei un­se­rer Toch­ter wur­de ei­ne Tri­so­mie 21 dia­gnos­ti­ziert und au­ßer­dem ein schwe­rer Herz­feh­ler, der kur­ze Zeit nach der Ge­burt ope­riert wer­den muss­te.“Im Ge­gen­satz zum Film sei für ihn und sei­ne Frau die Ent­schei­dung ei­gent­lich gar kei­ne ge­we­sen. Jo­han­na hat die Ope­ra­ti­on gut über­stan­den und ist heu­te fast drei Jah­re alt. Wer nimmt Ein­fluss? Sta­tis­tisch ge­se­hen ent­schei­den sich aber nur et­wa zehn Pro­zent der El­tern mit ähn­li­cher Dia­gno­se wie die Hen­nigs oder an­de­re Fa­mi­li­en im Ver­ein für ein be­hin­der­tes Kind. „Ich fin­de span­nend zu se­hen, aus wel­chen Grün­den sich an­de­re El­tern an­ders ent­schei­den und wel­chen Ein­fluss das Um­feld und die Ärz­te auf die­se Ent­schei­dun­gen ha­ben“, sagt Andreas Hen­nig. So kön­ne sich et­wa al­lein durch die Ein­schät­zung des Arz­tes, ob ei­ne Ope­ra­ti­on er­folg­reich ver­lau­fen wer­de, viel ver­än­dern.

„Das The­ma Spät­ab­trei­bung ist aber nicht nur für un­se­re Ver­eins­mit­glie­der ein The­ma, son­dern ei­gent­lich für al­le El­tern oder die­je­ni­gen, die es ein­mal wer­den wol­len“, fin­det Hen­nig. Des­halb hat der Ver­ein Kon­takt zum Men­ge­ner Ki­no­be­trei­ber auf­ge­nom­men und ei­nen Saal an­ge­mie­tet. Weil er aber auch ge­dacht ha­be, dass man den Film nicht ein­fach nur zei­gen kön­ne, son­dern auch mit den An­we­sen­den dar­über re­den soll­te, hat Andreas Hen­nig die Agen­tur der Film­re­gis­seu­rin kon­tak­tiert. „Ich ha­be mal ganz na­iv an­ge­fragt, ob sich An­ne Zoh­ra Ber­ra­ched nicht vor­stel­len könn­te, zu un­se­rer Film­vor­stel­lung zu kom­men und im An­schluss ein paar Fra­gen zu be­ant­wor­ten“, sagt er. Mit ei­ner Zu­sa­ge ha­be er ei­gent­lich nicht ge­rech­net. „Als die dann kam, ha­ben wir uns na­tür­lich sehr ge­freut. Das The­ma liegt ihr wohl selbst sehr am Her­zen, so­dass sie sol­che Ver­an­stal­tun­gen gern wahr­nimmt.“ Span­nen­de Dis­kus­si­on er­war­tet Der Ver­ein wird für die Rei­se­kos­ten und die Un­ter­brin­gung der Re­gis­seu­rin auf­kom­men. Ein di­ckes Ho­no­rar hät­te sie nicht ver­langt, le­dig­lich ei­ne Auf­wands­ent­schä­di­gung, so Hen­nig. Er ist vor al­lem auf die Dis­kus­si­ons­run­de ge­spannt. „Das The­ma po­la­ri­siert ja sehr, aber ich hof­fe, dass al­le im Pu­bli­kum mu­tig ih­re Mei­nung sa­gen.“Ihn selbst in­ter­es­siert auch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Films. „Die Re­gis­seu­rin hat sich zur Vor­be­rei­tung mit be­trof­fe­nen Fa­mi­li­en ge­trof­fen und im Film selbst kom­men ja auch rich­ti­ge Ärz­te zu Wort“, sagt er.

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Astrid (Ju­lia Jentsch) muss ent­schei­den, ob ihr zwei­tes Kind mit dem Down-Syn­drom und ei­nem Herz­feh­ler auf die Welt kom­men soll.

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Re­gis­seu­rin An­ne Zoh­ra Ber­ra­ched kommt nach Men­gen.

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