Po­li­zei gibt sich selbst schlech­te No­ten

Prä­si­di­um Kon­stanz hat of­fen­bar ei­ne Men­ge Pro­ble­me – In­ter­ne Um­fra­ge lie­fert De­tails

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von Ha­gen Schön­herr

SIG­MA­RIN­GEN - In ei­ner Be­fra­gung zur lan­des­wei­ten Po­li­zei­re­form ha­ben Po­li­zis­ten ins­be­son­de­re dem Prä­si­di­um Kon­stanz – ver­ant­wort­lich für den Bo­den­see­kreis, die Krei­se Kon­stanz und Ra­vens­burg so­wie Sig­ma­rin­gen – schlech­te No­ten ge­ge­ben. Vor al­lem feh­len­de Bür­ger­nä­he, ver­lo­re­nes Ex­per­ten­wis­sen und ein schlech­ter Zu­schnitt des Zu­stän­dig­keits­be­reichs sto­ßen auf Kri­tik.

Schon zu­vor wa­ren Tei­le der Be­fra­gung an die Presse durch­ge­si­ckert und wur­den auch von In­nen­mi­nis­ter Rein­hold Gall (SPD) kom­men­tiert. Doch ein ge­nau­er Blick in die ei­gent­lich in­ter­ne Be­fra­gung, die der Schwä­bi­schen Zei­tung vor­liegt, of­fen­bart das gan­ze Aus­maß der Kri­se der hie­si­gen Po­li­zei. Ins­ge­samt 13 The­men­be­rei­che muss­ten rund 11 300 Be­am­te in Ba­den-Würt­tem­berg be­wer­ten. In vier da­von lan­det Kon­stanz auf dem letz­ten Platz, in wei­te­ren vier auf dem zweit­letz­ten Platz von 17 Prä­si­di­en und wei­te­ren zen­tra­len Po­li­zei­ein­rich­tun­gen.

Ins­be­son­de­re den Zu­schnitt des Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Prä­si­di­ums Kon­stanz – es reicht von dort über den See zum Bo­den­see­kreis, nach Sig­ma­rin­gen und Ra­vens­burg bis nach Is­ny im All­gäu – hal­ten die Be­am­ten of­fen­bar für miss­ra­ten. Sie be­wer­te­ten die­sen Punkt mit der No­te 3,92 auf der von eins bis fünf rei­chen­den No­ten­ska­la. Das ist kein Wun­der: Schon im Vor­feld wur­de die Ent­schei­dung, das Prä­si­di­um im Zu­ge der Po­li­zei­re­form 2014 nach Kon­stanz – an den Rand des Zu­stän­dig­keits­be­reichs und mit dem Bo­den­see als Bar­rie­re zum Kern­ge­biet – zu le­gen hef­tig kri­ti­siert.

Doch auch bei an­de­ren Punk­ten se­hen die Po­li­zis­ten in der Re­gi­on of­fen­bar we­nig Licht. So kri­ti­sie­ren sie ei­nen Ver­lust an Ex­per­ten­wis­sen durch die Re­form, ver­ge­ben hier die No­te 3,66. Für das Ziel ei­ner „Bür­ger­na­hen Po­li­zei­ar­beit“, al­so ei­nes gu­ten Kon­takts zwi­schen Po­li­zei und Bür­gern vor Ort, ver­ga­ben die Po­li­zis­ten die No­te 3,92. Und dass durch die Re­form mehr Po­li­zis­ten für den Strei­fen­dienst vor Ort zur Ver­fü­gung ste­hen als bis­her, sieht of­fen­bar kaum ein Po­li­zist als kor­rekt an. Hier be­kommt Kon­stanz die No­te 4,57.

Uwe Stür­mer, stell­ver­tre­ten­der Chef des Po­li­zei­prä­si­di­ums Kon­stanz, Lei­ter der Kri­po Fried­richs­ha­fen so­wie Lei­ter der Pro­jekt­grup­pe, die die Po­li­zei­re­form im Land be­wer­ten soll, nimmt die Be­fra­gung im SZGe­spräch ernst: „Es be­steht tat­säch­lich in der Po­li­zei ei­ne Un­zu­frie­den­heit mit der Po­li­zei­struk­tur­re­form“, sag­te er am Frei­tag. Ins­be­son­de­re stel­le der Zu­schnitt des Prä­si­di­ums Kon­stanz die Po­li­zei „an­ge­sichts der Ver­kehrs­si­tua­ti­on und der tren­nen­den Wir­kung des Bo­den­sees vor be­son­de­re Her­aus­for­de­run­gen“.

Kein Wun­der: Wenn et­wa der Po­li­zei­chef von Is­ny zur ei­ner Be­spre­chung nach Kon­stanz und zu­rück fah­ren muss, muss er der­zeit rund 220 Ki­lo­me­ter fah­ren. Auch die An­fahrts­we­ge für die zen­tral an­ge­sie­del­te Kri­po sind lang. Un­längst wur­de kri­ti­siert, dass Spe­zia­lis­ten der Po­li­zei zur Un­fall­auf­nah­me bis­wei­len St­un­den brau­chen, bis sie am Ein­satz­ort im Kreis ein­tref­fen – lan­ge Staus und ewig ge­sperr­te Stra­ßen wa­ren be­reits die Fol­ge.

Die Po­li­zei scheint sich der schwie­ri­gen La­ge al­ler­dings be­wusst zu sein. Die ak­tu­el­le Be­fra­gung der Po­li­zis­ten ist laut Stür­mer nur ein Teil ei­ner um­fas­sen­den Ana­ly­se, die Er­fol­ge und Pro­ble­me der Po­li­zei­re­form of­fen­le­gen soll. Im März 2017 sol­len die Er­geb­nis­se des Werks dann auch tat­säch­lich der Öf­fent­lich­keit vor­ge­stellt wer­den. Auch wenn es laut Stür­mer nicht mög­lich sei, „die Re­form rück­ab­zu­wi­ckeln“, sieht er letzt­lich ei­ne Chan­ce nach­zu­bes­sern. Das Ziel sei noch im­mer ei­ne schlag­kräf­ti­ge Po­li­zei in der Re­gi­on, mit kur­zen We­gen, die ef­fek­tiv ar­bei­ten kön­ne.

FO­TO: FRANK STRUCKAT

Schö­nes Haus, schlech­te No­ten: das Po­li­zei­prä­si­di­um in Kon­stanz.

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