Ein Jahr zum Ver­ges­sen

Ver­let­zung und Krank­heit präg­ten die Sai­son des Hoch­sprin­gers Da­vid Nop­per

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - REGIONALSPORT - Von Oli­ver Koth­mann

MESSKIRCH - Der 21-jäh­ri­ge Meß­kir­cher Da­vid Nop­per gilt als ei­ne der ganz gro­ßen Hoff­nun­gen des deut­schen Hoch­sprungs. 2015 wur­de er in Nürn­berg mit ei­ner über­sprun­ge­nen Hö­he von 2,25 Me­ter, die auch sei­ne neue per­sön­li­che Best­leis­tung dar­stell­te, Deut­scher Meis­ter. 2016 woll­te Nop­per, der für das LAZ Lud­wigs­burg star­tet, dann zu noch grö­ße­ren Hö­hen­flü­gen an­set­zen: Die Teil­nah­me an den Olym­pi­schen Spie­len von Rio de Janei­ro wa­ren für den frü­he­ren Ath­le­ten der LG Sig­ma­rin­gen in Reich­wei­te, die vom Deut­schen Leicht­ath­le­tik­ver­band (DLV) ge­for­der­te Norm­hö­he von 2,30 Me­ter im Be­reich des Mach­ba­ren. Doch es kam an­ders. Nop­per muss­te sei­ne Olym­pia­t­räu­me letzt­lich auf die nächs­ten Olym­pi­schen Spie­le 2020 in To­kio rich­ten, denn 2016 war­fen ihn Krank­heit und Ver­let­zun­gen aus der Bahn - 2016 wur­de für den baum­lan­gen Meß­kir­cher ein Jahr zum Ver­ges­sen. Doch Nop­per hät­te es nicht so weit ge­bracht, wenn er kein Kämp­fer wä­re: „Die Teil­nah­me an Olym­pi­schen Spie­len bleibt mein Ziel. Ich bin jetzt 21 und da­mit noch im Ju­nio­ren­be­reich. 2020 bin ich dann 25 und im­mer noch in ei­nem sehr gu­ten Al­ter für Hoch­sprin­ger“, sagt der Alth­let.

Da­bei hat­te im Ja­nu­ar 2016 al­les viel­ver­spre­chend be­gon­nen: Bei den Ba­den-Würt­tem­ber­gi­schen Hal­len­meis­ter­schaf­ten hol­te er mit 2,22 qua­si im Vor­bei­ge­hen den Ti­tel. Dann be­gan­nen aber die Pro­ble­me. Bei den Süd­deut­schen Hal­len­meis­ter­schaf­ten im Fe­bru­ar zeig­te die Leis­tungs­kur­ve mit 2,12 Me­ter schon ganz deut­lich nach un­ten. Und dann ging plötz­lich gar nichts mehr. Nop­per er­in­nert sich: „Ich fühl­te mich im All­tag ei­gent­lich ganz nor­mal, aber bei Trai­nings­be­las­tung er­mü­de­te ich un­heim­lich schnell. Beim Ge­wicht­he­ben fiel mir schon beim Auf­wär­men schier die Han­tel aus der Hand. Ich ha­be ge­merkt, dass ir­gend­was nicht stimmt mit mir.“ Un­ge­wiss­heit nach Dia­gno­se Nop­per, der drei­mal die Wo­che in Stutt­gart-Bad Cann­statt und Karls­ru­he mit Bun­des­trai­ner Steffen Her­tel hoch­sprung­spe­zi­fisch trai­niert (da­zu kom­men drei Aus­dau­er- und Kraft­trai­nings­ein­hei­ten in Ei­gen­re­gie) ließ sich un­ter­su­chen. Die Ärz­te stell­ten ei­ne Vi­rus­er­kran­kung fest. Nop­per: „Da­nach herrsch­te to­ta­le Un­ge­wiss­heit. Die Ärz­te sag­ten: Das kann mor­gen vor­bei sein, kann aber auch zwei Mon­te oder noch län­ger an­dau­ern bis es aus­ge­heilt ist.“

En­de März fühl­te Nop­per, wie die Kraft in sei­nen Kör­per zu­rück­kehr­te und er mach­te sich dar­an, den Trai­nings­rück­stand auf­zu­ho­len. Die Zeit bis Rio wur­de im­mer knap­per. Au­ßer­dem stell­ten sich plötz­lich schmer­zen im lin­ken Sprung­bein ein. Bei ei­nem zehn­tä­gi­gen Trai­nings­la­ger in Be­lek/Tür­kei im Ju­ni ver­brach­te Nop­per ge­nau­so viel Zeit bei den mit­ge­reis­ten Ärz­ten des DLV wie mit sei­nem Trai­ner auf der Hoch­sprung­an­la­ge. Ei­ne Com­pu­ter­to­mo­gra­phie in Stutt­gart un­mit­tel­bar nach der Heim­kehr brach­te dann die Dia­gno­se: Ent­zün­dung des Wa­den­beins. Nop­per: „Die Ent­zün­dung war so weit fort­ge­schrit­ten, dass ich kurz vor ei­nem Er­mü­dungs­bruch stand.“Sechs Wo­chen Zwangs­pau­se be­kam der Hoch­sprin­ger ver­ord­net. „Das war das En­de mei­ner Rio-Träu­me“, so Nop­per rück­bli­ckend.

Wäh­rend Olym­pia über die Welt­büh­ne ging, ab­sol­vier­te Nop­per in der Hei­mat Lauf- und Kraft­trai­nings­ein­hei­ten und ließ die Sai­son im Herbst bei di­ver­sen Hoch­sprung­mee­tings aus­klin­gen. Beim Klas­si­ker in Eber­stadt konn­te er mit 2,18 Me­ter so­gar noch­mal den Sieg in der Ju­nio­ren­klas­se, in der er auch nächs­ten Jahr noch­mal star­ten darf, fei­ern. „Das war aber nur ein klei­nes Trost­pflas­ter“, schmun­zelt Nop­per, der die Ta­ge zwi­schen Neu­jahr und Weih­nach­ten bei der Fa­mi­lie in Meß­kirch ver­bringt.

Ei­ne wei­te­re Com­pu­ter­to­mo­gra­phie er­brach­te, dass das Wa­den­bein voll­kom­men aus­ge­heilt ist.

„Die Teil­nah­me an Olym­pi­schen Spie­len bleibt mein Ziel.“Da­vid Nop­per

„Ich ha­be ge­merkt, dass ir­gend­was nicht stimmt mit mir.“Da­vid Nop­per

Aus­bil­dung bein der Po­li­zei Nun rich­tet er den Blick nach vor­ne. Die Hal­len­sai­son lässt er aus be­ruf­li­chen Grün­den aus­fal­len. Grund: Nop­per hat am 1. Sep­tem­ber ei­ne Aus­bil­dung bei der Po­li­zei be­gon­nen. Dort pro­fi­tiert er von der Mög­lich­keit der Spit­zen­sport­ler­för­de­rung und will jetzt zu­nächst mal bei sei­nem Ar­beit­ge­ber Prä­senz zei­gen, ehe er in der Som­mer­sai­son dann die Mög­lich­keit der Frei­stel­lung zu Trai­nings­und Wett­kampf­zwe­cken ver­mehrt in An­spruch neh­men wird.

2017 ist Nop­pers Haupt­ziel die U23-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft in Po­len (13. bis 16. Ju­li), die Welt­meis­ter­schaft der Ak­ti­ven in Lon­don (5. bis 13. Au­gust) kein kon­kre­tes Ziel, je­doch ei­ne Op­ti­on. Für den Fall, dass 2017 al­les so gut läuft, wie es 2016 schon hät­te lau­fen kön­nen.

Da war die Welt noch in Ord­nung: Da­vid Nop­per bei sei­nem Sieg bei den Ba­den-Würt­tem­ber­gi­sche Leicht­ath­le­tik-Meis­ter­schaf­ten in Karls­ru­he im Ja­nu­ar. Mo­na­te vol­ler ge­sund­heit­li­cher Pro­ble­me soll­ten fol­gen und ver­dar­ben dem 21-jäh­ri­gen Meß­kir­cher Hoch­sprung­ta­lent die Sai­son 2016.

AR­CHIV­FO­TOS: RALF GÖR­LITZ (2)

Nicht auf den Mund ge­fal­len ist Da­vid Nop­per. Der Hoch­sprin­ger gibt auch vor dem Mi­kro­fon ei­ne gu­te Fi­gur ab.

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