Glaub­wür­dig­keit ist be­schä­digt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von To­bi­as Schmidt

Wenn die Ne­ben­ein­künf­te hö­her aus­fal­len als die Ab­ge­ord­ne­ten­diä­ten, droht das Bun­des­tags­man­dat zum Ne­ben­job zu wer­den. Schlim­mer noch: Durch bes­tens do­tier­te Sit­ze in Kon­zern­gre­mi­en oder durch hoch­be­zahl­te Ho­no­ra­re von un­ge­nann­ten Man­da­ten er­we­cken die Volks­ver­tre­ter den An­schein, sie han­del­ten nicht im Auf­trag der Wäh­ler, son­dern im Auf­trag de­rer, die sie fürst­lich be­zah­len. Der Ver­dacht, Un­ter­neh­men er­kau­fen sich durch Pos­ten­ver­ga­be ei­nen Zu­gang zur Po­li­tik, ist schwer zu ent­kräf­ten. Dar­an ist auch die noch im­mer man­geln­de Trans­pa­renz schuld. Auch nach der letz­ten Re­form muss nie­mand wirk­lich an­ge­ben, was er ober­halb von 250 000 Eu­ro hin­zu­ver­dient. Al­les, was ober­halb liegt, bleibt im Dun­keln. Und auch Aus­künf­te über ih­re Kun­den, Ver­trags­part­ner oder Man­dan­ten müs­sen die Ab­ge­ord­ne­ten in vie­len Fäl­len nicht ge­ben, 6,6 Mil­lio­nen Eu­ro er­hiel­ten sie in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode aus un­be­kann­ten Qu­el­len. Hart­nä­ckig ha­ben die Best­ver­die­ner bis­lang ech­te Trans­pa­renz ver­hin­dert. Ihr Er­folg be­schä­digt die Glaub­wür­dig­keit des ge­sam­ten Par­la­men­tes. po­li­tik@schwa­ebi­sche.de

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