Al­le Jah­re wie­der zeigt sich Pu­tin oben oh­ne

Wenn der rus­si­sche Prä­si­dent Ur­laub macht, setzt ihn der Kreml wie ei­nen Rock­star in Sze­ne

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Tho­mas Kör­bel

MOS­KAU (dpa) - Da ist er wie­der, der nack­te Ober­kör­per des rus­si­schen Prä­si­den­ten. Mit aus­ge­brei­te­ten Ar­men steht Wla­di­mir Pu­tin auf ei­nem Floß in der Son­ne im tiefs­ten Si­bi­ri­en und hält ei­nen Fisch in der Hand. „Seht her, was für ein tol­ler Hecht!“, scheint die Po­se beim An­geln in der Re­pu­blik Tu­wa zu sa­gen.

Wie kaum ein an­de­res Staats­ober­haupt liebt der 64-jäh­ri­ge Pu­tin die me­di­en­wirk­sa­me Ins­ze­nie­rung sei­nes Kör­pers und sei­ner Männ­lich­keit. Un­ver­ges­sen sind sei­ne Fo­tos als Rei­ter mit frei­em Ober­kör­per, sein Auf­tritt als Bi­ker in Le­der­kluft oder als Tau­cher, der an­ti­ke Ton­ge­fä­ße aus den Tie­fen des Ge­wäs­sers fischt. Auch als knall­har­ter Eis­ho­ckey-Spie­ler und als Ju­do­ka setzt sich der et­wa 1,72 Me­ter gro­ße Kreml­chef und Trä­ger ei­nes Schwar­zen Ju­do-Gür­tels gern in Sze­ne.

Die­ses Jahr al­so zwei Ta­ge Kurz­ur­laub im Sü­den Si­bi­ri­ens. In ver­gnüg­li­cher Run­de mit Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ser­gej Schoi­gu und zwei Gou­ver­neu­ren lässt sich Pu­tin die Son­ne auf den Pelz schei­nen. Ein we­nig schüch­tern sitzt der eben­falls oben­rum ent­blöß­te Mi­nis­ter ne­ben ihm, wäh­rend Pu­tin sei­nen mus­ku­lö­sen Tor­so bräunt und mit aus­ge­streck­ten Ar­men die Son­ne grüßt.

„Das war ein sehr kur­zer aber reich­hal­ti­ger Ur­laub“, er­zählt Kreml­spre­cher Dmi­tri Pes­kow Agen­tu­ren über den Aus­flug. Pu­tin sei un­ter an­de­rem im See ge­schwom­men, Mo­tor­boot und Quad ge­fah­ren. Zwei St­un­den ha­be Pu­tin im Tau­cher­an­zug mit ei­ner Har­pu­ne ei­nen Hecht ge­jagt. „Zwei Mal ha­be ich auf ihn ge­schos­sen, beim ers­ten Mal hat es nicht ge­reicht“, sagt Pu­tin der „Kom­so­mols­ka­ja Praw­da“zu­fol­ge.

Pu­tin, der im Ok­to­ber 65 wird, in­sze­niert sich im­mer wie­der als Na­tur­freund und zeigt sich zur Er­ho­lung beim An­geln, gern auch mit pro­mi­nen­ten Gäs­ten. 2007 fisch­te er in Tu­wa zu­sam­men mit Fürst Al­bert II. von Mo­na­co, 2001 ver­trieb er sich mit dem da­ma­li­gen fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Jac­ques Chi­rac in St. Pe­ters­burg die Zeit. Selbst mit den frü­he­ren US-Prä­si­den­ten Ge­or­ge W. Bush und des­sen Va­ter schwang er 2007 bei ei­nem USA-Be­such die An­gel­rou­te – zu ei­ner Zeit, als das Ver­hält­nis zu Wa­shing­ton noch deut­lich bes­ser war als heu­te.

Wäh­rend sich US-Prä­si­dent Do­nald Trump im Ur­laub beim Gol­fen ab­lich­ten lässt und es von An­ge­la Mer­kel bra­ve Bil­der beim Wan­dern gibt, ge­riert sich Pu­tin mit Oben-oh­ne-Auf­trit­ten wie ein Rock­star un­ter den Staats­män­nern. Ge­ra­de vor der na­hen­den Prä­si­den­ten­wahl dürf­ten sol­che Bil­der vor al­lem der Ima­gePfle­ge die­nen. Wei­te­re Bil­der von Pu­tins An­ge­l­aus­flug gibt es in ei­ner Bil­der­ga­le­rie un­ter www.schwa­ebi­sche.de/pu­tin

FO­TO: AFP

Wla­di­mir Pu­tin (li.) und Mi­nis­ter Ser­gej Schoi­gu in Si­bi­ri­en.

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