Deut­sches Ki­no steht zur Halb­zeit gut da

Tol­le Fil­me und zahl­rei­che Stars sor­gen beim Film­fes­ti­val in Locarno für Glanz

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KULTUR - Von Pe­ter Claus, dpa

LOCARNO (dpa) - Freu­de für das deut­sche Ki­no am La­go Mag­gio­re: die Spiel­fil­me „Frei­heit“und „Drei Zin­nen“ha­ben in der ers­ten Halb­zeit der 70. Ausgabe des Film­fes­ti­vals Locarno star­ke Ak­zen­te ge­setzt. Auch sonst fällt die Bi­lanz bis­her po­si­tiv aus; gu­te Fil­me und Star­power be­geis­tern das Pu­bli­kum.

Der deut­sche Wett­be­werbs­bei­trag „Frei­heit“von Re­gis­seur Jan Spe­cken­bach mit Jo­han­na Wo­ka­lek in der Haupt­rol­le zählt be­reits jetzt zu den Fa­vo­ri­ten für den Haupt­preis, den Gol­de­nen Leo­pard. In dem Fa­mi­li­en­dra­ma um ei­ne Frau, die über­ra­schend ih­ren Mann und ih­re zwei Kin­der ver­lässt, be­ein­druckt vor al­lem das Spiel von Haupt­dar­stel­le­rin Wo­ka­lek.

Alex­an­der Fehling („Im La­by­rinth des Schwei­gens“) und Re­gis­seur Jan Za­beil er­ziel­ten eben­falls ei­nen Er­folg mit „Drei Zin­nen“. Ihr Werk lief im Piaz­za-Pro­gramm und hat da­mit Chan­cen auf den Pu­bli­kums­preis. Er­zählt wird die pa­cken­de Ge­schich­te um ei­nen Mann, der ver­zwei­felt um die Zu­nei­gung des Soh­nes sei­ner Freun­din kämpft.

Über­haupt be­schäf­ti­gen sich vie­le Bei­trä­ge des Fes­ti­vals mit dem The­ma Fa­mi­lie. Im Wett­be­werb ge­fiel da­zu auch „Win­ter­brü­der“vom is­län­di­schen Re­gis­seur Hlynur Pál­ma­son, der ei­ne von Ge­walt ge­präg­te Ge­schich­te um ein Bru­der­paar in den Mit­tel­punkt stellt. Der Film ent­wirft das Bild ei­ner Ge­sell­schaft, in der die mensch­li­che Ar­beits­kraft im­mer we­ni­ger wert ist.

Der bis­her am hef­tigs­ten be­ju­bel­te Wett­be­werbs­bei­trag ist al­ler­dings „Lu­cky“, das Re­gie­de­büt des USSchau­spie­lers John Car­roll Lynch. Der Film por­trä­tiert mit Hu­mor ei­nen 90-Jäh­ri­gen in ei­nem tris­ten Pro­vinz­nest. Die­sen Mann, Lu­cky ge­nannt, spielt der 91-jäh­ri­ge Har­ry De­an Stan­ton. Sein kau­zi­ger Phi­lo­soph ver­leiht der me­lan­cho­li­schen Ko­mö­die „Lu­cky“ei­ne ganz ei­ge­ne Ma­gie.

Wo­ka­lek, Fehling und Stan­ton sind bis­her die her­aus­ra­gen­den Ak­teu­re des Fes­ti­vals. Sie be­wei­sen, dass die Aus­strah­lung ex­zel­len­ter Schau­spie­ler zu den ent­schei­den­den Fak­to­ren ei­nes pu­bli­kums­wirk­sa­men Ki­nos ge­hört. Das be­stä­tig­ten auch die Blitz­licht­ge­wit­ter am ro­ten Tep­pich, wo Stars wie Na­stass­ja Kin­ski, Adri­en Bro­dy und Ma­thieu Kas­so­vitz eben­falls für Ju­bel sorg­ten.

FO­TO: DPA

Das Film­fes­ti­val in Locarno dau­ert noch bis Sams­tag.

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