Den Fe­ri­en­job macht jetzt ei­ne Ma­schi­ne

SZ-Le­ser er­le­ben bei Nu­del Buck in En­netach, wie Nu­deln her­ge­stellt wer­den

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MENGEN/GÖGE/SCHEER - Von Jen­ni­fer Kuhl­mann

EN­NETACH - Die wich­tigs­te Fra­ge be­ant­wor­tet Claudia En­gels, Mit­ar­bei­te­rin im Gag­g­li Nu­del­haus in En­netach, den SZ-Le­sern gleich zu Be­ginn der Ver­an­stal­tung: „Nu­del Buck ver­wen­det bei der Her­stel­lung al­ler Nu­deln nur Eier von Hüh­n­er­hö­fen aus Deutsch­land“, sagt sie. „Die Her­kunft ei­nes je­den Eis lässt sich pro­blem­los zu­rück­ver­fol­gen.“Des­halb be­ste­he kei­ne Ge­fahr, dass mit dem In­sek­ti­zid Fi­pro­nil ver­seuch­te Eier im Nu­del­teig lan­den. „Aus den Nie­der­lan­den kom­men kei­ne Eier zu uns“, be­tont sie. „Sie kön­nen al­so be­ru­higt wei­ter un­se­re Nu­deln es­sen.“Bei der Ak­ti­on „SZ öff­net Tü­ren“, hat­ten am Mitt­woch 20 Le­ser die Chan­ce, ei­nen Blick in die Pro­duk­ti­ons­hal­le des Nu­del­her­stel­lers in En­netach zu wer­fen.

Doch be­vor die Grup­pe sich dort­hin be­ge­ben darf, wo täg­lich zwi­schen 200 000 und 400 000 Eier zu Nu­del­pro­duk­ten ver­ar­bei­tet wer­den, müs­sen sich die Teil­neh­mer zu­nächst über die Hy­gie­ne­vor­schrif­ten auf­klä­ren las­sen. Die ste­hen bei Be­su­chen in Be­trie­ben, in de­nen Le­bens­mit­tel her­ge­stellt wer­den, schließ­lich an ers­ter Stel­le. Erst ein­mal müs­sen al­le jeg­li­chen Schmuck (nur der Ehe­ring ist er­laubt) ab­le­gen und – wenn denn vor­han­den – auch die ei­ne oder an­de­re Ei­tel­keit. Denn nun gilt es nicht nur, sich Plas­tik­über­zie­her über die Schu­he zu stül­pen und ei­nen Schutz­kit­tel an­zu­zie­hen, son­dern auch ein at­trak­ti­ves Plas­tik­häub­chen über die Haa­re zu zie­hen. Dann noch Hand­schu­he an­zie­hen und ei­nen Knopf

ins Ohr und dann kann es los­ge­hen. Die vie­len Eier wer­den ma­schi­nell auf­ge­schla­gen und mit Hart­wei­zen­grieß und Was­ser aus dem un­ter­neh­mens­ei­ge­nen Brun­nen zu Nu­del­teig ver­ar­bei­tet. „Die Scha­len lan­den in Bio­gas­an­la­gen der Re­gi­on“, sagt Claudia En­gels. Die gold­gel­be Far­be der Nu­deln ha­ben sie nicht nur den Ei­ern, son­dern auch dem Hart­wei­zen­grieß zu ver­dan­ken. Ein­mal in der Wo­che kon­trol­liert das Was­ser­wirt­schafts­amt die Was­ser­qua­li­tät, au­ßer­dem gibt es ein be­triebs­ei­ge­nes Kon­troll­la­bor.

Bis zu acht St­un­den trock­nen

In­ter­es­siert be­ob­ach­ten die SZ-Le­ser wie ein brei­tes Teig­band in der Ma­schi­ne ver­schwin­det, in der der Teig durch For­men ge­presst wird. Un­ten kom­men wahl­wei­se Band­nu­deln oder Spa­ghet­ti her­aus. Zwi­schen vier und acht St­un­den müs­sen die Nu­deln trock­nen, be­vor sie ver­packt wer­den kön­nen.

Das ist der Ver­ar­bei­tungs­schritt, der Heidrun Fürst am meis­ten in­ter­es­siert. „Als Ju­gend­li­che ha­be ich in den Som­mer­fe­ri­en als Fe­ri­en­job­ber hier ge­ar­bei­tet“, er­zählt sie. Ih­re Auf­ga­be sei ge­we­sen, im­mer vier Spa­ghet­ti-Pa­ke­te auf ein­mal vom Band zu strei­fen und in ei­nen Kar­ton zu schie­ben. War der Kar­ton voll, über­nahm ihn ei­ne Kol­le­gin. „Die­sen Hand­griff könn­te ich jetzt wohl noch im Schlaf“, sagt Fürst. „Sie­ben St­un­den im­mer das­sel­be, das war schon recht stu­pi­de. Und Früh- und Spät­schicht zu er­le­ben, sehr lehr­reich für mich.“An den ge­nau­en St­un­den­lohn kann sie sich nicht mehr er­in­nern. „Aber für mich als Schü­le­rin war das viel Geld.“

Den Job, den Heidrun Fürst vor vie­len Jah­ren ge­macht hat, gibt es heu­te nicht mehr. Die Ver­pa­ckung der Nu­deln ist mitt­ler­wei­le voll au­to­ma­ti­siert. „Ich wuss­te, dass sich in der Zwi­schen­zeit ei­ni­ges ver­än­dert hat, des­halb war ich sehr neu­gie­rig, noch ein­mal zu se­hen, wie es drin­nen in der Pro­duk­ti­on aus­sieht“, sagt sie. „Da ist es na­tür­lich su­per, wenn die Zei­tung so ei­ne Be­sich­ti­gung an­bie­tet und ich da­bei sein kann.“

Et­wa 100 Ton­nen Nu­deln wer­den am Tag pro­du­ziert und deutsch­land­weit so­wie in das eu­ro­päi­sche Aus­land ver­schickt. Da­zu gibt es ein aus­ge­klü­gel­tes La­ger­sys­tem, das da­für sorgt, dass die Nu­deln ent­spre­chend ih­res Halt­bar­keits­da­tums aus­ge­lie­fert wer­den. Ne­ben den be­kann­tes­ten Nu­deln, de­nen der Mar­ke Gag­g­li, wer­den in En­netach auch Bucki-Nu­deln, Dorf­müh­le-Nu­deln und Tul­pen-Nu­deln her­ge­stellt. Kom­plett glu­ten­frei sind Nu­deln aus ro­ten Lin­sen.

Die SZ-Le­ser freu­en sich, ein­mal so nah an der Nu­del­pro­duk­ti­on zu sein wie es sonst nur die Fil­me der „Sen­dung mit der Maus“sind. Und am En­de kann na­tür­lich je­der sein ei­ge­nes Päck­chen Nu­deln mit nach Hau­se neh­men.

FO­TOS: JEN­NI­FER KUHL­MANN

Die Be­su­cher­grup­pe der „Schwä­bi­schen Zei­tung“staunt nicht schlecht: So groß ist der Ver­pa­ckungs- und La­ger­be­reich bei Nu­del Buck in En­netach. Claudia En­gels, Mit­ar­bei­te­rin im Gag­g­li-Nu­del­haus, führt die Grup­pe durch die Pro­duk­ti­on.

Oben geht das brei­te Nu­del­teig­band in die Ma­schi­ne hin­ein, un­ten kom­men Band­nu­deln her­aus.

Heidrun Fürst (2.v.l.) hat als Fe­ri­en­job­be­rin bei Nu­del Buck ge­ar­bei­tet.

Vor der Be­sich­ti­gung muss Schutz­klei­dung an­ge­legt wer­den.

Frisch ver­pack­te Dorf­müh­le-Nu­deln am lau­fen­den Band.

Die Hy­gie­ne­vor­schrif­ten ver­lan­gen die Tü­ten-Schu­he.

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