Ve­rin­gen­stadt fin­det Leh­re­rin

Per­so­nal­man­gel an der Ve­rin­ger Schu­le kann be­ho­ben wer­den – Gym­na­si­al­leh­re­rin schult um

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Ju­dith Gaug­gel

Auf die Anzeige mel­den sich drei Be­wer­ber. Stel­le ist jetzt be­setzt.

VE­RIN­GEN­STADT - Die Su­che nach ei­nem Leh­rer für die Grund­schu­le Ve­rin­gen­stadt ist ge­glückt: Ob­wohl sie nicht zu­stän­dig ist, hat­te die Stadt­ver­wal­tung aus der Not her­aus zu­sam­men mit dem Schul­för­der­ver­ein ei­ne Stel­len­an­zei­ge ge­schal­tet und die Initia­ti­ve selbst er­grif­fen (die SZ be­rich­te­te). Die Su­che wur­de in den so­zia­len Netz­wer­ken groß dis­ku­tiert. Die neue Leh­re­rin heißt Kath­rin Haupt­mann, ist stu­dier­te Gym­na­si­al­leh­re­rin, ar­bei­te­te ne­ben­her als Ta­ges­mut­ter, ist selbst Mut­ter von zwei klei­nen Kin­dern und wohnt in In­ne­rin­gen. Sie las die Stel­len­an­zei­ge und ihr ers­ter Ge­dan­ke war: „Ist das ernst ge­meint?“Sie such­te die Anzeige auch auf der lan­des­ei­ge­nen On­li­ne-Platt­form für of­fe­ne Leh­rer­stel­len, die dort aber nicht mehr zu fin­den war. Dar­auf­hin be­warb sie sich auf die un­ge­wöhn­li­che Anzeige.

„Die Ein­stel­lungs­chan­cen für Gym­na­si­al­leh­rer wa­ren in die­sem Jahr we­gen Grund­schul­leh­rer­man­gel hoch – pu­bli­ziert wur­de dies aber auf klei­nem Weg“, sagt die Leh­re­rin. Sie ha­be dar­auf­hin das Re­gie­rungs­prä­si­di­um an­ge­ru­fen, um zu er­fah­ren, ob ei­ne Wei­ter­bil­dung für ein hal­bes De­pu­tat der Grund­schu­le auf drei Jah­re ver­teilt mög­lich wä­re. Das Re­gie­rungs­prä­si­di­um ha­be dar­auf­hin mit ei­nem kla­ren „Nein“ge­ant­wor­tet. „Frisch aus­ge­lernt und man möch­te ger­ne ar­bei­ten und wird dann so aus­ge­bremst“, sagt die Leh­re­rin wei­ter. Auf Nach­fra­ge teilt das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um je­doch mit, dass grund­sätz­lich ei­ne Qua­li­fi­zie­rung mit ei­nem hal­ben De­pu­tat mög­lich ist. Zwi­schen­zeit­lich konn­te sie die fa­mi­liä­re Si­tua­ti­on an­ders lö­sen und kann jetzt mit ei­nem vol­len De­pu­tat an­fan­gen.

Drei Be­wer­ber mel­den sich

Auf die Stel­len­an­zei­ge hin ha­ben sich drei Be­wer­ber ge­mel­det. Die Wahl fiel schnell auf Kath­rin Haupt­mann, die be­gin­nen wird, sobald ih­re Vor­gän­ge­rin in Mut­ter­schutz geht. Haupt­mann darf laut Schul­amt aber erst ei­ne Wo­che vor Be­ginn des Mut­ter­schut­zes ein­ge­ar­bei­tet wer­den. Das ist ein kur­zer Zei­t­raum, wenn man be­denkt, dass bei ei­ner Schwan­ge­ren nie ein ge­nau­es Da­tum fest­ge­legt wer­den kann. Bür­ger­meis­ter Ar­min Christ sagt: „Das Schul­amt wird von Be­den­ken­trä­gern re­giert, die nicht lö­sungs­ori­en­tiert ar­bei­ten, son­dern al­les erst mal ab­leh­nen, was man ih­nen vor­schlägt. Sie hät­ten in die­ser gro­ßen Not­si­tua­ti­on ih­re al­ten Pfa­de ver­las­sen müs­sen.” Um sie recht­zei­tig ein­ar­bei­ten zu kön­nen, ist Haupt­mann vor­über­ge­hend in der Schü­ler­be­treu­ung durch ei­nen Eh­ren­amts­ver­trag be­schäf­tigt, der ihr die Mög­lich­keit gibt, das Schul­le­ben ken­nen­zu­ler­nen.

Michael Go­mol­zig vom Ver­band Bil­dung und Er­zie­hung (VBE) fin­det die Idee mit der Anzeige ori­gi­nell und sie könn­te Ein­fluss auf die Po­li­tik neh­men, zu­min­dest zum Nach­den­ken an­re­gen. Er sagt: „Der VBE hat schon sehr früh im­mer wie­der auf die Be­deu­tung der Grund­schu­le hin­ge­wie­sen. Ge­ra­de der Be­reich der am schlech­tes­ten be­zahlt wird, weist den größ­ten Man­gel auf.“Des­halb müs­se das Land ei­ne hö­he­re Be­zah­lung von Grund­schul­leh­rern be­schlie­ßen. Die Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft (GEW) kann die Initia­ti­ve der El­tern nach­voll­zie­hen. Pres­se­spre­cher Mat­thi­as Schnei­der sagt: „Es ist ein jäm­mer­li­ches Ar­muts­zeug­nis der Lan­des­po­li­tik und es ist das Ver­säum­nis der ver­gan­ge­nen bei­den Lan­des­re­gie­run­gen. Sie ha­ben es ver­säumt die Stu­di­en­ka­pa­zi­tä­ten aus­zu­bau­en und die­ser Spar­po­li­tik wird al­les an­de­re un­ter­ge­ord­net.“

Quer­ein­stei­ger be­rück­sich­ti­gen

Die Lan­des­re­gie­rung soll­te durch die­se Ak­ti­on wach­ge­rüt­telt wer­den, sagt Wal­traud Mauz, kom­mis­sa­ri­sche Lei­te­rin der Grund­schu­le in Ve­rin­gen­stadt.

Ei­ne Mög­lich­keit die­sen Miss­stand zu be­he­ben wä­re, Quer­ein­stei­gern den Be­ruf des Leh­rers schmack­haft zu ma­chen. Nach Mei­nung der An­we­sen­den hilft die­se Initia­ti­ve, da­mit sich et­was ver­än­dert und das Fun­da­ment Grund­schu­le wie­der an Be­deu­tung ge­winnt. In Ve­rin­gen­stadt fehlt es jetzt al­so nur noch an ei­nem Sport­leh­rer.

Das Bei­spiel könn­te al­so im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes „Schu­le ma­chen“.

FO­TO: CA­RO­LI­NE SEI­DEL/DPA

FO­TO: JU­DITH GAUG­GEL

Für die Grund­schu­le Ve­rin­gen­stadt ist ei­ne neue Leh­re­rin ge­fun­den. Kath­rin Haupt­mann (Drit­te von rechts) über­nimmt die Stel­le. Auf dem Fo­to (von links): Schul­lei­te­rin Wal­traud Mauz, Da­nie­la St­ein­hart, Andrea Branz so­wie Bür­ger­meis­ter Ar­min Christ und Cath­rin Ko­los­in­ski.

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