Land gibt Flä­chen für So­lar­parks frei

Land­wir­te und Na­tur­schüt­zer kri­ti­sie­ren Plä­ne von Grü­nen und CDU

Schwaebische Zeitung (Pfullendorf) - - WIR IM SÜDEN - Von Kat­ja Korf

- Geht es nach der grün-schwar­zen Lan­des­re­gie­rung, dür­fen bald auf vie­len Äckern und Grün­flä­chen So­lar­an­la­gen ge­baut wer­den. Ei­ne ent­spre­chen­de Ver­ord­nung ha­ben die Mi­nis­ter von Grü­nen und CDU be­reits ab­ge­seg­net, nun ha­ben Ver­bän­de und an­de­re Be­trof­fe­ne bis En­de Ja­nu­ar Zeit, da­zu Stel­lung zu neh­men. Na­tur­schüt­zer und Land­wir­te kri­ti­sie­ren die Plä­ne zum Teil scharf.

Bis­lang dür­fen Pho­to­vol­ta­ik­zel­len nur ent­lang von Schie­nen und Au­to­bah­nen ge­baut wer­den, au­ßer­dem auf ehe­ma­li­gen Mi­li­tär­ge­län­den. Der grü­ne Um­welt­mi­nis­ter Franz Un­ter­stel­ler will nun lan­des­weit 900 000 Hekt­ar zu­sätz­lich frei­ge­ben. Das sind et­wa zwei Drit­tel al­ler land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen in Ba­den-Würt­tem­berg. Es han­delt sich da­bei um „be­nach­tei­lig­te Ge­bie­te“– al­so Äcker und Wie­sen, die theo­re­tisch we­gen La­ge oder Bo­den­kon­sis­tenz als we­ni­ger er­trag­reich ein­ge­stuft wer­den. Prak­tisch führt der Be­griff in die Ir­re: In der Ver­gan­gen­heit wur­den zahl­rei­che durch­aus gu­te Bö­den als „be­nach­tei­ligt“aus­ge­wie­sen. So konn­te das Land die be­trof­fe­nen Bau­ern in struk­tur­schwa­chen Ge­bie­ten för­dern.

Da­mit Ba­den-Würt­tem­berg nicht un­ter ei­nem Solar­tep­pich ver­schwin­det, ha­ben die Ex­per­ten ei­ne Gren­ze ge­zo­gen. Pro Jahr dür­fen nur An­la­gen mit ei­ner Leis­tung von ins­ge­samt 100 Me­ga­watt hin­zu­ge­baut wer­den – der­zeit gibt es So­lar­parks mit ei­ner Ge­samt­leis­tung von 343 Me­ga­watt im Land. Da­mit kön­nen jähr­lich ma­xi­mal 200 Hekt­ar neu für Fo­to­vol­ta­ik ge­nutzt wer­den. Das ent­spricht laut Um­welt­mi­nis­te­ri­um gera­de ein­mal 0,013 Pro­zent der ge­sam­ten land­wirt­schaft­li­chen Flä­che. Au­ßer­dem sol­len Vor­ga­ben si­cher­stel­len, dass Schutz­ge­bie­te oder Flä­chen, die wich­tig für die Pro­duk­ti­on von Le­bens­mit­teln sind, frei blei­ben.

Viel Son­ne, we­nig Platz

Das Land be­grün­det sein Vor­ha­ben so: Ba­den-Würt­tem­berg mit sei­nen vie­len Son­nen­stun­den ha­be mitt­ler­wei­le kaum noch Flä­chen frei für So­lar­parks. Doch die brau­che man, um die von den Ver­ein­ten Na­tio­nen ver­ein­bar­ten Zie­le für den Kli­ma­schutz zu er­rei­chen. Der Ver­ein So­lar­clus­ter Ba­den-Würt­tem­berg setzt sich für die Pho­to­vol­ta­ik im Land ein. Er hat aus­ge­rech­net, dass im Jahr 2015 nur 164 Me­ga­watt an So­lar­kraft im Land ge­baut wur­den. Nö­tig sei­en aber 700 Me­ga­watt jähr­lich.

An­ders als beim Bau von Wind­rä­dern muss für ei­ne So­lar­an­la­ge ein Be­bau­ungs­plan auf­ge­stellt wer­den. Da­her ha­ben Ge­mein­den mehr Mit­spra­che: Wind­rä­der kön­nen sie nicht ver­hin­dern, So­lar­parks schon.

Die Bau­ern im Land leh­nen das Vor­ha­ben ab. „Wir be­fürch­ten, dass gro­ße In­ves­to­ren in den Markt ein­grei­fen“, so Mar­co Eber­le vom Lan­des­bau­ern­ver­band (LBV). Da­bei sei­en Pach­ten und Kauf­prei­se oh­ne­hin schon hoch, dar­un­ter lit­ten die Land­wir­te.

Ein Spre­cher des Um­welt­mi­nis­te­ri­ums be­tont da­ge­gen, die ge­plan­ten Ve­rän­de­run­gen bö­ten Bau­ern neue Ein­nah­me­quel­len. Dar­auf weist auch Cars­ten Tscham­ber, Ge­schäfts­füh­rer des So­lar­clus­ters hin: „Mit Son­nen­en­er­gie lässt sich deut­lich mehr Geld ver­die­nen als mit Ener­gie­pflan­zen wie Mais oder an­de­ren Pro­duk­ten.“

Der LBV bleibt skep­tisch. „Wir se­hen nicht, wie der ein­zel­ne Land­wirt pro­fi­tie­ren soll“, sagt Fach­re­fe­rent Eber­le. Denn an­ders als Bau­ern hät­ten gro­ße In­ves­to­ren sehr viel Geld. Bäu­er­li­che Fa­mi­li­en­be­trie­be hät­ten oft kei­ne aus­rei­chend gro­ßen Flä­chen für So­lar­an­la­gen.

Ar­ten­schutz kann pro­fi­tie­ren

Die Na­tur­schüt­zer von BUND und Na­bu sind nicht grund­sätz­lich ge­gen die Än­de­run­gen. „Aber wir se­hen sie sehr kri­tisch“, sagt Franz Pöt­ter vom BUND. Zum ei­nen sin­ke der Druck, So­lar­an­la­gen über ver­bau­ten Flä­chen wie Park­plät­zen zu in­stal­lie­ren – was sinn­vol­ler sei, um kei­ne wei­te­ren Ge­bie­te zu ver­sie­geln. Au­ßer­dem for­dern BUND und Na­bu stren­ge Vor­ga­ben. So soll et­wa si­cher­ge­stellt wer­den, dass un­ter den So­lar­pa­nels ar­ten­schutz­rei­che Wie­sen ent­ste­hen. Dann hät­te das Mo­dell Vor­tei­le, so Eber­le.

We­sent­lich här­ter geht Wolf­gang Epp­le von der Na­tur­schutz­in­itia­ti­ve mit der Lan­des­re­gie­rung ins Ge­richt: „Wei­te­re freie Na­tur­flä­chen für die Pho­to­vol­ta­ik zu op­fern, ist ver­ant­wor­tungs­los, es gibt ge­nug un­ge­nutz­te Flä­chen auf Ge­bäu­den.“

Der Wan­ge­ner CDU-Ab­ge­ord­ne­te Rai­mund Ha­ser, der an dem Plan mit­ge­ar­bei­tet hat, sagt da­ge­gen: „Man kann nicht Atom­kraft­wer­ke ab­schal­ten wol­len, ge­gen kon­ven­tio­nel­le Kraft­wer­ke sein, ge­gen Wind­rä­der pro­tes­tie­ren und kei­ne So­lar­parks wol­len.“

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