In ei­nem fer­nen Land

Al­lein die Grö­ße zählt: Deut­sche Au­to­bau­er ge­ben sich in Detroit ganz ame­ri­ka­nisch

Schwaebische Zeitung (Pfullendorf) - - WIRTSCHAFT - Von Ben­ja­min Wa­ge­ner

- Es war nur ei­ne klei­ne Ta­fel am Stand des US-Au­to­her­stel­lers Ford auf der North Ame­ri­can In­ter­na­tio­nal Au­to Show in Detroit, aber sie de­mons­trier­te mehr als al­le Shows und Re­den, wo­rum es auf dem ame­ri­ka­ni­schen Markt wirk­lich geht: „Fu­el Eco­no­my Ra­tings not re­qui­red on this ve­hi­cle“(Die Be­wer­tung des Kraft­stoff­ver­brauchs ist bei die­sem Fahr­zeug nicht er­for­der­lich).

Fra­gen nach der Um­welt­ver­träg­lich­keit ei­nes Wa­gens, nach Ab­gas­wer­ten oder dem Ver­brauch zäh­len im Land des bil­li­gen Ben­zins und ei­nes ge­wähl­ten Prä­si­den­ten, der den Kli­ma­wan­del in Zwei­fel zieht, nicht viel. An­de­re Ar­gu­men­te ent­schei­den in den USA dar­über, ob die Her­stel­ler ein Fahr­zeug ver­kau­fen – oder nicht: Es geht um die Höchst­ge­schwin­dig­kei­ten und PS-Zah­len – und nicht zu­letzt dar­um, wie gut sich mit ei­nem Au­to po­sen lässt.

Wer aber glaubt, dass die deut­schen Au­to­her­stel­ler, die in Eu­ro­pa mit „Blue Tec“und „Blue Mo­ti­on“wer­ben und mit der größt­mög­li­chen Um­welt­ver­träg­lich­keit Käu­fer zu ge­win­nen su­chen, mit dem ame­ri­ka­ni­schen Markt frem­deln, der irrt. Auf der Show, die am heu­ti­gen Sams­tag für das Pu­bli­kum ih­re Pfor­ten öff­net, prä­sen­tie­ren die deut­schen Ma­na­ger ih­re Pro­duk­te ganz im Sti­le der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka – grö­ßer, schnel­ler, lau­ter, stär­ker.

So rausch­te Daim­ler-Chef Die­ter Zet­sche mit ei­nem „GLA 45 4MA­TIC“zum Mer­ce­des-Stand in Detroit. Der 63-Jäh­ri­ge ent­stieg dem Wa­gen aus dem Hau­se der Mer­ce­des­Tu­ning-Mar­ke AMG, wand­te sich an das Pu­bli­kum und frag­te: „Wie kann man so ein Au­to nicht mö­gen, das so schnell von null auf 100 Ki­lo­me­ter pro St­un­de be­schleu­nigt?“4,4 Se­kun­den braucht Zet­sches Wa­gen, die 381 PS wa­ren ein wei­te­res Ver­kaufs­ar­gu­ment, mit dem Daim­ler in den USA für sein Pro­dukt warb.

„Kein lu­xu­riö­se­res Au­to“

Bei Au­di ging es nicht um Ge­schwin­dig­keit, son­dern um die rei­ne Grö­ße. Die In­gol­städ­ter stell­ten im Co­boCen­ter von Detroit das Kon­zept des Q8 vor. Der SUV (Sport Uti­li­ty Ve­hi­cle, eng­lisch für so­ge­nann­ten Ge­län­de­li­mou­si­nen) soll nächs­tes Jahr auf den Markt kom­men und ist mehr als fünf Me­ter lang und zwei Me­ter breit. „Ist der Wa­gen nicht wun­der­schön? Ich lie­be die Far­be, die­ses Bom­bay-Blau“, schwärm­te Diet­mar Vog­gen­rei­ter, im Au­di-Vor­stand zu­stän­dig für Mar­ke­ting und Ver­trieb. „Man kann ein­fach kein Au­to fin­den, das lu­xu­riö­ser ist als die­ses.“

Gä­be es ei­nen Po­ser-Preis auf der Show, er­hiel­te den wohl BMW-Mar­ke­ting-Vor­stand Ian Ro­bert­son. Der Bri­te fuhr mit ei­nem BMW M760 auf die Büh­ne und ließ den Mo­tor noch ein­mal auf­heu­len, be­vor er aus dem Wa­gen klet­ter­te. „Ich lie­be ein­fach den Sound die­ses Au­tos“, sag­te Ro­bert­son. „Die­ses Mo­dell steht für un­se­ren An­spruch, un­se­re Prä­senz in der obe­ren Lu­xus­klas­se zu stär­ken.“Der M760 hat nicht we­ni­ger als 610 PS, und Ro­bert­son nennt ihn hin­ge­bungs­voll „ul­ti­ma­te dri­ving ma­chi­ne“(ul­ti­ma­ti­ve Fahr­ma­schi­ne).

Der Volks­wa­gen-Kon­zern hat­te mit Her­bert Diess den Chef der Mar­ke Volks­wa­gen nach Detroit ge­schickt – und der kün­dig­te, völ­lig un­be­ein­druckt von den neus­ten Ent­wick­lun­gen in der Ab­gas-Af­fä­re, die „gro­ße Come­back-Sto­ry“des Au­to­bau­ers in den USA an. In Eu­ro­pa sei man mit der Au­f­ar­bei­tung schon sehr weit, in Ame­ri­ka ha­be man die ers­ten Schrit­te ge­macht. „Wir wer­den das Ver­trau­en un­se­rer ame­ri­ka­ni­schen Käu­fer zu­rück­ge­win­nen mit Au­tos, die wir ex­tra für die US-Kun­den ent­wi­ckelt ha­ben“, sag­te Diess – und prä­sen­tier­te zwei Schlacht­schif­fe, die in Deutsch­land in nor­ma­len Park­häu­sern zwei Park­plät­ze brau­chen: ei­nen um 21,5 Zen­ti­me­ter ver­län­ger­ten Ti­gu­an – „un­ser Raum­rie­se, maß­ge­schnei­dert für die USA“– und den At­las, ei­nen spe­zi­ell für die Ver­ei­nig­ten Staa­ten ent­wi­ckel­ten SUV.

Das größ­te Fo­rum in Detroit si­cher­te sich Ford. Der Tra­di­ti­ons­kon­zern aus Mi­chi­gan hat­te sich die Hal­le des De­troi­ter Eis­ho­ckey­teams Red Wings di­rekt ne­ben dem Mes­se­ge­län­de ge­mie­tet, um ei­ne neue Ver­si­on des wohl mit Ab­stand be­lieb­tes­ten Wa­gens der ame­ri­ka­ni­schen Au­to­fah­rer zu prä­sen­tie­ren. Un­ter dem Ju­bel der Zu­schau­er auf den gut ge­füll­ten Tri­bü­nen zeig­te Ford den F-150. Ei­nen Pick-up mit 300 PS und neu­em mar­tia­li­schen Küh­ler­grill.

FO­TO: DPA

Der Au­di Q8 Con­cept auf der North Ame­ri­can In­ter­na­tio­nal Au­to Show: Es gibt kein Au­to, das lu­xu­riö­ser ist als die­ses, sagt Au­di-Vor­stand Diet­mar Vog­gen­rei­ter. Über die Ver­brauchs- und Ab­gas­wer­te des fünf Me­ter lan­gen Schiffs ließ der Ma­na­ger die Zu­schau­er in Detroit al­ler­dings im Un­kla­ren.

FO­TO: BEN­JA­MIN WA­GE­NER

Ent­lar­ven­des Hin­weis­schild auf der Au­to­show in Detroit: Die Be­wer­tung des Kraft­stoff­ver­brauchs ist bei die­sem Fahr­zeug nicht er­for­der­lich.

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