Der schwe­re Ab­schied von der Weih­nachts­zeit

Schwaebische Zeitung (Pfullendorf) - - PFULLENDORF UND DIE REGION/SERVICE - Von Ge­mein­de­re­fe­ren­tin Eli­sa­beth Kö­nig, Wald

Der All­tag hat uns wie­der, könn­te man sa­gen. Die Weih­nachts­fe­ri­en sind vor­bei, die Schüler kom­men lang­sam wie­der in ih­ren Schul­all­tag und an vie­len Or­ten sind die Christ­bäu­me und die Weih­nachts­be­leuch­tung ab­ge­baut. Manch ei­ner ist froh, dass die Fei­er­ta­ge mit den ge­füll­ten Ti­schen und Tel­lern erst ein­mal vor­bei sind. Das Sport­pro­gramm kann in An­griff ge­nom­men wer­den, da­mit das, was ei­nem viel­leicht zu viel vor­kommt, ab­trai­niert wer­den kann.

Und doch, ich muss ge­ste­hen: Mir fällt der Ab­schied von die­ser Zeit schwer: kei­ne hel­len Lich­ter mehr in der Dun­kel­heit, Tan­nen­baum und Krip­pen­fi­gu­ren wer­den ab­ge­räumt. Aber an die­sem Wo­che­n­en­de wird wohl auch bei mir zu Hau­se al­les wie­der auf All­tag um­ge­stellt.

Doch hier und da zeigt es sich, dass es im­mer wie­der auch Men­schen­kin­der gibt, die bei der al­ten Tra­di­ti­on blei­ben, den Christ­baum bis zu Ma­ria Licht­mess ste­hen zu las­sen und die Weih­nachts­zeit lang­sam aus­klin­gen zu las­sen. Hier und da sieht man im­mer noch die Lich­ter­ket­ten bren­nen und das tut ja auch ein Stück weit gut.

In der lit­ur­gi­schen Ord­nung ist All­tag ein­ge­kehrt: Die Zeit im Jah­res­kreis hat be­gon­nen und die Far­be Grün lässt uns schon ei­nen Hauch vom Früh­jahr und Neu­an­fang er­ah­nen – auch wenn al­le Kin­der und Win­ter­sport­ler sich jetzt erst ein­mal noch am Schnee und der schö­nen Win­ter­land­schaft er­freu­en. Auch die Tex­te der Sonn­ta­ge er­zäh­len von den An­fän­gen, in de­nen Je­sus sich auf das Wir­ken in der Welt ein­ge­stellt hat.

Ich er­in­ne­re mich noch an Kind­heits­ta­ge, da ich je­den Sams­tag mit mei­ner bes­ten Freun­din in der Vor­abend­mes­se mi­nis­trier­te. Da wun­der­te es mich im­mer, wie so kurz nach Weih­nach­ten gleich vom er­wach­se­nen Je­sus die Re­de war – hat­te er doch erst noch in der Krip­pe im Stall ge­le­gen.

Und doch gibt es auch an die­sem Sonn­tag von den Texten her aus mei­ner Sicht ei­nen klei­nen weih­nacht­li­chen Nach­klang. In der Je­sa­ja­le­sung wird vom Licht für die Völ­ker ge­spro­chen, das auf Je­sus ge­deu­tet wird, und die ad­vent­li­che Gestalt von Jo­han­nes dem Täu­fer kommt auch wie­der vor. Fast mei­ne ich, dass mich in die­sem Kir­chen­jahr die­ser Jo­han­nes ein we­nig ver­folgt. Bei vie­len Got­tes­diens­ten, die ich in den ver­gan­ge­nen Wo­chen vor­be­rei­tet ha­be, taucht er im­mer wie­der auf. Im Geis­te se­he ich den mah­nen­den Zei­ge­fin­ger von Jo­han­nes dem Täu­fer, der am Isen­hei­mer Al­tar in Col­mar über­groß dar­ge­stellt ist. Er weist dar­auf hin: Die­ser Je­sus ist das Lamm Got­tes und lädt uns ein zu über­le­gen.

Wer ist die­ser Je­sus für mich? Gibt es ihn für mich nur zu spe­zi­el­len Zei­ten wie an Weih­nach­ten und Os­tern? Oder hat die­ser Je­sus auch in mei­nem All­tag Platz? Las­se ich ihn an mei­nem Le­ben teil­neh­men, mit al­len schö­nen und schwe­ren Din­gen, die ein je­der Tag so bringt? Kann ich mich ihm an­ver­trau­en und mit ihm in je­den neu­en Tag ge­hen? Neh­me ich ihn mit zu den vie­len gro­ßen und klei­nen Be­geg­nun­gen, die es Tag für Tag gibt? Neh­me ich ihn mit in die­se neue Zeit am Be­ginn des Jah­res und in all die Din­ge, die jetzt auf uns zu­kom­men?

Ich wün­sche uns al­len von gan­zem Her­zen, dass wir die­sen Je­sus so in un­ser Le­ben mit hin­ein­las­sen, dass wir da, wo wir sind, als Chris­ten zu ihm ste­hen und uns zu ihm be­ken­nen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.