Wenn Rauf­bol­de mu­si­zie­ren

In­die-Rock von Je­sus And The Ma­ry Chain

Schwaebische Zeitung (Pfullendorf) - - SZENE - Von Ste­fan Ro­ther

- Sat­te 19 Jah­re liegt das letz­te Stu­dio­al­bum zu­rück und in der Zeit sind ei­ne gan­ze Men­ge Bands mit dem Sound von Je­sus And The Ma­ry Chain (JAMC) er­folg­reich ge­we­sen – vom Black Re­bel Motor­cy­cle Club bis hin zu den Dum Dum Girls. Aber so un­ver­kenn­bar wie die Schot­ten klingt bis heu­te nach wie vor kei­ner und des­halb den­ken die Brü­der Jim und Wil­li­am Reid auch gar nicht dar­an, an ih­rem grund­le­gen­den Kon­zept nach der lan­gen Pau­se ir­gend­et­was mo­der­ni­sie­ren zu müs­sen.

So gilt auch auf „Da­ma­ge And Joy“die For­mel, Me­lo­di­en, wie sie die Girl­groups der 1960er-Jah­re nicht schö­ner hin­ge­kriegt hät­ten, un­ter hoch auf­ge­türm­tem Gi­tar­ren-Feed­back zu be­gra­ben. Mit En­de 50 sind die bei­den aber im­mer­hin be­reit, öf­ter mal gu­te Song­ide­en für sich ste­hen zu las­sen – ins­be­son­de­re, wenn sie sich weib­li­che Un­ter­stüt­zung ans Mi­kro­fon ho­len. Zu Gast sind ih­re jün­ge­re Schwes­ter Lin­da, Sky Fer­rei­ra im gut har­mo­nie­ren­den „Black And Blues“und Is­o­bel Camp­bell, frü­her bei Bel­le and Se­bas­ti­an.

Wenn ei­nem ge­le­gent­lich et­was arg be­kannt vor­kommt, liegt das nicht nur an den be­währ­ten Zu­ta­ten – „All Things Pass” er­schien et­wa schon vor neun Jah­ren in ei­ner frü­he­ren Ver­si­on auf dem Sound­track von „He­roes“. Auch die üb­ri­gen Num­mern wur­den im Lau­fe der Jah­re ge­schrie­ben, für ei­ne Auf­nah­me konn­te sich das Brü­der­paar, das sich frü­her re­gel­mä­ßig an die Gur­gel ging, aber erst jetzt zu­sam­men­rau­fen. Vi­el­leicht half Pro­du­zent Youth als Sch­lich­ter, son­der­lich hör­ba­ren Ein­fluss auf das Re­sul­tat hat­te er aber nicht. Trotz der lan­gen Ent­ste­hungs­ge­schich­te klingt das Al­bum an­ge­nehm aus ei­nem Guss und nach ei­ner klas­si­schen Rock’n’Roll Plat­te. Pas­sen­der­wei­se er­scheint das Al­bum nicht nur di­gi­tal, auf CD und LP, son­dern auch als Mu­sik­kas­set­te.

Auch auf vier Kon­zer­ten kann man die Band im April in Deutsch­land er­le­ben. Die Zei­ten, in de­nen Auf­trit­te nur 20 Mi­nu­ten dau­er­ten und sich im An­schluss Band und Pu­bli­kum prü­gel­ten, sind al­ler­dings vor­bei – was man be­ru­hi­gend oder be­dau­er­lich fin­den kann ….

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.