„Es fehlt mir ein­fach ein Leucht­turm­pro­jekt“

Hans Hal­der ist neu­er Vor­sit­zen­der des SPD-Orts­ver­eins Pful­len­dorf – Die­ser will wie­der in den Ge­mein­de­rat

Schwaebische Zeitung (Pfullendorf) - - PFULLENDORF - PFUL­LEN­DORF (SPD-Bun­des­tags­kan­di­dat für den Bo­den­see­kreis, Anm. d. Red.).

- Un­ter ih­rem neu­en Vor­sit­zen­den Hans Hal­der will der SPD-Orts­ver­ein Pful­len­dorf bald wie­der in der Kom­mu­nal­po­li­tik mit­mi­schen. Mit SZ-Re­dak­teur Se­bas­ti­an Korinth spricht Hal­der über die Su­che nach ge­eig­ne­ten Kan­di­da­ten, mög­li­che Leucht­turm­pro­jek­te für Pful­len­dorf und dar­über, war­um er Ma­nue­la Schwe­sig bes­ser fin­det als Mar­tin Schulz.

Herr Hal­der, wann sind Sie in die SPD ein­ge­tre­ten?

Vor zwei Jah­ren bin ich zu­nächst Gast­mit­glied ge­wor­den, seit ei­nem Jahr bin ich rich­ti­ges Mit­glied. Bis­lang ha­ben mich Fa­mi­lie und Be­ruf voll aus­ge­füllt, in­zwi­schen ha­be ich et­was mehr Zeit. Ich möch­te ger­ne ei­nen per­sön­li­chen Bei­trag zur De­mo­kra­tie leis­ten. Die SPD hat Hil­fe nö­tig, die De­mo­kra­tie auch.

Sie hät­ten aber ja auch ei­ner an­de­ren Par­tei hel­fen kön­nen. War­um ist es die SPD ge­wor­den?

Die SPD steht mir nä­her als al­le an­de­ren Par­tei­en. Die CDU ist Hü­ter und Be­wah­rer und hat Angst vor Ve­rän­de­rung. Die AfD hal­te ich nicht für be­son­ders de­mo­kra­tisch. FDP und Grü­ne wä­ren da für mich schon eher in Fra­ge ge­kom­men. Aber die FDP ist mir zu un­scharf und die Grü­nen ha­ben sich mei­ner Mei­nung nach mitt­ler­wei­le zu sehr auf Klein­the­men ge­stürzt. Da­bei bin ich in mei­nem Her­zen ei­gent­lich ein Grü­ner: Ich wür­de mich freu­en, wenn wie­der mehr In­sek­ten flö­gen und ich bin ge­gen den Ein­satz von Gly­pho­sat. Trotz­dem ha­be ich mich für die SPD ent­schie­den – we­gen ih­rer sehr de­mo­kra­ti­schen Um­gangs­wei­se und weil sie sich auch nicht vor Kon­tro­ver­sen scheut.

Hat Mar­tin Schulz für Ih­ren Par­tei­Ein­tritt ei­ne Rol­le ge­spielt?

Nein. Mar­tin Schulz ist ei­ne ach­tens­wer­te Per­sön­lich­keit und ich fin­de es scha­de, dass man ihn so ver­brannt hat. Aber auch wenn er tol­le Re­den ge­hal­ten hat: Er selbst hat­te für die Bun­des­tags­wahl nie ei­nen ech­ten Plan. Ich fin­de Mar­tin Schulz okay, aber mein Lieb­ling ist er nicht.

Wer denn?

Hier in der Re­gi­on gu­cken wir oh­ne­hin mehr auf Le­on Hahn

Es ist scha­de, dass sich sol­che jun­gen Leu­te nicht bes­ser durch­set­zen kön­nen. Er hät­te den Ein­zug in den Bun­des­tag ver­dient ge­habt. Auf Bun­des­ebe­ne fin­de ich Ma­nue­la Schwe­sig bes­ser als Mar­tin Schulz. Sie ist sym­pa­thisch, hat sich lei­se vor­ge­ar­bei­tet und ist im­mer gut vor­be­rei­tet und kon­zen­triert, wenn sie öf­fent­lich auf­tritt.

Auf ein­mal scheint auch ei­ne Gro­ße Ko­ali­ti­on wie­der mög­lich zu sein. Ha­ben Sie kei­ne Sor­ge, dass die SPD da­bei er­neut un­ter die Rä­der kommt?

Nein, ich fän­de ei­ne Gro­ße Ko­ali­ti­on gut. Mir geht es um et­was Grund­sätz­li­che­res: Nicht die Par­tei­ar­beit soll­te im Vor­der­grund ste­hen, son­dern das, was die Be­völ­ke­rung möch­te. Wenn die SPD dar­auf hö­ren wür­de, könn­te sich dar­aus auch wie­der et­was Neu­es ent­wi­ckeln – et­was, in dem sich die Men­schen wie­der­er­ken­nen. Dann hät­te die Par­tei mit Si­cher­heit auch wie­der bes­se­re Wah­l­er­geb­nis­se.

Seit zwei Mo­na­ten sind Sie Vor­sit­zen­der des SPD-Orts­ver­eins Pful­len­dorf. Wie groß ist die­ser über­haupt?

Wir zäh­len gut 20 Mit­glie­der, von de­nen sich ein har­ter Kern ein­mal im Mo­nat trifft.

Als nächs­tes Ziel ha­ben Sie für die Kom­mu­nal­wahl 2019 gleich mal den Ein­zug in den Pful­len­dor­fer Ge­mein­de­rat mit ei­ner ei­ge­nen Lis­te vor­ge­ge­ben. Ist das rea­lis­tisch?

Klar ist: Da­für braucht man ein Zug­pferd und Ide­en – bei­des gab es in Pful­len­dorf in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht. Au­ßer­dem be­nö­ti­gen wir mehr Mit­glie­der be­zie­hungs­wei­se Kan­di­da­ten. Auch wenn es bei uns gu­te Leu­te gibt: Bei Wei­tem nicht al­le wür­den bei der Kom­mu­nal­wahl ins Ren­nen ge­hen.

Wie wol­len Sie das an­stel­len?

Erst ein­mal sam­meln wir wert­frei und er­geb­nis­of­fen mög­li­che The­men für die Kom­mu­nal­wahl. Wenn wir Gu­tes tun wol­len, dann hier und nicht in Sig­ma­rin­gen oder in Stutt­gart. Pful­len­dorf macht sehr viel rich­tig, vor al­lem bei der Pflicht. Aber bei der Kür gibt es noch Luft nach oben. Es fehlt mir ein­fach ein Leucht­turm­pro­jekt. Wie wä­re es mit ei­nem Hal­len­bad mit Sport­bahn, ge­mein­sam fi­nan­ziert mit der Bun­des­wehr? Wie wä­re es mit ei­nem Glücks­at­las, der sich mit der Le­bens­zu­frie­den­heit der Pful­len­dor­fer be­fasst? Das sind jetzt aber nur zwei will­kür­li­che Bei­spie­le. Wir wol­len bis zum Kom­mu­nal­wahl­kampf noch wei­te­re The­men er­här­ten.

Und wie wol­len sie ge­nug Kan­di­da­ten zu­sam­men­be­kom­men?

Ei­ne ei­ge­ne Lis­te auf­zu­stel­len, wird selbst­ver­ständ­lich schwie­rig. Wir wol­len aber auch Leu­te an­spre­chen, die nicht Par­tei­mit­glied sind. Ei­ne an­de­re Mög­lich­keit wä­re ei­ne ge­mein­sa­me Lis­te mit ei­ner wei­te­ren Par­tei – zum Bei­spiel mit den Grü­nen. Viel­leicht gibt es ja den ei­nen oder an­de­ren, der für sich ei­ne ge­eig­ne­te Lis­te sucht. Ob et­was klappt, merkt man erst, wenn man es ver­sucht. Und wir wer­den es ver­su­chen.

Und wenn es nicht klappt?

Dann bin ich nicht der Typ, der sagt: „Es hat nicht ge­klappt, dann ma­che ich es nie wie­der!“Ich wür­de mich eher fra­gen, was ich für Feh­ler ge­macht ha­be – und es noch ein­mal pro­bie­ren. Auf je­den Fall fän­de ich es falsch, es gar nicht erst zu ver­su­chen.

FO­TO: SE­BAS­TI­AN KORINTH

Hans Hal­der vor ei­ner höl­zer­nen Wahl­kampf-Bank mit SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz. „Ich fin­de Mar­tin Schulz okay, aber mein Lieb­ling ist er nicht, sagt Hal­der im SZ-Ge­spräch.

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