Macht­kampf in der CSU

In­nen­mi­nis­ter Herr­mann soll ge­gen Sö­der an­tre­ten

Schwaebische Zeitung (Riedlingen) - - ERSTE SEITE -

MÜN­CHEN (AFP) - Im Füh­rungs­streit der CSU strebt ei­nem Be­richt zu­fol­ge nun auch Bay­erns In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU) den Pos­ten des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten an. Für die Spit­zen­kan­di­da­tur zur Land­tags­wahl 2018 zeich­net sich of­fen­bar ei­ne Kampf­ab­stim­mung zwi­schen Herr­mann und Fi­nanz­mi­nis­ter Mar­kus Sö­der (CSU), dem in­ter­nen Ri­va­len von Par­tei­chef Horst See­ho­fer, ab. Dies be­rich­te­te die „Süd­deut­sche Zei­tung“am Mitt­woch. Be­stä­ti­gen woll­te Herr­mann dies noch nicht. Der „Süd­deut­schen Zei­tung“sag­te er: „Ich wer­de nichts sa­gen, bis Horst See­ho­fer sich er­klärt hat. Das ist ei­ne Fra­ge des Re­spekts und An­stands.“

Wohl am kom­men­den Mon­tag wird die CSU-Frak­ti­on im Land­tag zu­sam­men­kom­men, um ih­ren Fa­vo­ri­ten zu be­stim­men. Die Ab­ge­ord­ne­ten wer­den ei­ne Emp­feh­lung für den Par­tei­tag am 15./16. De­zem­ber in Nürnberg aus­spre­chen, der den Spit­zen­kan­di­da­ten kürt.

MÜN­CHEN (dpa) - Noch be­vor sich der baye­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent und CSU-Chef Horst See­ho­fer selbst zu sei­nen Zu­kunfts­plä­nen äu­ßert, bahnt sich hin­ter den Ku­lis­sen ein mög­li­cher Macht­kampf um sei­ne Nach­fol­ge an: Nach über­ein­stim­men­den Me­dien­be­rich­ten will sich Bay­erns In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann um die CSU-Spit­zen­kan­di­da­tur für die Land­tags­wahl 2018 und da­mit um das Amt des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten be­wer­ben. Soll­te der 61Jäh­ri­ge tat­säch­lich sei­nen Hut in den Ring wer­fen, dürf­te es zu ei­ner Kampf­ab­stim­mung zwi­schen Herr­mann und Fi­nanz­mi­nis­ter Mar­kus Sö­der (50) kom­men.

Der See­ho­fer loy­al er­ge­be­ne Herr­mann soll nach Be­rich­ten von „Süd­deut­scher Zei­tung“und „Münch­ner Mer­kur“be­reits am Mon­tag bei ei­nem Ge­heim­tref­fen in der baye­ri­schen Staats­kanz­lei an­ge­kün­digt ha­ben, sich um die Spit­zen­kan­di­da­tur zu be­wer­ben. An dem Tref­fen soll ne­ben See­ho­fer ein klei­ner Kreis wei­te­rer hoch­ran­gi­ger CSU-Po­li­ti­ker teil­ge­nom­men ha­ben.

Sö­der hält sich be­deckt

Sö­der hat sei­ne Am­bi­tio­nen noch nicht öf­fent­lich er­klärt, mit sei­nem An­tre­ten wird in der CSU aber fest ge­rech­net. Am kom­men­den Mon­tag will die CSU-Land­tags­frak­ti­on noch vor ei­ner Sit­zung des Par­tei­vor­stands ih­ren Fa­vo­ri­ten wäh­len – die Ent­schei­dung hat aber kei­ne bin­den­de Wir­kung für den Vor­stand. In der Frak­ti­on wer­den Sö­der deut­lich mehr An­hän­ger und Un­ter­stüt­zer zu­ge­ord­net als Herr­mann, der be­reits CSU-Spit­zen­kan­di­dat bei der Bun­des­tags­wahl war. Die CSU fuhr da­bei im Sep­tem­ber ein historisch schlech­tes Wah­l­er­geb­nis ein, seit­her steht See­ho­fer un­ter Druck.

Herr­mann war in den ver­gan­ge­nen Wo­chen be­reits wie­der­holt für die per­so­nel­le Neu­auf­stel­lung der CSU von Par­tei­freun­den ins Spiel ge­bracht wor­den. Er selbst ver­wies auf die noch aus­ste­hen­de Aus­sa­ge See­ho­fers zu des­sen Pla­nun­gen. Zu­min­dest in der Land­tags­frak­ti­on se­hen vie­le Herr­mann aber auch kri­tisch. Sie fürch­ten, dass er die CSU im kom­men­den Jahr bei der Ver­tei­di­gung der ab­so­lu­ten Mehr­heit nicht hin­rei­chend un­ter­stüt­zen kann. Ins­be­son­de­re we­gen der in Bay­ern star­ken AfD se­hen hier vie­le Sö­der als bes­se­ren Kan­di­da­ten. Auch Sö­der hat sich noch nicht zu sei­nen Kar­rie­re­plä­nen ge­äu­ßert, sei­ne Be­reit­schaft ist aber seit Jah­ren ein of­fe­nes Ge­heim­nis in der CSU.

Of­fen ist noch, wie sich See­ho­fer ver­hält. Vie­le in der Par­tei ge­hen da­von aus, dass er zu­nächst den Pos­ten des Par­tei­chefs be­hal­ten wird, ein Ver­zicht auf die Spit­zen­kan­di­da­tur gilt aber als wahr­schein­lich. Soll­te See­ho­fer auch nicht mehr für das Amt des Par­tei­chefs zur Ver­fü­gung ste­hen, gel­ten Lan­des­grup­pen­chef Alex­an­der Do­brindt und Par­tei­vi­ze Man­fred We­ber als aus­sichts­rei­che Kan­di­da­ten.

Al­le war­ten auf See­ho­fers für Mon­tag an­ge­kün­dig­te Er­klä­rung. Die fi­na­le Ent­schei­dung zur Spit­zen­kan­di­da­tur steht am 15. und 16. De­zem­ber auf dem CSU-Par­tei­tag in Nürnberg an, dann soll auch der Vor­stand tur­nus­mä­ßig neu ge­wählt wer­den.

FO­TO: DPA

Joa­chim Herr­mann (CSU)

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