Teu­re Ba­sis­kon­ten

Ei­ne Un­ter­su­chung der Stif­tung Wa­ren­test zeigt: Ban­ken er­he­ben für das Recht auf ein Kon­to oft zu ho­he Ge­büh­ren

Schwaebische Zeitung (Riedlingen) - - GELD & SERVICE - Von Falk Ziel­ke

LEIP­ZIG (dpa) - Über­wei­sun­gen, Dau­er­auf­trä­ge oder Kar­ten­zah­lun­gen – oh­ne ei­ge­nes Kon­to geht das nicht. Da­mit al­le die Mög­lich­keit ha­ben, am bar­geld­lo­sen Zah­lungs­ver­kehr teil­zu­neh­men, gibt es seit Mit­te 2016 das Recht auf ein Gi­ro­kon­to. Geld­in­sti­tu­te müs­sen al­len Ver­brau­chern auf An­trag ein ent­spre­chen­des Kon­to er­mög­li­chen – auch Men­schen oh­ne fes­ten Wohn­sitz, Flücht­lin­gen oder fi­nan­zi­ell schwa­chen Ver­brau­chern.

Was in der Theo­rie ein­fach klingt, ist in der Pra­xis oft schwie­rig. „Geld­in­sti­tu­te ver­lan­gen mit­un­ter ho­he Prei­se für die Ba­sis­kon­ten“, sagt Kay Gör­ner von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Sach­sen. Ge­mein­sam mit an­de­ren Ver­brau­cher­zen­tra­len be­ob­ach­tet er im Rah­men des Markt­wäch­ters Fi­nan­zen die Ent­wick­lung des Mark­tes – und stößt da­bei im­mer wie­der auf Pro­ble­me.

Ei­ni­ge da­von lan­den auch vor Ge­richt – wie jüngst im De­zem­ber, als die Ver­brau­cher­schüt­zer mit ei­nem Geld­in­sti­tut strit­ten: Ei­ne Bank hat­te in ih­rem Preis­ver­zeich­nis ein Ent­gelt in Hö­he von 39 Eu­ro für die Ein­rich­tung ei­nes Ba­sis­kon­tos ver­langt. Aus Sicht der Ver­brau­cher­schüt­zer un­zu­läs­sig, weil für an­de­re Gi­ro­kon­ten kei­ne ent­spre­chen­den Ge­büh­ren ver­langt wur­den. Nach ei­ner Ab­mah­nung wil­lig­te das In­sti­tut ein, ei­ne strit­ti­ge Ent­gelt­klau­sel bis auf Wei­te­res nicht mehr zu ver­wen­den.

In ei­nem an­de­ren Fall ver­lang­te ein Kre­dit­in­sti­tut für sein Ba­sis­kon­to 5,99 Eu­ro pro Mo­nat und da­mit mehr als für ver­gleich­ba­re Kon­to­mo­del­le. Das Pro­blem: Für die güns­ti­ge­ren Mo­del­le war ein mo­nat­li­cher Ein­gang von Lohn-, Ge­halt- oder Ren­ten­zah­lun­gen Vor­aus­set­zung. Re­gel­mä­ßi­ge Ein­gän­ge von So­zi­al­leis­tun­gen be­rück­sich­tig­te das Geld­in­sti­tut aber nicht. Aus Sicht der Markt­wäch­ter ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung.

Bis zu 330 Eu­ro Jah­res­ge­bühr

Die Stif­tung Wa­ren­test un­ter­such­te jüngst die Ba­sis­kon­to-Kon­di­tio­nen von 108 Ban­ken. Das Er­geb­nis: „Vie­le Ban­ken sind zu teu­er.“Wäh­rend aus Sicht der Ex­per­ten 60 Eu­ro Jah­res­ge­bühr für ein nor­ma­les Gi­ro­kon­to ak­zep­ta­bel sind, ver­lang­ten ei­ni­ge der ge­tes­te­ten In­sti­tu­te rund 200 bis 330 Eu­ro Jah­res­ge­bühr für ein Ba­sis­kon­to. Da­bei tä­tig­te der Mo­dell­kun­de le­dig­lich ty­pi­sche Bu­chun­gen wie Über­wei­sun­gen und Dau­er­auf­trä­ge und nutz­te für Bar­geld­ab­he­bun­gen den Geld­au­to­ma­ten.

Geld­in­sti­tu­te be­grün­den die Prei­se mit dem Auf­wand ei­ner sol­chen Kon­to­er­öff­nung. Die Prü­fung der per­sön­li­chen Da­ten daue­re oft län­ger, ar­gu­men­tiert die Bran­che. Die Bank braucht ein Do­ku­ment, das ein Fo­to des Kun­den so­wie die wich­tigs­ten Da­ten ent­hält. Ne­ben Aus­wei­sen kom­men auch Dul­dungs­pa­pie­re oder Aus­kunfts­nach­wei­se in­fra­ge. Zu­dem muss der Kun­de ei­ne An­schrift an­ge­ben, über die er er­reich­bar ist.

Im­mer­hin: „Man kann nicht ge­ne­rell sa­gen, dass der Markt nicht funk­tio­niert“, sagt Ver­brau­cher­schüt­zer Gör­ner. Auch die Stif­tung Wa­ren­test fand neun Geld­in­sti­tu­te, die Ba­sis­kon­ten für we­ni­ger als 60 Eu­ro im Jahr an­bo­ten. Bei zwei die­ser Ban­ken war das Ba­sis­kon­to bei Ab­schluss in der Fi­lia­le so­gar kos­ten­los.

Ge­nutzt wer­den kann ein Ba­sis­kon­to in der Re­gel auf Gut­ha­ben­ba­sis. Das heißt, die Geld­in­sti­tu­te müs­sen dem Kun­den kei­nen Dis­po­kre­dit an­bie­ten. Auch auf ei­ne Kre­dit­kar­te ha­ben Kun­den kei­nen An­spruch.

Ver­wei­gert wer­den darf das Kon­to in der Re­gel nicht. Pas­siert das trotz­dem, kön­nen sich Ver­brau­cher di­rekt an die Bun­des­an­stalt für Fi­nanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (Ba­fin) wen­den. Ei­ne an­de­re An­lauf­stel­le ist der Om­buds­mann des je­wei­li­gen Ban­ken­ver­ban­des. Die Schlich­ter prü­fen eben­falls auf An­trag, ob ei­ne Ab­leh­nung be­rech­tigt war. Die Deut­sche Kre­dit­wirt­schaft lis­tet auf ih­rer Home­page (https://die-dk.de) die ent­spre­chen­den An­lauf­stel­len auf. Bei­de Ver­fah­ren sind für Pri­vat­per­so­nen kos­ten­los.

FO­TO: DPA

Bar­geld am Au­to­ma­ten be­kom­men Ver­brau­cher nur, wenn sie auch ein Kon­to ha­ben. Des­halb hat auch je­der ein Recht auf ein Ba­sis­kon­to.

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